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Kölner Käse König

Mit einem lauten Knall fällt das Schild mit der Aufschrift „Wasabi-Gouda 1,99 € 100gr“ um. Es übertönt für einen kurzen Moment nur das Gespräch der Menschen hier auf dem Markt an der Apostelkirche.

„Nee, bei uns jit es keine Kies in Schieve! Am Stöck bliev der vill länger fresch un god!“ zum wiederholten Mal gibt Markus Möller diese Weisheit bekannt. Markus ist schon seit um vier Uhr morgens wach. Seit um fünf steht sein Wagen schon hier auf dem Markt in Köln. „Zick öm fünf bin ich hee un hab noch bes öm sieben geschlofen.“ und das jeden Dienstag und Freitag seit zehn Jahren. Aber eigentlich verkauft er schon immer Käse. Großvater Möller hat den Käseverkauf gegründet, ein paar Meter weiter auf dem Wilhelmsplatz. Nach dem ersten Weltkrieg war das, 1924. Nun leitet der 47-jährige Markus den Betrieb, und das schon seit 30 Jahren.

Eine ältere Dame mit roten Lackschuhen, roter Cordhose und dunkelgrünem Mantel kommt an den Stand. Sie schaut sich die Auswahl an und entscheidet sich für den echten Schweizer Emmentaler. Keinen falschen, unechten aus dem Allgäu. Lange kommt kein Kunde. „Der Markt geht ein. Er stirbt aus. Wer noch kommt sind alte Leute, und die auch nur um nicht allein daheim rum zu hocken. Ich hab mich schon sehr bemüht am Rathaus den Markt auf nachmittags um 4 verlegen zu lassen, aber das wollen die nicht.“ Der nächste Kunde kommt. Er schaut. Und geht weiter. „89 Prozent der Leute machen das, die wollen lieber bei REWE ihren Schnittkäse einkaufen“. Markus wirkt niedergeschlagen. Die lustigen, fröhlichen Augen trüben sich, als ob Wolken vor die Sonne ziehen und der Himmel sich verdunkelt, so verdunkeln sich seine Augen. Ein starker Windstoß lässt die Markise flattern. Markus kräuselt seine Stirn. Seine Schultern hängen nach unten, und er zieht seine schwarze Fleecejacke unter der roten Schürze enger um sich herum, als würde er frösteln.

Dabei friert er nicht, Markus ist stämmig, trägt einen dicken schwarzen Schnurrbart in seinem rosigen, pausbäckigen Gesicht. „Ich friere nicht, meine Wampe hält mich warm.“ sagt er, und nimmt einen großen Schluck von seinem Kaffee, der aber mit einem Schuss Rum.

„Hey Lieblingskollege!“ ruft Markus. Der Blumenverkäufer von gegenüber dreht sich um und grüßt zurück. „Sehn wir uns heut Abend?!“ „Selbstverständlich!“

Der Piratenkongress. Darauf fiebert Markus schon den ganzen Tag hin. Er wird beim Umzug mit der Fahne vorneweg gehen. Sein Karnevalsverein war sogar schon im Fernsehen. Im NDR. Sie waren als ganze Truppe in Rostock. Und sie waren auf der Bounty, dem Schiff aus Fluch der Karibik. Denn ihre Piratenkostüme sind sehr authentisch. Mit echten Pistolen und allem „drum und dran“.

Ein Herr mit Hut kommt vorbei, grüßt und kauft 200gr Leerdamer. Eine Frau schlurft vorbei und begutachtet den Käse kritisch. Der Herr ruft: „Hier gibt’s den besten Käse in ganz Köln“. Die Frau kauft.

Der Blumenverkäufer kommt und kauft Emmentaler. Markus grinst wissend, „Wird schon der Alkoholschwamm und Katerblocker besorgt?!“ Ein junger Asiate sieht die beiden Männer, welche ihr tiefes, brummiges aber doch schallendes Lachen über den Marktplatz ertönen lassen, irritiert an, was die beiden Männer noch mehr in ihr Gelächter stürzen lässt. Nach einer Weile klärt Markus Möller den jungen Asiaten auf. Emmentaler saugt den Alkohol auf. Seit er 15 ist, isst er vorm Zubettgehen während der Karnevalszeit abends immer Emmentaler, und hat nie einen Kater.

Der beste Käse in ganz Köln. Denn viel mehr kommt er nicht herum in der Welt. Möchte er auch nicht. Ein Kölsche ist ein Kölsche und bleibt ein Kölsche, Und er ist ja immerhin der Kölner Käse König.

von Eliane Amend