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Köln Altstadt-Nord : Der Wochenmarkt - „Einfach nur Einkaufen?“

Es ist Freitagmorgen und die Senioren kommen, erledigen ihre Einkäufe und führen gelegentlich Gespräche mit den Verkäufern. So würde ein jeder denken der das Vergnügen noch nicht selbst erlebt hat, denn hier trifft sich Jung und Alt. Doch was führt sie gerade hierher und aus welchem Grund, wenn doch eine Straße weiter ein großer Supermarkt ist?

Wolkenloser Himmel, ein kalter frischer Wind weht um die Ohren, gegen 11 Uhr vormittags auf dem Wochenmarkt am Apostelnkloster. Die Kirchenglocken läuten und abgedämmte Geräusche des Straßenverkehrs sind wahrzunehmen. Kaum hat man den Markt betreten, überkommt einem eine sehr ausgelassene Stimmung, sofort ist klar, hier gibt es keine schlechte Laune, die man zuvor noch in einigen Gesichtern auf der Straße sehen konnte. Leises Gemurmel der Kunden, die mit sich selbst reden und sich unsicher sind, welches Angebot der roten Frühlingstulpen nun wohl besser ist.

Speziell heute am Valentinstag bietet das gewöhnliche Angebot außer Brot, Fleisch, Fisch, Gewürzen, Eier, Senf, eine Auswahl an Obst und Gemüse und exotischen Produkten wie Oliven, eine sehr große, für jenen sogar fast schon unüberschaubare Auswahl an den verschiedensten Blumen. Auf der einen Seite stapeln sich rote Rosen, von denen ein Verkäufer einen Strauß nimmt und die Stielenden in eine Maschine steckt um sie zu kürzen, im Marktinneren findet man Narzissen und Tulpen aller Art. Hände greifen nach Sträußen, werden gründlich begutachtet und unsicher wieder zurückgelegt. Kein Wunder bei den zahlreichen Angeboten, hier wird der ein oder andere der es eilig hat, schnell verwirrt: Hier 1 Euro, dort 3,50 Euro und dort drüben wieder 2,50 Euro.

„Ach Jens, ich bin total desorientiert!“, ruft ein Herr mittleren Alters seinem schätzungs- weise gleichaltrigen Freund nach. Mit seinem schütteren braunen Haar und einer Sonnenbrille, dreht er seinen Kopf hektisch nach links, rechts und dann wieder nach links, die Blicke schweifen ungeduldig durch die Paletten doch die passenden Narzissen sind anscheinend nicht aufzufinden und bevor sein Freund ihm aus den Augen gerät, eilt er im schnellen Schritt hinterher, dabei hält er jeweils drei vollgepackte Einkaufstüten in beiden Händen und verschwindet langsam zwischen den anderen Käufern.

„Beim Einkaufen auf dem Markt ist man mit all seinen Sinnen dabei.“, das behauptet zumindest Student Marius, 27 Jahre jung, der gemütlich in einer Jogginghose und schwarzer Winterjacke über den Markt schlendert. Er ist an diesem Tag hier unterwegs, weil er vor hat am Valentinstag mit seiner Freundin zu kochen und benötigt dazu noch die passenden Gewürze. „ Ich bin heute zum ersten Mal hier und muss zugeben, dass ich mir den Markt ganz anders, viel negativer vorgestellt habe. Aber ich habe mich gründlich getäuscht, die intensiven Gerüche an jeder Ecke sind echt einzigartig und nicht vergleichbar zu einem Supermarkt. Dort gibt es auch immer etwas Leckeres zum Probieren, gar nicht so schlecht!“

Dies lässt sich von den meisten Anwesenden bestätigen, sei es der duftende Lavendel, Thymian, das frische Fleisch oder der Geruch des Fischs. Sogar die Kleinsten finden Gefallen daran, wie zum Beispiel der 4 jährige Fabio der mit seiner 41 jährigen Mutter Susanne Winterbach, unterwegs ist, um den Einkauf für das Wochenende zu erledigen. Wie gefesselt steht der kleine Junge vor dem Wursttresen, den er aber aufgrund seiner Große nicht ganz so viel zu sehen bekommt. Susanne erzählt, dass sie die schnellen Einkäufe zwar meist im Supermarkt erledigt, dennoch jeden Freitag hierher kommt um jedes mal dieselbe Sorte Schinken und Bärlauchkäse zu holen. „Das ist eine Art Familientradition die wir führen und wir legen sehr viel Wert darauf. Woanders mag es für andere wohl gleich schmecken, meine Eltern kommen auch aus der Gegend und haben hier immer eingekauft, für uns kommen die Produkte nur von hier in Frage!“

Tradition scheint auf dem Markt ein sehr hohen Stellenwert zu haben, was man beim genaueren Hinhören feststellen kann. Zwischen dem Rascheln der Einkaufstüten, die immer voller und voller werden und der klirrenden Münzen die in die Kassen fallen, fällt der sich immer wiederholende Satz „Ach du bist es wieder, wie geht es uns denn heute?“ Darauf folgen sogar manch vertrautere Gespräche und herzliche Wochenendgrüße und welche, die an die Familie des Käufers ausgerichtet werden sollen.

Der Wochenmarkt hat für jeden Einzelnen eine Besondere Bedeutung und ist für jeden ein einzigartiges Erlebnis: Kleinkinder, die sich an den Wurstkostproben erfreuen, Senioren und Familien, die ihre Wochenendeinkäufe erledigen und Traditionen und Kontakte Pflegen, junge Leute die spontan das Sortiment durchstöbern oder für Freunde Valentinstags- überraschungen zu kaufen. Das Miteinander dort mag man mit einer Großfamilie vergleichen, Menschen halten sich dort gerne auf und investieren auch einmal mehr Zeit für die Auswahl des richtigen Produkts und das kalte Wetter wird zur Nebensache. Egal wie lang der Aufenthalt dauern mag, der Großteil verlässt den Wochenmarkt mit einem guten Gefühl und so manchen Einkaufstüten in der Hand.

von Tina Eble