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Umweltpolitik: Zielkonflikte

Wie alle anderen nützlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten, so verursachen auch Umweltschutzmaßnahmen Kosten, d. h. es müssen Ressourcen dafür aufgewendet werden. Diese Tatsache führt zu einer Konkurrenz zu anderen Verwendungsmöglichkeiten, für die immer begrenzten Ressourcen. Ein Beispiel dafür ist eine aufkommensneutrale ökologische Steuerreform: Aufkommensneutralität bedeutet, dass die Unternehmen für die insgesamt entstehenden Steuerbelastungen einen Ausgleich erhalten bspw. durch Senkungen der Lohnnebenkosten. Dies heißt aber nicht, dass eine ökologische Steuerreform kostenlos ist – die betroffenen Unternehmen ergreifen Umweltschutzmaßnahmen, um die Steuerbelastung zu vermindern, und diese Maßnahmen stellen einen Verbrauch von Ressourcen dar, kosten also etwas. Ein analoger Zielkonflikt mit anderen potenziellen Verwendungsmöglichkeiten ergibt sich, wenn der öffentliche Sektor Umweltschutzmaßnahmen durchführt, obwohl mit dem gleichen Geld bspw. die Krankenversorgung oder das Bildungswesen verbessert werden könnten.

Allerdings verursachen Umweltschutzmaßnahmen nicht nur Kosten, sie stiften auch Nutzen. Diese Nutzen fallen zum Teil direkt monetär an, wenn etwa Sanierungskosten für Gebäude gespart, Umweltkatastrophen verhindert werden oder wenn das Ausmaß umweltbedingter Krankheiten abnimmt. Daneben gibt es auch schwerer messbare Vorteile: So liegt bspw. der Nutzen einer verhinderten Krankheit nicht nur in gesparten Kosten eines nicht notwendigen Krankenhausaufenthaltes, sondern ganz einfach auch in dem Sachverhalt, dass sich gesunde Menschen wohler fühlen als kranke. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Nutzen von Umweltschutzmaßnahmen insgesamt deutlich über ihren Kosten liegen. Dies gilt vor allem (aber nicht nur) für Entwicklungsländer, in denen verseuchtes Trinkwasser und andere Umweltprobleme zu Krankheiten und erheblichen Produktivitätsverlusten führen.

Auf makroökonomischer Ebene stellt sich die Frage, ob eine relativ strenge Umweltpolitik wie in Deutschland über erhöhte Produktionskosten zu Nachteilen für die internationale Konkurrenzfähigkeit führt. Diese Befürchtung mag für einzelne Produktionszweige zutreffen, ist insgesamt aber weder theoretisch noch empirisch belegt. Im Gegenteil zeigen Untersuchungen, dass die strenge deutsche Umweltpolitik zu einer starken Stellung auf dem Weltmarkt für Umweltschutztechnologie geführt hat, weil deutsche Unternehmen frühzeitig in Forschung und Entwicklung investiert haben und daher Technologieführer sind (Globalisierung).

Literaturhinweise

  • Endres, A. (1994), Umweltökonomie, Darmstadt;
  • Feess, E. (1998), Umweltökonomie und Umweltpolitik, 2. Aufl., München.

Eberhard Feess