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Ein Hauch von südlichem Flair

Der Geruch von eingelegtem türkischen Schafskäse, Peperoni, Oliven und Paprika weht einem in die Nase. Deutliche Anzeichen dafür, dass man sich dem Stand „Spezialitäten aus dem Süden“ nähert.

Seit 19 Jahren kommt Farhad Marzbau mit ihrem Verkaufsstand nun schon auf den Wochenmarkt am Apostelkloster im Norden der Kölner Altstadt. „Auf dem Markt ist man einfach viel freier und losgelöster, als in einem geschlossenen Gebäude“, berichtet die 55-Jährige, während sie in Knoblauch eingelegte grüne Oliven abwiegt. Die Frau, die ursprünglich aus dem Iran stammt, ist eine korpulente Dame mit vollem schwarzem Haar und einer blaue Schürze über einer kanariengelben Weste. „Zweihundert Gramm von dem eingelegten Schafskäse bitte“, bestellt eine Kundin. „War’s das oder kann es noch etwas anderes sein?“, fragt Farhad, nachdem sie den Topf mit dem Schafskäse verschlossen hat.

Die Atmosphäre wirkt entspannt und erinnert so gar nicht an den täglichen Stress mit hupenden Autos und klingelnden Radfahrern, der einen schon auf der anderen Seite des Klosters wieder einholt. Hier rascheln volle Papiertüten aneinander, Trollis rattern über das Kopfsteinpflaster und ein Mann nimmt seinen kleinen Sohn aus dem Kinderwagen, um mit ihm zusammen Blumen für die `Mama` zu kaufen.

„Der Markt ist etwas ganz Besonderes“, findet Farhad. Das liege nicht nur an der Tatsache, dass es der einzige Markt in Köln wäre der eine Stunde länger geöffnet habe als die anderen, sondern auch an den Kunden. „Obwohl wir durch die verlängerten Öffnungszeiten den Vorteil haben, dass viele Geschäftsleute in ihrer Mittagspause zu uns kommen und sich eine Kleinigkeit kaufen“, verrät die Standbesitzerin. Sie habe den Eindruck, als würden sich die Menschen hier mehr Zeit nehmen und die spezielle Atmosphäre in sich aufnehmen.

Dieser Meinung ist auch Karl Schulz, der gelegentlich zusammen mit seiner Frau auf dem Wochenmarkt Besorgungen erledigt. „Wir achten hier besonders auf die Qualität, aber auch die Umgebung und die Stimmung passen zu uns“, findet das Ehepaar. Die beiden sind ein typischen Beispiel für einen Besucher auf dem Markt. Ältere Damen mit bunt gemusterten Kopftüchern und ältere Herren mit Gehstock und Schiebermütze prägen das Bild des Platzes vor dem Apostelkloster. Gelegentlich trifft man auch Familien mit kleinen Kindern. Sie bilden allerdings eher die Ausnahme.

Wenn Farhad anfängt von ihren Waren zu erzählen, fangen ihre Augen an zu leuchten und die Kälte scheint für einen Augenblick vergessen. „Bevor ich mich entschlossen habe, hier als Verkäuferin zu arbeiten, hatte ich eine Stelle als Krankenschwester. Im Iran hab ich sogar einmal einige Semester Jura studiert“, erzählt die lächelnde Frau mit ihrem südländischen Akzent, während sie neue Pastatöpfchen in die Auslage legt. Die meisten ihrer Produkte macht die Standbesitzerin selbst, nur wenige ihrer angebotenen Produkte, wie die eingelegten Auberginenscheiben, kauft sie dazu. „Meine Produkte sind ohne Konservierungsstoffe und unterscheiden sich dadurch von südländischen Waren aus dem Supermarkt“, sagt Farhad.

Genau das ist auch der Grund für Tanja Kraft auf dem Markt einzukaufen und nicht in einem der nahegelegenen Supermärkte. „Hier bekomme ich eine gute Beratung und Tipps wie ich die einzelnen Produkte miteinander kombinieren kann“, erzählt die Kundin, während im Hintergrund die Turmuhr des Klosters zwölf Uhr schlägt und einige Vögel erschrocken das Weite suchen, „Hier weiß ich genau wo mein Essen herkommt und dieser Stand bietet mal etwas leckere, exotische Abwechslung zu den anderen Ständen.“ Eben ein Hauch von südlichem Flair in der Altstadt von Köln der jetzt schon so viele Jahre andauert.

Marie Sophie Mohrmann