"Gepeinigte Christen"

Die Politische Meinung, (4/2011) 497

Ihrem Schwerpunkt „Gepeinigte Christen“ hat die "Politische Meinung" im April die aktuelle Rubrik „Arabischer Ruf nach Freiheit“ vorangestellt. Einblicke in den Verlauf und die Struktur der Revolution in Ägypten, die Rolle der Jugend in den arabischen Gesellschaften, die Ausrichtung der Muslimbrüder und die Positionierung Europas gegenüber seinen südlichen Nachbarn ermöglichen eine breite Reflexion der Hintergründe des Umbruchs in den maghrebinischen Staaten. Eine bestürzend umfassende Verfolgung von Christen greift weltweit in zunehmendem Maße um sich. Der Begriff der Religionsfreiheit droht von kollektiven Ansprüchen zu Ungunsten individueller Rechte umdefiniert zu werden. Die enge Verknüpfung von demokratischem Freiheitsverständnis und Respekt vor der christlichen Religion steht hier ebenso im Focus der Aufmerksamkeit wie ein Überblick über die dramatischen Fakten weltweit, die reglementierende Politik gegenüber den christlichen Kirchen in China und die Praxis in der Türkei. Ein Blick auf die friedensstiftende Funktion der Religionen empfiehlt gelebte Solidarität – wie sie in Ägypten für einen Moment zu sehen war – als Mittel gegen Instrumentalisierung und fundamentalistische Gewaltexzesse. In weiteren Rubriken geht die Aprilausgabe auf die Katastrophe in Japan mit einem Augenzeugenbericht ein, thematisiert die rechtlichen, technischen und strategischen Herausforderungen einer modernen Kriegsführung sowie die Problematik einer gerechteren Finanzbeziehung zwischen den deutschen Bundesländern. Außerdem erläutert eine kritische Bestandsaufnahme der Methoden von Facebook und anderen Netzwerken deren Vereinbarkeit mit den Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates.

Editorial

Wolfgang Bergsdorf mehr...

Revolution unter Militäraufsicht

Zu den Hintergründen des Umbruchs in Ägypten
Zu den Hintergründen des Umbruchs in Ägypten gehört die Rolle von Facebook ebenso wie die lange verdeckte Feindschaft zwischen „Wirtschaftsreformern“ und Militär. Auch soziale Verantwortung sowie ständige Repressionen haben die Wucht des Sturzes bewirkt. Sahra Gemeinder, Andreas Jacobs mehr...

Die arabische Jugend entlässt ihre politischen Führer

Zu den Forderungen nach einer neuen Legitimation jenseits des Extremismus
Die Schlüsselbegriffe der Ereignisse von Marokko bis Jordanien sind „Würde“ und „Freiheit“. In den arabischen, jugenddominierten Gesellschaften bricht sich eine Emanzipationsbewegung Bahn, die ihre Legitimation nicht aus extremistischen Motiven bezieht. Hardy Ostry mehr...

Ägyptens Muslimbrüder - auf der Weg zur Macht?

Die Position der Organisation zwischen Modernität und religiösem Rigorismus ist noch schwer definierbar
Die programmatischen Aussagen der ursprünglich karitativen Organisation sind aufgeschlossener als erwartet. Ob dies lediglich einer Imagepflege dient oder tatsächlich auf eine Abwendung von religiösem Rigorismus zugunsten einer Position der Mitte hindeutet, ist bislang kaum abzuschätzen. Michael A. Lange mehr...

Mehr Mut im Mittelmeerraum

Wie Deutschland die arabische Demokratiebewegung stärken und der euro-mediterranen Partnerschaft aus der Sackgasse helfe
Europa ist in den Beziehungen zu seinen südlichen Nachbarn konzeptionslos, wie die jüngsten Reaktionen auf die arabischen Aufstände gezeigt haben. Edmund Ratka mehr...

"Der Glaube kann nur in Freiheit geschehen"

Bedrängt - verfolgt - vertrieben: Christliche Minderheiten in Gefahr
Die christlichen Minderheiten sind weltweit massiver Verfolgung und Gewalttätigkeiten bis zum eiskalten Mord ausgesetzt. Der Umfang, in dem Menschen für ihren Glauben an den Gekreuzigten selbst zu Märtyrern werden, wird in der Weltöffentlichkeit in bedrohlichem Ausmaß ignoriert. Matthias Kopp mehr...

