Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Soziale Marktwirtschaft

Wettbewerb

Wettbewerb bedeutet, dass sich Personen etwas streitig machen. Wirtschaftlicher Wettbewerb besteht in der Rivalität um Geschäftsabschlüsse. Anbieter und Nachfrager müssen ihren Geschäftspartnern günstige Geschäftsbedingungen einräumen, um auf den Märkten erfolgreich zu sein. Dabei kommt es gleichermaßen auf günstige Preise (Preiswettbewerb), hohe Produktqualitäten sowie vorteilhafte Absatzund Vertriebsmethoden (Qualitätswettbewerb) und teils auch auf eine gelungene Werbung an.

In der Marktwirtschaft erfüllt der Wettbewerb eine Reihe wichtiger Aufgaben. Man spricht von Wettbewerbsfunktionen (siehe Übersicht).

Es geht erstens um die Begrenzung staatlicher Macht gegenüber Privaten. Anders als in Planwirtschaften (Sozialismus) wird der Wirtschaftsprozess nicht hauptsächlich durch den Staat gesteuert, sondern unmittelbar durch die privaten Wirtschaftsteilnehmer (marktwirtschaftliche Selbststeuerung auf Grundlage wirtschaftlicher Freiheitsrechte).

Zweitens kontrolliert der Wettbewerb die Wirtschaftsmacht der Privaten. Nur wer immer wieder aufs Neue günstige Geschäftsbedingungen bietet, kann erfolgreich sein (wettbewerbliche Selbstkontrolle). Diese beiden Wettbewerbsaufgaben sind gesellschaftspolitisch bedeutsam und werden daher klassisch-politische Funktionen genannt.

Dazu kommen ökonomische Funktionen des Wettbewerbs.

Erstens erfordert es der Wettbewerb, die erzeugten Güter an die Bedürfnisse der Nachfrager bestmöglich anzupassen (Orientierung an Kundenwünschen). Um Gewinnchancen zu nutzen, werden

zweitens die knappen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital so verwendet, dass ihre Produktivität am höchsten ist (Verringerung der Faktorkosten).

Drittens erfolgt eine Einkommensverteilung, die sich nach der Leistung im Marktprozess – d. h. nach dem Beitrag zur Überwindung der Güterknappheit – richtet (Einkommen gemäß Marktleistung).

Viertens gehen vom Wettbewerb Anreize aus, neue oder verbesserte Produkte und Produktionsverfahren einzuführen (Stimulierung von Innovationen).

Fünftens fördert der Wettbewerb die Schnelligkeit, mit der die Konkurrenten auf solche Innovationen oder sonstige Veränderungen des wirtschaftlichen Umfelds (z. B. Veränderungen der internationalen Handelsbeziehungen) reagieren und so zur Verbreitung der Neuerung auf die gesamte Wirtschaft beitragen (Imitation der Innovation und generell hohe Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft).

Die ersten drei Aufgaben werden statische Wettbewerbsfunktionen genannt, weil sie bei konstanten wirtschaftlichen Größen besonders erfüllt werden. Im Unterschied dazu bezeichnet man die vierte und fünfte Aufgabe als dynamische Wettbewerbsfunktionen, weil sie gesamtwirtschaftliche Änderungen im Zeitablauf berücksichtigen. Ändern können sich z. B. die Bedürfnisse der Konsumenten, das Angebot an Produktionsfaktoren, das technisch-organisatorische Wissen zur Kombination der Produktionsfaktoren (Produktion und Angebot) sowie die Rechts- und Sozialordnung, innerhalb der sich die Wettbewerbsprozesse abspielen. Darüber hinaus ist die ständige Suche innovativer Anbieter nach Gewinnchancen eine Quelle der Veränderung. Sie müssen ihre neuen Ideen im Wettbewerb auf ihre Eignung zur Bedürfnisbefriedigung testen. Dabei werden nur die wirklich gelungenen Neuentwicklungen in Form hoher Gewinne honoriert (Wettbewerb als Suchprozess und Entdeckungsverfahren).

Je erfolgreicher ein vorstoßender Pionier-Unternehmer ist, desto höher wird bei anderen der Druck, den Wettbewerbsvorsprung aufzuholen oder ihn sogar zu überflügeln. Dies beruht zum einen auf der Hoffnung, an den Erfolgen des Innovators teilzuhaben. Zum anderen besteht aber immer auch die Befürchtung, bei Passivität aus dem Markt ausscheiden zu müssen.

Für die Marktteilnehmer ist es indessen naheliegend zu versuchen, sich dem ständigen Wettbewerbsdruck durch wettbewerbsbeschränkende Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen oder durch die individuelle Beherrschung des Marktes zu entziehen. Ohne eine staatliche Wettbewerbspolitik zum Schutz des Wettbewerbs könnte daher der Wettbewerbsprozess rasch erstickt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Voraussetzungen für Wettbewerb auf den Märkten unterschiedlich sind. Völlig unproblematisch ist die Situation, wenn jederzeit neue Anbieter (potenzielle Konkurrenten) auf einen Markt treten können, d. h. der Markt aufgrund niedriger Zutrittsschranken „offen“ ist. Den aktuellen Anbietern kann es hier nicht gelingen, den Wettbewerb zu beschränken und z. B. die Preise zu erhöhen, weil sie andernfalls von neu in den Markt kommenden Unternehmen (Newcomern) schnell entmachtet würden. Insofern ist in diesem Fall eine besondere Wettbewerbspolitik nicht erforderlich (Offene Märkte: Markteintritt und Marktaustritt).

