Literatur und Identität

Die Politische Meinung, (11/2009) 480

In diesem Jahr geht der Nobelpreis für Literatur an Herta Müller und damit an eine rumänen-deutsche Schriftstellerin, die bereits 2004 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet wurde. Die Politische Meinung widmet sich aus diesem Anlass dem Thema „Literatur und Identität“. Der ausführliche Schwerpunkt geht dabei sowohl der Frage nach, wie und inwiefern die Literatur ein Form des historischen Gedächtnisses und der Verarbeitung traumatischer Ereignisse darstellt (Michael Braun), als auch, wie deutsch eigentlich die deutsche Literatur ist (Gerhard Lauer) und auf welche Weise Kunst und Literatur in einer postsäkularen Gesellschaft Freiheitsräume sichern (Walter Schweidler). Diese Aspekte werden durch einen Beitrag zur anthropologischen Aufgabe der Poesie (Rita Anna Tüpper) sowie durch einen Tagungsbericht ergänzt, der die Ergebnisse der fünften Literaturkonferenz der Reihe „Europa im Wandel“ referiert (Hrvoje Hlebec). Im Weiteren werden neben Herta Müller auch Werk, Persönlichkeit und Wirkung weiterer Literaten vorgestellt: Friedrich Schiller zum 250. Geburtstag (Rüdiger Görner), Anton Čechov und sein Schreibzwang (Gabriele Wohmann), Ulla Hahn im Gespräch (mit Christiane Florin), Uwe Tellkamp als neuer Preisträger des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung (Michael Braun), Golo Mann zum 100.Geburtstag (Sebastian Sasse) und Hans Magnus Enzensberger zu seinem 80. Geburtstag (Roman Luckscheiter). Eine eigene Rubrik setzt sich mit den Voraussetzungen und Konsequenzen des Mauerfalls in staatsrechtlicher (Jürgen Reuter) und ökonomischer Perspektive (Ulrich Blum) auseinander. Eine Betrachtung der Erinnerungsstätte „Point Alpha“ macht den Rückblick auf die bittere Realität der Mauer besonders plastisch (Gisbert Kuhn). Diese Rubrik ergänzt die Ausführungen der Oktoberausgabe „Der Sieg der Freiheit“. Die Rubrik „Grundsätzliches“ würdigt den bildungspolitischen Impetus von Josef Kraus (Jörg-Dieter Gauger) und blickt kritisch auf die erstaunliche jedoch meist destruktive Kraft informationsresistenter Illusionen (Andreas Püttmann).

Editorial

Rita Anna Tüpper-Fotiadis mehr...

„Ich esse einen kurzen Schlaf“

Herta Müller erhält Nobelpreis für Literatur
Herta Müller, schon 2004 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet, erhält den Nobelpreis für Literatur. Ihr Werk wagt es, Schrecken und Bedrohung durch ein Terrorregime meisterhaft ins Wort zu setzen. Wolf Schellers mehr...

Geschichte im Gedächtnis

Literatur als Erinnerungskultur
Glaubwürdig ist das literarische Gedächtnis nur, wenn es nicht allein schildert, was, sondern auch wie erinnert wird. Erst die wachsende Distanz zu traumatischen Ereignissen ermöglicht die Literarisierung der Geschichte und die Erfindung der Erinnerung. Michael Braun mehr...

Wie deutsch ist die deutsche Literatur?

Zur Eigenständigkeit in der Auseinandersetzung mit dem Fremden
Die deutsche Literatur hat sich im neunzehnten Jahrhundert erst in der Auseinandersetzung mit anderen Literaturen zu ihrer Eigenständigkeit entwickelt. Ein Ende dieses fruchtbaren Austausches, der neue Formen hervorzubringen verspricht, ist nicht abzusehen. Gerhard Lauer mehr...

Freie Rede und künstlerisches Wort jenseits des Konsenses

Freiheit bewährt sich im Dissens
Allein die freie Rede hat die Kraft, in der Demokratie die Toleranz für Positionen jenseits des Konsenses und damit für Kunst und Literatur aufrechtzuerhalten. An dieser wird sich das Schicksal der Freiheit in der postsäkularen Gesellschaft entscheiden. Walter Schweidler mehr...

„Das Heilige sei mein Wort“

Zur poetischen Aufgabe der Sprache
Die Poesie gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich frei von instrumentellen Zwängen selbst auszusagen und so sein Menschsein erst zu bestimmen. Ein Blick auf die Programmatik Friedrich Hölderlins, Rainer Maria Rilkes und Jochen Winters. Rita Anna Tüpper-Fotiadis mehr...

Literatur im europäischen Kontext

Zur fünften Konferenz der Tagungsreihe "Europa im Wandel"
Als Veranstaltungsort der fünften Konferenz der Tagungsreihe „Europa im Wandel“ wählte die Konrad-Adenauer-Stiftung Hermannstadt in Rumänien. Den Zusammenhang von Literatur, Werten und europäischer Identität beschrieben die Beiträge unter den Aspekten Erinnern und Verdrängen, Ausdruck des Individuums und literarische Zeugenschaft. Ein Tagungsbericht. Hrvoje Hlebec mehr...