Wir müssen die Religionsfreiheit verteidigen

Ein universelles Menschenrecht gilt für Individuen, nicht für Kollektive
Die Freiheit der Wahl und Ausübung der Religion ist eine Grundvoraussetzung freiheitlichen Lebens. Dabei geht es jedoch um ein individuelles Recht, dessen Schutz zu einer außenpolitischen Forderung ersten Ranges werden muss, und nicht um den Schutz kollektiver Religionsgemeinschaften. Volker Kauder mehr...

Zur Situation der christlichen Kirchen in der Volksrepublik China

Ist die chinesische Religionspolitik gleichbedeutend mit Christenverfolgung?
In China sind die Christen von einer massiven Kontrolle und Einflussnahme durch staatliche Behörden betroffen. Die neuerliche Anerkennung der positiven Wirkung von Religionsgemeinschaften auf die gesellschaftliche Entwicklung ist von Religionsfreiheit weit entfernt. Georg Evers mehr...

Christenverfolgung in der Türkei

Ein Staat in der Spannung zwischen laizistischem Anspruch und islamischer Tradition
Die Türkei hat durch ihre geografische Lage, aber auch durch ihren Anspruch auf eine laizistisch begründete Religionsfreiheit eine Vorbildrolle für islamisch geprägte Staaten im arabischen Raum. Die jüngst eingetretene Diskriminierung stellt einen bedrohlichen Rückschritt dar. Ingrid Fischbach mehr...

Wo bleibt der Aufstand der Anständigen?

Religionen verbinden die Menschen in Toleranz und bei der Wahrung der Menschenrechte
Während in den politischen Diskussionen oftmals die „unfriedlichen Religionen“ und ihr Gewaltpotenzial im Vordergrund stehen, werden friedensstiftende Elemente zu wenig beleuchtet. Gelebte Solidarität ist ein probates Mittel gegen eine Instrumentalisierung der Angst vor dem Fremden. Björn Thümler mehr...

Fukushima und die Hoffnung auf mehr politische Partizipation in Japan

Die Katastrophe enthält auch eine Chance
Die Reaktion der japanischen Öffentlichkeit auf die dreifache Katastrophe war im Hinblick auf die Naturgewalten von bewundernswerter Gelassenheit; was das politische Engagement seiner Bürger betrifft, ist auf eine Stärkung des Interesses und der praktizierten Kritik zu hoffen. mehr...

Ius in bello und Guerillakrieg

Zu einem wachsendem Dilemma in modernen Kriegen
Die Entwicklung des Kriegsrechts in Bezug auf irreguläre Kämpfer in asymmetrischen Auseinandersetzungen hat die Entwicklung eines moralischen Dilemmas zur Folge. Hierauf müssen die deutschen Soldaten in völkerrechtlichen Schulungen angemessen vorbereitet werden. Klaus Jochen Arnold mehr...

Neue Kriege zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Zum fundamentalen Wandel bewaffneter Konflikte
Bewaffnete Konflikte sind in den vergangenen Jahrzehnten von einer asymmetrischen, von Regeln nicht mehr geleiteten Dynamik erfasst worden. Dies hat Konsequenzen für das Ausmaß ziviler Opfer und die Dauer sowie folglich für das Verständnis staatlicher Souveränität und militärischer Intervention. Wolfgang Bergsdorf mehr...

Für eine Reform der Finanzbeziehungen

Anstöße aus den USA und der Schweiz
Die Föderalismusreform hat nicht zu einer befriedigenden Lösung der Probleme des Länderfinanzausgleichs geführt; die Geberländer beraten eine Verfassungsklage. Ein Blick in die USA und die Schweiz zeigt mögliche Alternativen zu Teilen der deutschen Regelung auf. Axel Heise mehr...

Privatheit in der Online-Welt

Facebook als politische Herausforderung
Ein freiheitlicher und demokratischer Staat hat sein Fundament in der geschützten Privatheit seiner Bürger. Aufklärung junger Nutzer und Schadensbegrenzung gegenüber Facebook tun not. Arndt Bialobrzeski, Jens Ried mehr...

Krieg aus Überzeugung: Bush und Blair rechtfertigen den Irakkrieg, Bierling erklärt ihn

- gelesen -
Tony Blair: A Journey / George W. Bush: Decision Points / Stephan Bierling: Geschichte des Irakkriegs Patrick Keller mehr...

Von Krieg zu Krieg

- gelesen -
Hélène Berr: Pariser Tagebuch, 1942–1944 / Gabriel Chevallier: Heldenangst Wolf Scheller mehr...

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