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Transatlantisch: Aufenthaltsstatus ist eine Belastung

Mollie und Karl

Am 11. September 2011 heiraten Mollie und Karl – eine Amerikanerin und ein Deutscher - nahe Washington D. C. Dem ein oder anderen mag das Datum auffallen. An den 11. September wird in den Vereinigten Staaten eher nicht mit Feierlaune gedacht. Das wird sich womöglich zumindest bei dem Paar und den etwa 150 Hochzeitsgästen ändern, denn sie werden bald den so verhassten 11. September endlich mit etwas Positivem verbinden können.

Doch spulen wir erst zwei Jahre zurück.

Karl – ein wahrer USA-Liebhaber – besucht seinen Kumpel Jesper in Washington D. C. Jesper ist mit Anna verheiratet und beide arbeiten in einer Anwaltskanzlei. Zur After-Work-Happy-Hour schleppen sie eines Tages Karl mit. In der Bar ist Annas Freundin und Arbeitskollegin Mollie, die an einem Cidre-Glas nippt.

USA-Karte

1) Washington D. C.
2) Shenandoah Nationalpark
3) Omaha

Anna will Karl und Mollie verkuppeln und plant einen Ausflug. Bald fahren alle vier in einem Pick-Up-Truck von Washington nach Virginia – in den Shenandoah Nationalpark zum Mountain-Biken. Mollie und Karl verstehen sich auf Anhieb gut.

Es folgt ein Jahr transatlantischer Fernbeziehung, ein Heiratsantrag und ein kompletter Umzug von Karl in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

„Ich sehe meine Übersiedlung in die USA und das Integrieren in die amerikanische Gesellschaft mit einem zwinkernden Auge. Es ist ja irgendwie ironisch, da ich die letzten vier Jahre für den Beauftragten für Migration und Integration in Berlin gearbeitet habe. Also lebe ich momentan gewissermaßen genau das, worüber ich vorher in der Theorie geschrieben habe“, sagt Karl. Seine Strategie: sich Hals über Kopf mit amerikanischer Kultur zu zudröhnen. „Ich mache Sachen, die sogar für Mollie zu Amerikanisch sind“. Er besucht NASCAR-Autorennen, hört Country-Musik und jubelt für lokale American-Football-Mannschaften.

Mollie und Karl bei einem American-Football-Spiel in Nebraska.

„Wahrscheinlich wird unsere Deutsch-Amerikanische Hochzeit der Höhepunkt dieser Integrationsreise sein“, erzählt Karl. Er fügt hinzu: „Unsere kulturellen Unterschiede haben bisher eher eine positive Rolle in unserer Beziehung gespielt. Wenn es darum geht, wer wir wirklich sind, dann sind andere Dinge eher von Bedeutung, wie unsere Persönlichkeit, und die kann man nicht einfach auf eine Nationalität zurückführen.“

Mollie sieht das ähnlich: „Unsere Unterschiede sind nicht unbedingt auf ‚das Deutsche’ oder ‚das Amerikanische’ zurück zu schließen. Sie sind vielmehr davon abhängig, wo wir groß geworden sind.“ Karl ist in der liberalen Großstadt Berlin und Mollie in einer konservativen Familie aus dem mittleren Westen in Omaha aufgewachsen.

„Es gibt auch Sachen in einer binationalen Beziehung, die einfach Spaß machen und gleichzeitig praktisch sind. Zum Beispiel können wir von unseren sprachlichen Fähigkeiten profitieren. Ich kann eine neue Sprache lernen und Karl kann sein Englisch verbessern“, sagt Mollie. Die Anwältin – und Geschichtswissenschaftlerin – kann zudem viel über die deutsche Geschichte lernen. „Vor allem Karls Erlebnisse aus DDR-Zeiten sind etwas, worüber ich sehr gerne spreche und viel dazu lerne.“ Sie haben sich immer viel zu erzählen, da „wir auf einen größeren Pool an Themen zurückgreifen können“.

Was das Essen angeht sagt Karl: „Ich koche sehr viel deutsches Essen zu Hause und ihr schmeckt das auch. Das, was ich vorbereite, ist sowieso viel gesünder als das typische amerikanische Essen. Wir laden oft Freunde zu ‚Deutsche Abendessen’ ein. Ich versuche auch so oft es nur geht deutsches Brot selber zu backen, da man das hier ja gar nicht bekommt. Die einzige Schwierigkeit ist es, das richtige Mehl und frische Hefe zu finden.“

Es nicht immer alles rosig in so einer transatlantischen Beziehung. Da ist das fehlende Mehl doch das kleinere Übel. „Wenn ich Heimweh habe, dann kann Mollie dagegen einfach nichts tun“, so Karl.

Auch das Thema legaler Aufenthalt bereitet dem Paar oft Kopfschmerzen. „Ich habe immer Angst, wenn Karl aus dem Land geht und habe ihm gesagt, er soll doch jetzt erstmal hier bleiben bis er seine Greencard bekommen hat“, sagt Mollie. „Ja, die Einwanderungsbeamten am Flughafen haben meine Wiedereinreisen nach kurzen Berlin-Besuchen wirklich schwierig gemacht.“ Karl, der einen Master in Organisationsmanagement macht, hat ein Studenten-Visum. Damit kann er wenigsten bei Mollie sein. Aber es gibt dennoch Schwierigkeiten. Wenn das Studium zu Ende ist, dann läuft auch die Aufenthaltserlaubnis aus. „Mein Vorhaben, eine amerikanische Staatsbürgerin zu heiraten, ist ein Verstoß gegen das Gesetz. Ich musste bei der Beantragung des Studentenvisums nämlich nachweisen, dass ich nach dem Master wieder nach Deutschland zurückkehre“, erklärt Karl. Aufenthaltsangelegenheiten sind somit für das Paar von Beginn an eine Belastung gewesen.

Das Studenten-Visum hat auch zur Folge, dass nicht mehr als 20 Stunden in der Woche gearbeitet werden darf. „Wenn man einen gemeinsamen Haushalt führen möchte, dann ist das natürlich schwierig.“

Einladungskarte zur Hochzeit in Dickerson, nahe Washington D. C.

Das Paar freut sich auf ein baldiges „aufenthaltsproblem-freies“ Leben. Momentan läuft die Planung der deutsch-amerikanischen Hochzeit auf Hochtouren. Mollie und Karl schreiben ihre eigene Zeremonie und bauen Traditionen von beiden Ländern ein. In den USA beginnt die Hochzeit bereits Monate vor der Trauung: Mit der „Wedding Registry" wird der gemeinsame Hausrat gegründet. „Ich fand die Sache anfangs etwas ungewöhnlich, habe aber einsehen müssen, dass die Registry und die Verlobungsparties von Familienfreunden, auf denen man Küchengeräte, Handtücher und Bettlaken geschenkt bekommt, unantastbarer Brauch des Hochzeitsrituses hier ist."

Deutsch-Amerikanische Hochzeit

Amerikanisch:

* eine Hochzeitswebsite z. B. auf weddingwire.com auf der nicht nur das Brautpaar und die Trautzeugen vorgestellt werden, sondern auch online Zusagen möglich sind

* vorgegebene Hochzeitsgeschenke

* Monate vor der Hochzeit Verlobungsparties mit Haushaltsgeschenken

Deutsch:

* erst standesamtlich heiraten, dann eventuell kirchlich

* Hochzeitsgäste bereiten Spiele oder sonstige Unterhaltung für das Paar vor

* auf dem Fest nach der Trauung eröffnet das Paar die Tanzfläche mit einem Walzer

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