In Wirklichkeit stehen den potenziellen Anbietern jedoch oft hohe Marktschranken ökonomischer und teils gesetzlicher Art entgegen. Dann kommt es darauf an, die Rivalität zwischen den aktuellen Anbietern zu erhalten. Dazu muss die Wettbewerbspolitik verhindern, dass diese Anbieter wettbewerbsbeschränkende Verträge – etwa in Form von Kartellen oder Fusionen – schließen. Selbst wenn es sehr viele Unternehmen auf einem Markt gibt (Polypol) , könnte sonst der Wettbewerb zum Nachteil der Verbraucher ausgeschaltet werden. Noch gefährdeter ist der Wettbewerb, wenn nur wenige Unternehmen auf einem Markt sind (weites Oligopol) . Sie können gegebenenfalls auch ohne Vertragsschluss – z. B. nur aufgrund formloser Telefonate oder brancheninterner Tagungen – die Geschäftsbedingungen solidarisch aufeinander abstimmen. Wenn die Anbieterzahl unter sonst gleichen Bedingungen noch geringer wird, kann es sogar sein, dass sich die Unternehmen ganz ohne vorherige Kontaktaufnahme solidarisch verhalten (enges Oligopol) . Dann ziehen bei einer Preiserhöhung eines Anbieters die anderen „spontan“ nach. Die Unternehmen verhalten sich quasi wie ein Monopolist. Es könnte in solchen Fällen ausnahmsweise erforderlich sein, durch einen staatlichen Eingriff in die Marktstruktur die Anbieterzahl zu erhöhen, also etwa Newcomern den Marktzutritt zu erleichtern oder im Extremfall die etablierten Unternehmen zu entflechten, um so wieder die Voraussetzungen für Wettbewerb zu schaffen.

Wenn auch der Wettbewerb durch seine Funktionen besonders zum gesellschaftlichen Wohlstand beiträgt, werden doch nicht alle Ziele in Marktwirtschaften durch ihn erfüllt (Grenzen des Wettbewerbs).

Daher wird ergänzend zum Wettbewerb eine staatliche Wirtschaftspolitik betrieben. Neben der Politik gegen Wettbewerbsbeschränkungen (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen – GWB) sind erstens Regelungen für Wirtschaftsbereiche zu treffen, in denen sich keine vorteilhaften Wettbewerbsprozesse entfalten können. Dies gilt insbesondere für das staatliche Angebot öffentlicher Güter (z. B. innere und äußere Sicherheit) . Außerdem kann der Staat z. B. durch die Umweltpolitik Fehlsteuerungen im Wettbewerb korrigieren und damit negative externe Effekte für Dritte verhindern. Zweitens ist zu beachten, dass die im Marktprozess verwirklichte Einkommensverteilung zwar die Marktleistung der einzelnen Wirtschaftsteilnehmer widerspiegelt, nicht aber unbedingt auf ihre Bedürftigkeit Rücksicht nimmt. Aus diesem Grund nimmt der Staat Korrekturen der Einkommensverteilung z. B. zugunsten kranker oder behinderter Menschen sowie Familien mit Kindern vor (Sozialordnung). Je stärker allerdings von der Verteilung gemäß Marktleistung abgewichen wird, desto größer ist die Gefahr, dass die Leistungsbereitschaft der Marktteilnehmer zurückgeht und so die Steuerungseffizienz des Wettbewerbs beeinträchtigt wird. Drittens versucht der Staat, die bei wettbewerblicher Selbststeuerung zu beobachtenden Ausschläge der Wirtschaftsaktivität (konjunkturelle Schwankungen) zu glätten. Im Einzelnen geht es hierbei um die Verwirklichung der Stabilitäts- und Wachstumsziele, also um Voll- Beschäftigung, Preisniveaustabilität, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie Wirtschaftswachstum.

Aufgaben des Wettbewerbs in der Marktwirtschaft

Klassisch-politische Wettbewerbsfunktionen

  • Begrenzung staatlicher Macht gegenüber Privaten
  • Kontrolle privater Wirtschaftsmacht

Statische Wettbewerbsfunktionen

  • Zusammensetzung des Güterangebots nach Konsumentenbedürfnissen
  • Optimale Verwendung der Produktionsfaktoren
  • Einkommensverteilung gemäß der Marktleistung

Dynamische Wettbewerbsfunktionen

  • Innovationen bei Produkten und Produktionsverfahren
  • Imitationen und generell hohe Anpassungsfähigkeit

Literaturhinweise:

  • Bartling, H. (1997), Von der Wettbewerbstheorie zur Theorie der Wettbewerbspolitik, in: Kruse, J. u. a. (Hrsg.), Wettbewerbspolitik im Spannungsfeld nationaler und internationaler Kartellrechtsordnungen, Festschrift für I. Schmidt zum 65. Geburtstag, Baden-Baden, S. 17 ff.;
  • Schmidt, I. (2001), Wettbewerbspolitik und Kartellrecht, 7. Aufl., München;
  • Woll, A. (1992), Wirtschaftspolitik, 2. Aufl., München.

Hans Peter Seitel