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Kölner Wochenmarkt

Gerade zurück vom Kaffeestand stellt sich Maria Nickel wieder hinter ihren Verkaufstisch und lächelt freundlich. Sie ist bereits seit sechs Jahren auf dem Kölner Wochenmarkt und verkauft hier den Wein ihres Bruders. Dieser hat ein eigenes Weingut in der Pfalz. "Das war immer Martins Traum", sagt sie "und dabei unterstütze ich ihn natürlich, er ist ja mein Bruder!". Sie winkt Katrin zu sich rüber und gibt ihr einen Kuss auf die Backe. Sie tauschen sich aus. Maria und Katrin kennen sich seitdem sie hier zusammen studiert haben. Sie haben eine lange Zeit gemeinsam in einer WG gewohnt bis Katrin mit ihrem Freund zusammen zog.

Überall bekommt man Gespräche mit. Jeder unterhält sich und bereichtet über Neuigkeiten. Menschen mit roten Nasen und Backen schlendern aneinander vorbei und begrüßen sich herzlich. Die Händler die teilweise schon seit vier Uhr auf dem Markt sind verkriechen sich hinter ihren dicken Schälen und tragen dicke Pullover. Die Dame an dem einen Blumenstand ruft: "Alles 1 Euro!" um ihre Kunden anzulocken. Der kalte Geruch von Lavendel liegt in der Luft und überall sind bunte Blumen. Ein junger Mann trägt eine weitere Palette Knospen über den Markt, in der anderen Hand hält er eine Zigarette. Er wirkt müde aber bleibt stehts freundlich. "So kennen wir ihn, den Stephan". Jeder kennt ihn hier, er ist ein sehr aufgeschlossener Mensch der gerne mit vielen Leuten zu tun hat. Er ist 31 Jahre alt und behauptet von sich selbst ein Marktkind zu sein. "Ich kenn das gar nicht anders, das war schon immer so". Eine Frau erzählt: "Stephan ist unser Sonnenschein hier, auch wenn sie Sonne nicht scheint geht es uns gut wenn wir von ihm bedient werden." und eine andere Dame fügt beschämt hinzu: "Außerdem sieht er am besten aus!". Der Dunkelhaarige lacht und widmet sich dann wieder seiner Kundin.

Eine Frau fällt besonders auf: sie trägt eine große Sonnenbrille und trägt eine Handtasche in die sie ihre Einkäufe verstaut hat. "Ich weiß, jeder hält mich hier für verrückt. Wer führt schon Lebensmittel in einer Vuitton aus? Und dann noch vom Wochenmarkt. Aber as ist meine Art, so bin ich und das ist auch gut so. Meine Freunde sind zu spießig für sowas, ich liebe den Ausflug zum Markt am Freitag Morgen...". Dann telefoniert sie weiter.

Die Sonne lässt den kalten Wind fast schon angenehm wirken. Die Kinder freuen sich über das Wetter, der Regen ist ihnen zu langweilig. Nachdem die kleine Hannah ein Stück Wurst verdrückt hat bringt ihre Mutter sie zur KiTa der Apostelkirche. Sie gehen jeden Freitag zuerst gemeinsam auf den Markt damit die Tradition erhalten bleibt. Ihre Mutter kennt die meisten Leute hier. "Touristen verirren sich nur selten hier her. Das ist ein Kölnerding". Zwischen den ganzen Ständen sieht jeder sehr zufrieden aus.

Am Käsestand gegenüber nimmt Anja einen kleinen Jungen auf den Arm. Sie hatte selbst nie Kinder obwohl sie sich immer welche gewünscht hatte. "Die Zeit macht es aus. Es hat nie wirklich gepasst.", kurz wirkt sie betrübt aber dann steckt Theo seine kleinen Finger in ihr Gesicht und schon ist sie wieder von Glück erfüllt. Anja hilft ihrer Freundin Christine ab und zu aus, gemeinsam sind sie ein unschlagbares Team. Sie hat ihre dunklen Haare streng zu einem Zopf gebunden. "Das ist wichtig wegen der Hygiene", verrät sie "aber es macht auch kalte Ohren. Lachend zieht sie Ohrwärmer aus der Hosentasche die sie aber nie anzieht. "Sieht doof aus", sagt sie und lacht schon wieder. Dann nimmt sie einen Teller hervor und richtet Käse an, zum probieren. Sie lacht schon wieder und Christine lacht mit. "Wir wollen die gute Laune verbreiten" und das ist ihnen gelungen.

von Océane Wagner