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Ungewisse Zukunft

Ob vor oder hinter dem Marktstand, auf dem Markt an der kölner Apostelkirche trifft man viele Personen aller Altersklassen, alle von ihnen haben ihre eigene Geschichte.

Ein Duft nach Käse und Wein. Er kommt vom Stand von Michael Zilke. Seit sechs Jahren reist er jede Woche von Solingen nach Köln um französische Spezialitäten auf den Markt zu bringen. Außerdem bietet er seine Produkte in Mainz und Oldenburg an. „Es kommen immer weniger Menschen auf den Markt, immer mehr Leute kaufen online ein“, hat Michael in den letzten Jahren beobachtet.

Die Preise der Discounter werden immer niedriger. Produkte auf Märkten sind wesentlich teurer. Zudem ist der Markt von Faktoren wie Wetter und Zeit abhängig. „Märkte können dem auf Dauer nicht standhalten.“, meint Michael.

Gegenüber kauft grade die 71 Jährige Rentnerin Frau Becker ein, ihren Vornamen hat sie nicht verraten. Sie besucht den Markt an der Apostelkirche regelmäßig. Der Grund dafür sind neben dem vermehrten Angebot an regionalen Produkten besonders die Freundlichkeit und das Familiäre. „Bei den Altmanns dahinten kauf ich auch schon seid ein paar Jahren ein.“ Beim Einkauf versucht sie so viele Produkte wie möglich frisch zu kaufen, denn „so frisch wie auf dem Markt kann man nirgends einkaufen“, sagt sie.

Der Markt ist ein Ort an dem die Zeit in der heutzutage hektischen Welt auf einmal langsamer zu vergehen scheint. Wo sich die Leute nochmal Zeit für einen Kaffee und ein Gespräch nehmen, dass sie sonst nicht führen würden; „Hallo Frau Schmitz (Name geändert), wir haben uns ja lange nicht gesehn.“

Die Glocken der Apostelkirche schlagen. Schon wieder ist eine Stunde vergangen.

Eine warmherziges Lachen. Landwirt Wolfgang Hartmann (Vorname unbekannt) zieht seit 35 Jahren mit seiner Wurst- und Gemüsetheke durch Deutschland. Vier Mal in der Woche beginnt sein Tag um vier Uhr morgens. Und das aus Tradition. Tradition sind auch die Stammkunden, die regelmäßig zum Marktplatz kommen, nur um seine Produkte zu kaufen. Seine Laune sinkt etwas, als er erzählt, dass er keinen Nachfolger für das Familienunternehmen hat und es wohl keine Zukunft für seinen Stand geben wird.

Weitere Stände und Menschen ziehen vorbei. Überall auf dem Marktplatz wird aktiver Smalltalk betrieben, der Markt ist voll von Leben: „Wo kaufst du deine Eier? Beim Discounter? Die Eier hier sind so teuer!“ Die vielen Gespräche und Ausrufe der Verkäufer sind an diesem Platz fast das einzige, dass neben den stündlichen Glockenschlägen der Kirche zu hören ist.

Am anderen Ende des Marktplatzes arbeitet Martha. Sie ist 28, schreibt im Moment ihre Doktorarbeit und hat mit ihrem eigenen Käsestand ihr Biologiestudium finanziert. Das war der Grund dafür ihren Marktstand zu eröffnen. Weil sie gerne mit Menschen zusammenarbeitet war ein Marktstand eine praktische Lösung. „Im letzten Sommer hab ich mein Studium abgeschlossen. Ein paar Jahre möchte ich meinen Stand noch halten, aber nicht auf Dauer.“

Viele Verkäufer in Marthas Alter sind auf dem Marktplatz nicht zu finden, jedoch Besucher aller Altersklassen. Eine Mutter, die ihren vier Kindern kleine Schokoladenstückchen in den Mund stopft. Eine Frau, die begeistert an einem Strauch Tomaten riecht. Jugendliche, die auf ihrem Nachhauseweg noch schnell „nen Kaffee holen“.

Gegen Mittag wird der Marktplatz immer voller. Die Verkäufer sind voller Elan bei der Arbeit und verkaufen was das Zeug hält.

von Franciska Nowak