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Kölner Markt – Heile Welt oder alles nur ein Kasperle Theater

Huup. Der weiße Audi hält. Der glatzköpfige Fahrer springt heraus. Alles rund um den Markt ist mit Kopfsteinpflaster bepflastert. An den Seiten kleine Geschäfte. Süßer Bäckerei-Duft. Doch durch ein lautes „huuuuuup!“ werde ich aus der Faszination gerissen von einem weißen Audi mit glatzköpfigem Fahrer. Er springt aus seinem Wagen und schreit den Mercedes-Fahrer laut und mit kräftiger Stimme an!

„Meine Fresse ich war schon in der Kreuzung drinne!“. Als er fertig ist, steigt er sichtlich fröhlicher als zuvor wieder in sein Auto und fährt weiter.

Zehn Meter weiter klimpern Münzen im Parkautomat, Veit ist gerade dabei eins für sein Auto zu holen.

Dann bin ich endlich auf dem Markt an der Apostelkirche, mitten in Köln angekommen.“80 Prozent sind Stammkunden“, so Rudolf, der hier seinen Honig verkauft. Seine Bienen sind sein Hobby, die der Rentner über alles liebt.

Heute ist Valentinstag. Am Blumenstand begrüßen mich schon große Papp-Herzen und daneben sind rote Rosen in einem großen Eimer. Dieser Stand ist von Ellen, Verkäuferin bei der Gärtnerei König.

Sie trägt eine dicke Fleecejacke mit dem Logo der Gärtnerei, einen dicken roten Schal und hat schwarze Haare, sie sieht gestresst aus, aber das liegt wohl an der langen Schlange. Das „piep“ der Kasse ertönt hier immer wieder. Ellen sagt, heute seien viele Männer da und kauften Blumen. Sie seien ihr meist fremd, aber an normalen Tagen sagt sie, kennt sie vierfünftel ihrer Kunden. Während ich mit ihr rede, fegt sie die grünen Blätter und Stängel der verkauften Blumen zusammen. Ihre Kollegen verkaufen in der Zwischenzeit weiter.

An einem großen Obst- und Gemüsestand begegne ich Martina. Sie kommt hierher jede Woche und ihren Stand gibt es schon seit dreißig Jahren. Wenn Martina später nach Hause kommt, wird erst einmal, mit der ganzen großen Familie gegessen. Als sie mir das erzählt, merke ich wie ihre Augen aufblitzen und ihre Stimme klingt noch heiterer.

Als nächstes fällt mir ein großer Bollerwagen auf. Darin sitzen Tiago, Erik und Pauline. Ihre Tagesmutter kauft gerade am Wurststand. Als sie wiederkommt, hat sie den drei Kleinen jeweils eine Scheibe Fleischwurst mitgebracht. Als die Kinder die Scheiben sehen, wissen sie, dass das für sie ist. Denn jeden Freitag kommen sie zum Markt. Sie lachen laut und wollen natürlich der oder die erste sein. Deshalb stehen sie auch sofort auf und rufen „Ich, Ich, Ich !!“. Die Tagesmutter kennt das natürlich schon von ihnen und gibt ihnen einfach die Papiertüte. “Drei sind drinnen, jeder bekommt eine!“, sagt sie.

Auf dem ganzen Markt rasselt Kleingeld auf den Theken. Überall sind Verkäufer mit Schürzen. Alle mit mehr als zwei Pullovern. Überall Menschen mit Plastiktüten wo Lauch, Tomaten oder Salat herausschaut.

Zwei davon sind Margot und Inge, beide Rentner. Sie und ihre zwei Freundinnen gehen seit 15 Jahren gemeinsam jeden Freitag zusammen einkaufen auf dem Markt. Fast jeden kennen sie hier. Was ihnen sofort zum Markt einfällt sind die „super leckeren Äpfel“ und die „tolle selbstgemachte Marmelade“ und ihrem wöchentlichen Kaffee, wenn sie fertig sind. Auch Rüdiger und Dagmar treffe ich hier. Sie machen Fotos, denn sind für drei Tage nach Köln gereist und gucken sich alle romanischen Kirchen hier an. Auf dem Markt wollen sie nur eine bessere Perspektive auf die Fassade der St. Apostelkirche bekommen. Diese ist mir zuvor noch gar nicht aufgefallen. „In Köln gibt es insgesamt zwölf solcher Bauwerke“, erklärt mir das Ehepaar, das sich für sehr Kunstgeschichte interessiert.

Polternd rollt der Trolley-shopper über das Pflaster und plötzlich bleibt er stehen. Genau bei dem Blumenstand von Ellen. Roswita guckt sich suchend um und findet Balkonpflanzen. Sie geht mit Trolley an den Stand und erzählt mir, dass sie die Tannen endlich vom Balkon tun möchte und den Frühling begrüßen will, denn es sei höchste Zeit dafür! Sie entscheidet sich schnell für zwei Pflanzen mit noch geschlossenen Blüten. Doch die Farbe der Blume erkennt man schon, „ein zartes rosa“ ihre Lieblingsfarbe.

Bevor ich gehe, fallen mir noch Ursula und Agnes auf. Eine mit Gehhilfe, die andere trägt die Einkaufstaschen. Sie sind her gekommen, um ihren Fisch zum Mittagessen abzuholen und noch einen Kaffee zu trinken. Alles genau so wie jeden Freitag! „Standard“.

von Emily Zielke