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Unfallversicherung

Die 1884 unter Bismarck gegründete gesetzliche Unfallversicherung (UV) hatte ursprünglich die Aufgabe, Arbeiter und Angestellte hauptsächlich im industriellen Bereich im Fall von Arbeitsunfällen abzusichern. Inzwischen haben sich die Aufgaben der UV inhaltlich und in Bezug auf die versicherten Personengruppen erheblich erweitert.

Versichert sind in der UV im Wesentlichen alle Arbeiter und Angestellten, ebenso Landwirte, Heimarbeiter, Schausteller, Artisten, Künstler und bestimmte Kleinunternehmer. Versichert sind auch Strafgefangene, die Arbeitsleistungen verrichten, Lebensretter, Blutspender und Personen, die bei Unglücksfällen Hilfe leisten, sich zum Schutz eines widerrechtlich Angegriffenen einsetzen oder bei der Verfolgung oder Festnahme einer Person mitwirken, die einer strafbaren Handlung verdächtigt wird. Versichert sind außerdem Kinder während des Besuchs von Kindergärten, Schüler während des Besuchs von allgemeinbildenden Schulen, Lernende während der beruflichen Aus- und Fortbildung, ehrenamtlich Lehrende sowie Studierende während der Aus- und Fortbildung an Hochschulen.

Zuständig für die Durchführung der UV sind die nach Berufszweigen gegliederten gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften und die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand. Die Finanzierung der Berufsgenossenschaften erfolgt durch Beiträge der Arbeitgeber. Die Höhe dieser Beiträge bemisst sich nach dem Arbeitsentgelt der versicherten Arbeitnehmer und nach Unfallgefahrenklassen, denen die Unternehmen anhand der in den einzelnen Berufszweigen auftretenden Schadenshäufigkeit und Schadenshöhe zugeordnet werden.

Zu den Aufgaben und Leistungen der UV gehören vorrangig Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen. Um Unfällen vorzubeugen, haben die Berufsgenossenschaften die Befugnis, in ihrem Zuständigkeitsbereich Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen und deren Einhaltung zu kontrollieren. Nach dem Eintreten von Arbeitsunfällen stellt die UV Leistungen zur Wiederherstellung der Gesundheit, zur Wiedereingliederung in das Berufsleben und ggf. zur Entschädigung des Verletzten oder seiner Hinterbliebenen zur Verfügung. Der Arbeitsunfall darf aber nicht absichtlich herbeigeführt worden sein oder im Zusammenhang mit einer strafbaren Handlung stehen.

Der Versicherungsschutz erstreckt sich nicht nur auf Unfälle am Arbeitsplatz, sondern auch auf Unfälle, die auf Wegen zwischen den Werkstätten eines Betriebes, auf dem Weg von der Wohnung zum Arbeitsplatz oder auf dem Weg zu dem Geldinstitut eintreten, an das der Arbeitgeber das Gehalt überwiesen hat. Als Arbeitsunfälle gelten auch Berufskrankheiten, die bei der Berufsausübung z. B. durch chemische Stoffe, durch Strahlung oder Infektionserreger entstanden sind.

In den zurückliegenden Jahrzehnten ist die Zahl der angezeigten Arbeitsunfälle und die Zahl der tödlich verlaufenden Arbeitsunfälle absolut und bezogen auf die Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer deutlich zurückgegangen. Zu dieser erfreulichen Entwicklung trugen die Bemühungen zur Unfallverhütung, aber auch der zunehmende Einsatz von Maschinen bei der Durchführung gefährlicher Arbeiten bei.

Literaturhinweise

  • Lampert, H./ Althammer, J. (2004), Lehrbuch der Sozialpolitik, 7. Aufl., Berlin u. a.;
  • Lampert, H./ Bossert, A. (2004), Die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der EU, 15. Aufl., München, Wien.

Albrecht Bossert