Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Heimat

Glaube und Heimat

Jugendforscher und Religionspädagogen begegnen in unserer Gesellschaft dem Trend, dass religiöses Wissen abnimmt und sprechen daher von einem Traditionsabbruch. Viele Jugendliche leben in einer für sie modernen und aufgeklärten Welt; sie kennen keine Gebete mehr, sie haben so gut wie keine Erfahrung mit Gottesdiensten und wissen nicht, aus welchem Grund wir Weihnachten oder Ostern feiern.

Allerdings erzeugt eine solche rationale, von Unwägbarkeiten geprägte moderne Welt oftmals das Bedürfnis nach Gegenwelten, die nicht nur die Möglichkeit der Orientierung in einer als unübersichtlich empfundenen Pluralität der modernen Welt bieten, sondern auch ein Stück Geborgenheit, und damit Heimat, vermitteln. Eine solche Gegenwelt kann die Religion sein, in der der Glaube seine Heimat findet. Daher ist Religion kein theoretisches Gebilde, sondern speist sich aus einer ganzheitlichen Erfahrung. Um die damit verbundene Geborgenheit spüren zu können, helfen beispielsweise Gebet und Meditation, die Liturgie einer gottesdienstlichen Feier oder das praktische Tun christlicher Nächstenliebe. Auch bietet der Religionsunterricht vielen Schülern und Jugendlichen die Möglichkeit, Religion von ihrer praktischen Seite her zu erleben.

In der Bibel kommt das Wort Heimat in seiner traditionellen Bedeutung nicht vor. Stattdessen gibt es eine ganze Reihe von Erzählungen, in denen Menschen aus ihren vertrauten Lebensverhältnissen herausgerufen werden und ihnen durch Gottes Begleitung ein Leben in der Fremde ermöglicht wird. So etwa in der Erzählung von Abraham und Sara, die in ein Land aufbrachen, das Gott ihnen zeigen wird (1. Mose 12 – 20). Oder die Erzählungen von Mose, der das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit und in einer vierzigjährigen Wanderung in das gelobte Land führt (2. Mose 3 – 20). Die biblischen Erzählungen enthalten Bilder, mit denen Menschen ihre Lebenserfahrungen verarbeiten und das Erlebte auf Gott hin deuten. Heimat ist nach diesen Erfahrungen nicht ein vorgegebener Zustand, sondern ein Beziehungsraum, der in der Begegnung mit anderen Menschen und in der gegenseitigen Verantwortung füreinander entsteht.