Jurybegründungen zu den Preisträgern 2013

1. Preis: Sächsische Zeitung für den „Familienkompass“

Die Zeitung macht sich zum Anwalt der Familien. Sie gestaltet ein Thema, das für die Zukunft der Städte und Gemeinden wichtig ist wie kaum ein anderes. Die Redaktion schafft so die Basis für die öffentliche Debatte, die das Thema braucht. Die Reporter ermitteln, was die Zufriedenheit der Familien befördert und was nicht. Sie recherchieren zu Kitas und Spielplätzen, zu Schulen und Ärzteversorgung, zu Schulwegen und Nahverkehr, machen Daten vergleichbar. Sie binden die Familien in ihre Recherchen ein und holen sich wissenschaftliche Unterstützung. Die groß angelegte Aktion liefert viele praktische Hinweise, wie die Kommunen für Familien attraktiv werden können.

2. Preis: Braunschweiger Zeitung für die „Antworten-Seite“

Die Redaktion schreibt die gute Tradition der „Bürger-Zeitung“ fort, macht Zeitung nicht nur für die Leser, sondern mit ihnen. Sie lädt sie ein, Fragen und nochmals Fragen auf den Tisch der Redaktion zu legen, alle aktuellen On- und Offline-Wege stehen zur Verfügung. Die Journalisten liefern. Sie tun, was Journalisten können: Sie recherchieren, gewichten, ordnen ein und stellen die Zusammenhänge her, die Leser kennen müssen, um diese komplizierte Welt zu verstehen. So weist die Zeitung Wege im Dickicht der Nachrichten.

2.Preis: Zeitungsverlag Waiblingen für die Serie „Christentum heute“

Die Serie gibt dem Glauben eine Stimme und viele Gesichter. Sie porträtiert Menschen, die in die Kirche gehen oder in der Kirche sind. Die Redakteure und ihre Gesprächspartner tun niemals so, als seien sie schlauer als die Leser, aber sie beherrschen die Kunst, ihren Glauben und ihre Zweifel präzise zu formulieren. Wenn die Journalisten ihr eigenes Glaubensbekenntnis in Worte fassen, „Ich“ sagen, wirkt es nicht aufdringlich oder peinlich. Die Serie liefert Stoff zum Bedenken der eigenen Position. Die Texte machen nachdenklich, das Thema hat es verdient.

Preis in der Kategorie Infografik: Berliner Zeitung für die Rubrik "Kopf&Zahl"

Es sind Grafiken zum Schmökern und Genießen. Die Schaubilder eröffnen neue Blicke auf die Stadt und ihren Alltag. Der Leser schaut, staunt, kapiert schnell und fühlt sich auch noch gut unterhalten. Infografik macht es möglich. Launige Texte und Schlagzeilen tun ein Übriges.

Preis in der Kategorie Verbraucher: Deister-und Weserzeitung für den „Dewezet-Test“

Die Stiftung Warentest stand Pate, auch Günter Wallraff hat seine Spuren hinterlassen. Wenn es sein muss, schlüpfen die Redakteure in die Rolle des kritischen Kunden oder des wissbegierigen Bürgers. Sie bedrängen öffentliche wie private Dienstleister mit Fragen, die eine Antwort brauchen. Die Dienstleisterin Zeitung macht sich verdient um die Lebensqualität der Stadt.

Preis in der Kategorie Katastrophenberichterstattung: Der Prignitzer für die Hochwasserberichterstattung

In der Katastrophe begreift sich die Zeitung als Helfer in der Not. Die Redaktion organisiert sich um – als eigener kleiner Krisenstab. Sie nutzt all ihre medialen Möglichkeiten: Zeitungsseiten, Homepage, Liveticker, Facebook. Mit ihren Informationen in Echtzeit entwickelt sie sich zu einem Partner im großen Krisenstab, der nicht mehr weg zu denken ist. Eine kleine Redaktion – eine große Leistung.