Zeitgenosse Friedrich Schiller

Zum 250. Geburtstag des Dichters "höchsten Genusses"
Der „Dichter der Freiheit“ ruft noch 250 Jahre nach seiner Geburt die widersprüchlichsten Reaktionen hervor. Trotz seines politischen Impulses waren ihm Freude und höchster Genuss Ziel seiner Kunst – ein Streben, das es in Zeiten der Unterhaltungsindustrie neu zu verstehen gilt. Rüdiger Görner mehr...

Erzählungen wie Sand am Meer

Der Schriftsteller Anton Čechov
„Ich führe ein vorwiegend vegetatives Leben, ständig vergiftet von dem Gedanken, dass ich schreiben muss, ewig schreiben“ – eine Hommage an Čechov und eine Bemerkung zum Schreibzwang, zur Last der Langeweile und zum Selbstverständnis des Schriftstellers. Gabriele Wohmann mehr...

„In der Gegenwart verankert“

Im Gespräch mit Ulla Hahn
Wie „Das verborgene Wort“ dringt der neue autobiografische Roman „Aufbruch“ in die Erfahrungswelt des rheinischen Arbeiterkindes Hilla Palm ein. Ihr Blick zurück sei, so die Autorin, nicht im Zorn erfolgt. In der Gegenwart angekommen, bleiben Mitleid und Wut. Ulla Hahn, Christiane Florin mehr...

Die Freiheit des Erzählens

Uwe Tellkamp erhält den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2009
Michael Braun mehr...

Westbindung mit Widerständen

Zum 80. Geburtstag von Hans Magnus Enzensberger
Hans Magnus Enzensbergers literarische und politische Positionierungen sind nur schwer auf eine Linie zu bringen. Stand er in den 68ern für eine Internationale des linken Geistes, prangerte er schon wenig später die linke Selbstzensur an. Eine Würdigung zum 80. Geburtstag. mehr...

Ein Schuss „Willkür und Abhängigkeit“?

Anmerkungen zum politischen System der DDR
SED-Hörigkeit und das Fehlen einer unabhängigen justiz oder Presse gehörten zur DDR wie das Warten auf einen „Trabant“. Die Repressionen des Alltags waren Ausfluss eines zentralistischen und diktatorischen Staatsaufbaus und "Rechtssystems". Jürgen Reuter mehr...

Mehr als eine ökonomische Aufgabe

Die wirtschaftliche Transformation in den neuen Ländern
Da der Westen den Glauben an die deutsche Wiedervereinigung verloren hatte, fehlten Konzepte für eine wirtschaftliche Transformation der neuen Bundesländer. Erst ein neuer Technologiezyklus kann langfristig eine selbsttragende Wirtschaft stabilisieren. Ulrich Blum mehr...

Todeszäune, Wachtürme und ein Weg der Hoffnung

Mahnung und lebendige Geschichte zwanzig Jahre nach Öffnung der Grenze in Deutschland
Der Beobachtungspunkt „Point Alpha“, einst der sogenannte heißeste Punkt des Kalten Krieges, ist heute eine Erinnerungsstätte, die das Bewusstsein erlittener Grausamkeit und die Hoffnung auf die Stabilität der Freiheit und Würde verbindet. Gisbert Kuhn mehr...

Prinzipientreu

Zum 60. Geburtstag von Josef Kraus
Josef Kraus steht als Publizist, Gymnasialdirektor und langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes für eine Ausgewogenheit zwischen Zweckorientierung und Zweckfreiheit in der Bildung sowie für eine realistische und skeptische Bildungspolitik. Eine Hommage zum 60. Geburtstag. Jörg-Dieter Gauger mehr...

Kognitive Dissonanz

Über unsere verderbliche Neigung, die Kenntnisnahme von Wirklichkeiten zu verweigern
Informationsresistente Illusionen enden allzu häufig in privaten, beruflichen oder politischen Katastrophen. Eine sozialpsychologische Analyse beschrieb schon in den 1950er-Jahren einen fatalen wirklichkeitsverweigernden Mechanismus, der unverändert zu wirken scheint. Andreas Püttmann mehr...

Golo Mann zum 100. Geburtstag

- gelesen -
Tilmann Lahme: Golo Mann. Biographie / Tilmann Lahme (Hrsg.): „Man muss über sich selbst schreiben.“ Erzählungen, Familienporträts, Essays / Tilmann Lahme/ Kathrin Lüssi (Hrsg.): Golo Mann. Briefe 1932–1992 Sebastian Sasse mehr...

Diskussionsstoff im Sommer 1989

- gelesen -
Christoph Hein: Der Tangospieler Jörg Bernhard Bilke mehr...

Aktuelles intern

Aktionen, Programme und Publikationen der Konrad-Adenauer-Stiftung
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Kontakt

Die Politische Meinung / Redaktion
Rita Anna Tüpper-Fotiadis
Tel. +49 2241 246-2522
Fax +49 2241 246-2610
Rita.Tuepper-Fotiadis[at]kas . de

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