Eltern – Lehrer – Schulerfolg: Wahrnehmungen und Erfahrungen im Schulalltag von Eltern und Lehrern

Kernaussagen

Schule und Schulleistungen sind zu einem dominanten Thema in den Familien geworden.

Das Thema Bildung ist in den Familien angekommen. Die bildungspolitische Diskussion, ob zu PISA, OECD oder auch die bundesweite Bildungsdiskussion, schlägt sich in dem Wunsch der Eltern nach einem möglichst hohen Schulabschluss für ihre Kinder nieder. Die Konsequenz dieser Entwicklung ist, dass Schule und Schulleistungen zu einem dominanten Thema in den Familien – vor allem in der gesellschaftlichen Mitte – geworden sind. Das Familienleben wird aus Sicht der Eltern durch den gestiegenen Leistungsdruck nachhaltig geprägt. Eltern fühlen sich für den Schulerfolg ihrer Kinder zunehmend verantwortlich.

Trotz großer Kritik bleibt das Gymnasium für Eltern der sozialen Ober- und Mittelschicht die angestrebte Schulart – für Eltern anderer Milieus nicht.

Bei über der Hälfte der Eltern ist der Nimbus des Gymnasiums ungebrochen. Sie streben keine andere Schulform an. Dagegen ist für andere Eltern G8 und der damit verbundene Leistungsdruck ein Grund, auf die Realschule auszuweichen (mit der Option, über diesen Weg auch das Abitur zu bekommen), um dem Kind und der ganzen Familie Druck zu nehmen. Für diese Eltern ist das Gymnasium ein Symbol für überzogene Leistungsanforderungen. Weiterhin und verstärkt steht die Hauptschule aus Sicht der Eltern für Scheitern und sozialen Abstieg.

Verunsicherung der Eltern hinsichtlich des Leistungsanspruchs der Schule.

Das Gymnasium wird von vielen Eltern nur als „Lernstoffvermittlungsagentur“ und als „Assessment-Center“ wahrgenommen. Angesichts zunehmender Leistungsanforderung im G8-Gymnasium besteht bei vielen Eltern eine große Verunsicherung darüber, ob sie ihren Kindern überhaupt noch Werte wie „Leistung“, „Anstrengung“ und „Ehrgeiz“ vermitteln sollen. Hier sehen Eltern die Gefahr, eine eindimensionale Leistungsideologie zu bedienen, die ihren Kindern als Person schaden könnte. Aus Sicht der Eltern kollidiert ihr Erziehungsanspruch, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit und Jugend zu ermöglichen, mit den Anforderungen der Schule, vor allem des Gymnasiums.

Erziehungsstile kollidieren mit dem Schulsystem

Das Verhältnis der Eltern zur Schule hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Die Mehrheit der Eltern möchte die ganzheitlich ausgerichtete Entfaltung der Potenziale ihrer Kinder fördern und strebt eine Stärkung der Persönlichkeit an. Aus Sicht der Eltern vermittelt das Schulsystem isoliertes Wissen und setzt zu sehr auf intellektuell-kognitive Fähigkeiten. Der von ihnen angestrebte hohe Erziehungswert der Selbstentfaltung gerät in Konflikt mit den Leistungsanforderungen der Schule – vor allem des Gymnasiums.

Lehrer/-innen stellen gesunkene Leistungsbereitschaft und gesunkenes Leistungsniveau der Schüler fest.

Dies gilt insbesondere für Gymnasien und Hauptschulen, während Schüler/innen an Realschulen den Leistungsanforderungen nach wie vor weitgehend entsprechen.

Die unterschiedlichen Erziehungslogiken und Wertesysteme von Eltern mit türkischem Migrationshintergrund und Spätaussiedlern kollidieren mit dem deutschen Schulsystem.

Eltern mit türkischem Migrationshintergrund und Spätaussiedlereltern sehen den Lehrer als Autoritätsperson und erwarten von ihm die Einforderung von Autorität und Strenge.

Die aktuelle Schulkultur fördert (unbeabsichtigt) die Retraditionalisierung der Frauenrolle.

Der Bildungssektor, einst Ausgangspunkt für Emanzipation und Gleichberechtigung, wird durch die Kinder zum Motor der Fortsetzung des traditionellen Rollenbildes. Angesichts der - aus Sicht der Eltern - verlagerten Übungskultur in den häuslichen Nachmittag, sehen sich Mütter in der Rolle der Hilfslehrerinnen. Um ihr Kind - vor allem auf dem Gymnasium – zu unterstützen, stellen Mütter ihre beruflichen Ziele zurück. Nach Ansicht der Eltern gehobener Milieus reproduziert sich dadurch auch bei den Jugendlichen die Normalität des traditionellen Rollenbildes.

Verbesserungsbedarf - aus Sicht der Lehrer/-innen - hinsichtlich ihrer Ausbildung.

Während sich Lehrer/-innen fachlich und didaktisch angemessen vorbereitet fühlen, konstatieren sie in Bezug auf Klassenführung jedoch Defizite. Eine zunehmend individualisierte, kulturell vielfältige und sehr heterogene Schülerschaft mit großem Selbstbewusstsein erfordert eine hoch professionelle Leitungskompetenz.

Eltern und Lehrer/-innen sind mit dem Schulsystem unzufrieden.

Seit PISA haben sich sowohl die Schularten, die Schulstrukturen als auch die pädagogischen Konzepte und die organisatorischen Bedingungen von Schule verändert. Diese Reformierung von Schule hat jedoch weder zur Zufriedenheit der Eltern noch der Lehrer beigetragen. Während die Eltern - vor allem die Eltern mit Kindern auf G8-Gymnasien – eine verstärkte Fokussierung auf Leistung und Noten beklagen, stellen die aktuellen Schulreformen aus Sicht der Lehrer/-innen keine Antwort auf die drängenden Probleme im Schulalltag dar, sondern wirken aus ihrer Sicht eher als Belastung des Schulalltags.

Kontakt

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Koordinatorin für Bildungs-, Familien- und Frauenpolitik
Christine Henry-Huthmacher
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Fax +49 2241 246-2694
Christine.Henry-Huthmacher(akas.de