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Jurybegründungen zu den Preisträgern 2014

1. Preis: Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung – Infopaket „Zerreißprobe“

Geothermie ist gut für die Umwelt, gut für den Geldbeutel. Doch sie hat eine Kehrseite: Bei fehlerhaften Erdbohrungen kann sich die Erde heben, können Häuserwände reißen. Genau das ist in der Region passiert. Die Zeitung übersetzt das komplexe Thema und schnürt ein umfangreiches multi- und crossmediales Infopaket. Akribisch recherchierte und aufwändig gestaltete Themenseiten in der Print-Zeitung werden ergänzt durch eigene Infografiken für Print und Online, durch individualisierte Google-Karten, Animationen, Videos und digitale Zeitleisten im Internet. Als einzige Zeitung in Deutschland bietet die Zeitung ihren Lesern und Usern mit der „Zerreißprobe“ ein Online-Dossier zum Thema, es wird bis heute kontinuierlich aktualisiert. Eine kleine Zeitung zeigt vorbildlich, wie Lokaljournalismus im Zusammenspiel von Print und Online funktioniert.

2. Preis: Deister- und Weserzeitung – Konzept zum Thema Erster Weltkrieg

Die Zeitung überzeugt mit einem anspruchsvollen Gesamtkonzept zum großen historischen Thema des vergangenen Jahres, dem Ersten Weltkrieg. Die Bausteine: eine 23 Folgen umfassende Serie in der Zeitung, ein Magazin mit historischen Fotos, ein 28-seitiger Sonderdruck, ein aufwändiges Themen-Dossier im Internet mit audiovisuellen Reportagen, interaktiver Stadtkarte und Slide-Show sowie einer Ausstellung. Die große Resonanz der Leser und User bestätigt: Der Anspruch der Zeitung, ein inhaltliches Ausrufezeichen zu setzen und die Leser-Blatt-Bindungen zu stärken, ist mehr als erfüllt.

2. Preis: Stuttgarter Zeitung - Serie „Liebe zu Zeiten des Krieges“

Mit Feldpostbriefen lädt die Zeitung zu einer Zeitreise ein. Sie führt in die Jahre 1914 – 1918, in die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Die neue Kriegstechnik feiert grausame Triumphe. Mit seinen Briefen schreibt sich ein Soldat das Grauen von der Seele. Seine Texte bewegen – auch 100 Jahre danach. Die Redaktion nutzt die Vorlage der Briefe. Sie zeichnet ein Bild vom Krieg, dokumentiert den Kriegsalltag in der Heimat: eine Geschichtslektion, die unter die Haut geht.

2. Preis: Berliner Morgenpost - Serien „Geschichte neu erzählen“

Die Zeitung präsentiert ein neues Format, findet eine Form, Geschichte neu zu erzählen. Die Redaktion bedient sich zu diesem Zweck aus der eigenen Geschichte – mit Faksimile-Seiten aus der eigenen Vergangenheit. Sie macht den 1. Weltkrieg ebenso zum großen Thema wie den Mauerfall. Die Faksimile-Seiten sind Dokumente der Zeitgeschichte. Die Meldungen von damals lassen uns Heutige staunen. Die Redaktion garniert die alten Texte mit Erläuterungen aus heutiger Sicht. So wird Geschichte verständlich: erklärender Journalismus im besten Sinne.

Preis in der Kategorie Innovationen: Der Tagesspiegel für den Berlin-Newsletter „Checkpoint“

Die gedruckte Zeitung verführt zu längeren Texten. Online sollte es anders sein, ist es aber oft nicht. Der „Checkpoint“ demonstriert ein neues Format. Im Berlin-Newsletter sind alle Texte kurz, die Meldungen und – besonders wohltuend – die Kommentierungen. In der Kürze liegt hier viel Würze. Der Berliner darf sich wohl fühlen. Besagt doch eine Weisheit aus dem legendären Insulaner- Kabarett: „Der Berliner mag keen Jetue nich!“

Preis in der Kategorie Landwirtschaft: Nordbayerischer Kurier für die Serie „Wir ackern“

Wo es um Landwirtschaft geht, da geht es auch um Klischees, selten decken sich die Vorstellungen mit der Realität. Die Zeitung macht sich auf die Suche: Die Redakteure stellen Familien vor, die seit Generationen ihren Hof bewirtschaften, sie erläutern Produktionskreisläufe in der Natur, erklären, was eine Hochleistungskuh ausmacht und in welchen Produkten Schwein drinsteckt. Sie weichen auch der Frage nach „Bauer sucht Frau“ nicht aus. Sie laden Leser ein, in einem Online-Quiz ihre Kenntnisse von Natur und Landwirtschaft zu testen. Tiefgründig und unterhaltsam, ohne ideologische Scheuklappen zeichnen sie ein differenziertes Bild der modernen Landwirtschaft.

Preis in der Kategorie Investigative Recherche: Nordwest-Zeitung für die Berichterstattung zum Skandalfall „Pizzafabrik“

Ein Investor aus Italien will 300 Millionen Euro in eine Pizzafabrik investieren, die Verantwortlichen im Landkreis Friesland sehen die große Chance für die Wirtschaft in der Region. Doch irgendetwas stimmt nicht, die Redaktion wird misstrauisch. Der Reporter recherchiert hartnäckig, reist für Recherchen sogar nach Italien und in die Schweiz. Er deckt nach und nach die Hintermänner und Hintergründe des angeblichen Investitionsvorhabens auf. Aus dem anfänglichen Verdacht wird Gewissheit: Alles nur ein großer Schwindel. Eine respektable investigative Rechercheleistung bewahrt die Region vor großem Schaden.

