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Fremde Heimat

Im Zeitalter der Globalisierung und des Multikulturalismus stellt sich die Frage nach Heimat in einem völlig anderen Licht, als noch vor wenigen Jahren. Können Migranten, die ihr Heimatland verlassen haben und unfreiwillig heimatlos geworden sind, überhaupt in einem fremden Land eine neue Heimat finden?

Oftmals bilden sich die Heimatgefühle erst heraus, wenn man sich fernab der Heimat befindet; nur im Nachhinein bemerkt man, was man vorher nie wahrgenommen hat. Der österreichische Schriftsteller Alexander von Villers sagte dazu einmal: „Der Mensch hat immer eine Heimat und wär es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist. Entfernung macht Heimat, Verlust, Besitz.“ Wenn Heimat nun ausschließlich die Verbundenheit zu einem verlorenen oder zerstörten Ort wäre, dann würden Migranten niemals eine neue Heimat finden. Die Menschen um einen herum können die eigene Sprache sprechen und man kann sich trotzdem fremd fühlen.

Heimat besitzt man erst dann, wenn man das Gefühl verspürt angekommen zu sein und eine innere Zufriedenheit fühlen. In diesem Sinne spricht man von einer geistigen Heimat, welche nicht ortsgebunden ist. Heimat bedeutet auch nicht gleich Vaterland, sie kann neu gewonnen und erlangt werden. Heimat bedeutet eine Lebensmöglichkeit und ist nicht von einem Herkunftsnachweis abhängig. Durch diese geistige Dimension ist es möglich, sich in einem vormals fremden Land heimisch zu fühlen. Allerdings müssen dazu auch die Einheimischen offen gegenüber Neuem sein und Fremde willkommen heißen. Auf diese Weise ist es auch möglich, dass manch einer mehrere Heimaten hat, so können Einwanderer sowohl ihr altes Herkunftsland, als auch ihr neues Einwanderungsland als Heimat ansehen.