Preis in der Kategorie Alltag: Der Tagesspiegel für die Rubrik „Fünf Minuten Stadt“

Der Reiz der Rubrik liegt in der Kunst, die sie den Autoren abverlangt: Mit wenigen Zeilen eine Mini-Reportage zu schreiben. Die Texte kitzeln die Seele des Großstädters, halten ihn zum Innehalten an. Er darf sich fünf Minuten Zeit nehmen, eine Besinnungspause einlegen, um über sich selbst, das Leben oder was auch immer nachzudenken.

Preis in der Kategorie Stadtreport: Kölner Stadtanzeiger für die Serie „Auf den Punkt“

Die Ex-Dombaumeisterin ist kompetent, authentisch und prominent. Ihren Kultstatus nutzt der Reporter. Er stellt sich in ihren Dienst und schreibt auf, was sie zu sagen hat. Die beiden nehmen die Leser mit auf ihre Touren. Wer mitgeht, entdeckt die Stadt neu. Die Stadtexpertin lenkt den Blick auf vermeintlich Altbekanntes, sie lehrt Sehen.

Preis in der Kategorie Kultur: Nordbayerischer Kurier für die Berichterstattung „Wie Wagner in Bayreuth funktioniert“

Wie „Wagner“ in ihrer Stadt funktioniert, wollen die Bayreuther schon lange wissen. Sie wissen es jetzt dank einer akribischen Recherchearbeit. Sie erfahren, wer hinter den Kulissen der Festspiele was zu sagen hat, die Stadt, das Land, der Bund, die Familie, wer mit wem wie verflochten ist. Die Texte sorgen für Transparenz. Wer aufklärt, braucht auch Mut. Die Zeitung hat ihn.

Preis in der Kategorie Foto: Oberhessische Presse für die crossmediale Serie „Ich und Ich“

Kleider machen Leute, machen eine andere Figur, einen anderen Blick: Mindestens zweimal Ich steckt in jedem Menschen. Die große Herlinde Koelbl hat demonstriert, wie eine solche Fotoserie geht. Die Zeitung spielt die Idee nach, überträgt sie in die Region. Und bietet Mehrwert, weil sie crossmedial agiert, mit Podcasts und Audio-Interviews lockt.

Preis in der Kategorie Regionale Wirtschaft: Rhein-Zeitung für die Aktion „Kauf lokal!“

Der Internethandel boomt, der Kaufrausch im Netz trifft die heimische Wirtschaft. Wer es immer noch billiger haben will, nimmt billigend in Kauf, dass Innenstädte veröden, Gemeinden ohne Geschäfte dastehen. Die Zeitung klärt auf und organisiert den Dialog, bringt Kunden und Kaufleute ins Gespräch. Ihr Appell aber ist eindeutig: “Kauf lokal!“

Preis in der Kategorie Verbraucher: Stuttgarter Nachrichten für die Serie „Wohn-Wahnsinn“

Der Serientitel provoziert, mit Recht. Wenn die Not so groß ist, hilft individuelles Wehklagen nicht weiter. Die Zeitung dient mit Öffentlichkeit. Die Redaktion beleuchtet den Wohnungsmarkt aus allen Blickwinkeln, leuchtet Hintergründe aus, analysiert Interessen, lässt Wohnungssuchende, Mieter und Vermieter zu Wort kommen. Sie bietet das Forum für viele Debatten und vergisst ihren vornehmsten Auftrag nicht, Anwalt der Bürger zu sein.

Sonderpreis für Volontärsprojekte

Neue Westfälische für eine Reportagen-Serie
Die Gesellenstücke der Volontäre basieren auf einer verblüffend einfachen Idee. Sie pflegen eine alte Reporter-Tugend: Hingehen, schauen, mit Menschen reden, aufschreiben. Dartpfeile weisen ihnen den Weg, das hat Charme. Das Ganze ist frisch umgesetzt, unbefangen und ungekünstelt geschrieben.

Thüringer Allgemeine für das interaktive Wahlkampfkonzept
Die Volontäre beobachten den Wahlkampf dort, wo sie zu Hause sind, in den sozialen Netzwerken. Dort mischen sie auch mit. Sie nutzen Facebook als Debattierclub, auf Twitter nehmen sie die Bundestagskandidaten ins Kreuzverhör. Die etwas andere Wahlkampfberichterstattung ist attraktiv für Leser/User, die genauso jung sind wie die Volontäre selbst.