Preis in der Kategorie DDR-Geschichte: Sächsische Zeitung für die Serie „Die Stasi vor unserer Tür“

Seit 1989 die Mauer fiel, sind viele Kapitel der DDR-Geschichte ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Im lokalen Raum steht aber bis heute oftmals noch eine Mauer des Schweigens, wenn es um die Stasi geht. Die Zeitung nimmt sich des heißen Themas an. Vorausgegangen sind zweieinhalb Jahre Planung und Recherche, teils gegen erhebliche Vorbehalte bei potenziellen Gesprächspartnern. Nicht jedem Leser gefallen die Berichte und Analysen, doch die positiven Reaktionen überwiegen. Das Ziel, 25 Jahre nach dem Mauerfall einer zunehmenden Verklärung der DDR-Vergangenheit entgegenzuwirken, ist erreicht. Die Zeitung wird ihrem Auftrag gerecht, Öffentlichkeit herzustellen – auch wenn es weh tut.

Preis in der Kategorie Inklusion: Süderländer Tageblatt für Berichte und Aktionen zum Thema Förderschule

Inklusive Schulen zu schaffen, in denen Schüler mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet werden, steht ganz oben auf der politischen Agenda. Förderschulen haben dagegen einen schweren Stand, die Schülerzahlen sinken. Auch die Zukunft der Plettenberger Vier-Täler-Schule steht 2014 auf dem Spiel, dabei ist sie nach Überzeugung von Pädagogen und Eltern weiterhin notwendig. Die Zeitung macht das Thema zum Stadtgespräch. Mit einer Selfie-Solidaritätsaktion gelingt es der Redaktion, zahlreiche Leser für die Unterstützung zum Erhalt der Förderschule zu gewinnen. Welche Kraft Lokaljournalismus haben kann, der seine Leser mit ins Boot holt, belegt das Ergebnis: Die Schule besteht weiterhin.

Preis in der Kategorie Gesellschaft: Südkurier für das Projekt „Rolltreppe des Lebens“

Menschen stehen im Mittelpunkt dieser Serie, jeweils einer von ganz oben, und einer von sehr weit unten. Sie erzählen vom Auf und Ab des Lebens, von Luxus und Entbehrungen. Die Redaktion bringt den Millionär mit dem Obdachlosen ins Gespräch. Das Projekt „Rolltreppe des Lebens“ zeichnet ein Psychogramm der Region. Die Autoren schreiben, was ist, ohne Anklagepose, aber mit viel Nutzwert und Hilfsadressen für die, die sie brauchen. Die Texte lassen nachdenken, warum die Verhältnisse so sind, wie sie sind, und was Leben wirklich glücklich macht.

Preis in der Kategorie Integration: Westdeutsche Zeitung für die Serie „Michas Klasse“

Dass sich Schüler aus vielen Herkunftsländern in einem Klassenzimmer tummeln: kein neues Thema im Lokaljournalismus. Etwas Besonderes wird die Serie der Zeitung durch die konsequent persönliche Perspektive, die Brücken zum Leser baut und die Welt im Lokalen entdeckt. Der Autor porträtiert die Grundschulklasse seines Sohnes, in der 14 Nationen vertreten sind. Er nimmt den Mikrokosmos der Schulklasse als Spiegel für das große Weltgeschehen. Und was in der allgemeinen Diskussion über Ausländer, Flüchtlinge und Islam allzu oft von Pauschalurteilen überdeckt wird, kann der Leser in den Einzelbeispielen viel genauer und differenzierter wieder erkennen. Seine Geschichten tragen mehr zum Verständnis zwischen verschiedenen Kulturen bei als flammende Appelle.

Preis in der Kategorie Alltag: Weser-Kurier für das Projekt „Hinrichs im Hochhaus“

Der Reporter fängt ein, was in Zeitungen oft zu kurz kommt, den ganz normalen Alltag und Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen. Sie geben keine Presseerklärungen, aber sie haben etwas zu erzählen. Der Reporter richtet sich für einen Monat in einem Hochhaus ein. In 30 Tagen entstehen 60 Texte für die Zeitung, im Netz ist das Projekt mit einem Blog, Videos und Fotostrecken präsent. Er schaut hinter die Fassaden von Gebäude und Menschen, und er tut dies aus sehr persönlicher Sicht. Was ihn treibt, ist nicht die Suche nach einem Skandal. Er ist dem Alltag auf der Spur, voller journalistischer Neugier, und beweist, dass die spannendsten Geschichten gleich nebenan zu finden sind.

Sonderpreis für Volontärsprojekte: Cellesche Zeitung für die Serie „Neue Heimat Celle“

Nicht selten reagieren Menschen mit Ängsten und Vorbehalten auf ihnen Unbekanntes. Mit ihrem Volontärsprojekt setzt die Zeitung einen Kontrapunkt. „Neue Heimat Celle“ – der Serientitel ist Programm. Die Volontäre schreiben Flüchtlingsgeschichten. Sie zeigen Menschen und ihre dramatischen Schicksale. Mit ihren Texten erklären sie Zusammenhänge und wecken Verständnis. Die Volontäre haben ein Gesellenstück abgeliefert, das Anerkennung verdient.

Sonderpreis für Volontärsprojekte: Münchner Merkur für die Serie „Wohnung gesucht – und gefunden?“

Not macht erfinderisch. Die große Wohnungsnot in München treibt Menschen in die Kreativität. Mit originellen Texten an Stromkästen und Straßenlaternen buhlen sie um die Gunst von Vermietern. Die Volontärin hängt sich mit ihrer Idee an diese originellen Vorlagen an. Sie fragt nach. Es entstehen Porträts von Menschen und Wohnungen. Die Autorin leuchtet ein Thema aus, das Aufmerksamkeit verdient: Respekt der Einzelkämpferin.

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