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Internationales Stimmungsbild nach der Klimakonferenz in Paris

Einschätzungen unserer Expertinnen und Experten vor Ort

Über die Vorbereitungen und die Ergebnisse der Klimaverhandlungen haben wir vor und nach der COP 21 mit Expertinnen und Experten in den Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung gesprochen. Ihre Einschätzungen geben interessante Einblicke in die Stimmungslage der einzelnen Länder. Den Auftakt machen Europa, Asien und Lateinamerika. Weitere Regionen folgen.

Das internationale Stimmungsbild vor der Konferenz finden Sie hier.

Maghreb-Staaten: Marokko prescht voran, Algerien hinkt hinterher

Die Reaktionen auf das Klima-Abkommen sind im Maghreb ganz unterschiedlich. Während Marokko außerordentlich zufrieden ist und in Tunesien neue Hoffnungen geweckt wurden, hält sich Algerien eher zurück. Das liegt auch an der gänzlich unterschiedlichen Ausrichtung der Länder: Algerien setzt noch auf fossile Rohstoffe, Forderungen nach Umweltschutz sind dort nicht besonders stark. In Algerien existiert auch kein nachhaltiger Druck für mehr Klimaschutz: „Es steht nichts auf dem Spiel", so Reifeld. Marokko hingegen ist eine Solarenergie-Weltmacht und geht Klimaschutz in einem gesamtpolitischen Paket an: Nachhaltiger Tourismus, Beschäftigung in unmittelbarer Nachbarschaft neuer Solaranlagen und langfristige Industrie-Investitionen. Zudem wird die Forschung an den Universitäten enorm darauf zugespitzt und damit auch der technologische Fortschritt gefördert. Und so bereitet sich Marokko auch intensiv als Ausrichter der COP 22 im November 2016 vor.

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COP 21-Interview mit Helmut Reifeld, Leiter des Auslandsbüros der KAS in Rabat

Golf-Staaten: Paris als Anschub für Ambitionen bei Erneuerbaren

„Insgesamt wird das Abkommen als wichtiger Schritt zu Begrenzung des Klimawandels gesehen", fasst Windecker die Reaktion der Golf-Staaten auf COP 21 zusammen. Die größte Verantwortung sähen die Golf-Staaten jedoch bei den westlichen Industrienationen sowie Russland, China und Japan. Die Golfstaaten begrüßen es, dass weder das Ziel der Decarbonisierung noch ein verbindliches 1,5-Grad-Ziel im Vertrag stehen. Der Kampf gegen den Klimawandel dürfe keine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, so das Credo der Region. Trotzdem könne Paris als Anschub für die ambitionierten Pläne für erneuerbare Energien gesehen werden und habe deutlich zur politischen Bewusstseinsschärfung beigetragen.

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COP 21-Interview mit Dr. Gidon Windecker, Leiter des Regionalprogramms Golfstaaten der KAS in Amman

Das Abkommen erscheint Subsahara-Afrika noch nicht ausreichend

„Das Abkommen wird als Möglichkeit gesehen, die Bemühungen, die bereits im Gange sind, zu beschleunigen und auszubauen – und das muss aufrichtig und gerecht erfolgen", fasst Stefanie Brinkel die Reaktion der Region zusammen. Subsahara-Afrika sei mit dem Vertrag nicht wirklich zufrieden, insbesondere NGOs kritisieren das Abkommen als nicht stark genug. Gerade Finanzierungsfragen seien nicht ausreichend beantwortet, obwohl die Industrienationen direkt zur Unterstützung aufgefordert werden. In den drei wichtigsten Bereichen gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Das Thema „Loss and Damage" komme im Vertrag nur als Worthülse vor und das 1,5-Grad-Ziel sei nicht verpflichtend und daher unrealisitsch – bei beiden Punkten ist die Kritik groß. Lediglich das Capacity Building für Entwicklungsländer soll ausgebaut werden, berichtet Brinkel. Allerdings könne erst im Lauf der Zeit beurteilt werden, wie effektiv die Unterstützung Subsahara-Afrikas ist. Das Abkommen sei jedenfalls nur ein Anfang: Die Umsetzung müsse noch im Detail geklärt und nationale sowie regionale Initiativen müssen koordiniert werden.

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COP 21-Interview mit Stefanie Brinkel, Projektmanagerin im Auslandsbüro der KAS in Dar es Salaam, Tansania

Gastgeber Frankreich: „Die französische Diplomatie hat gute Arbeit geleistet“

Die Franzosen sind insgesamt zufrieden mit dem Klimaschutzabkommen, aber auch mit der Leistung der eigenen Diplomatie. Schließlich habe das Land die Konferenz mit viel Energie vorbereitet „und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Akzente gesetzt", sagt Nino Galetti. Ein Effekt der COP 21: Präsident Hollandes Beliebtheit stieg, denn Frankreich habe die Rolle gespielt, „die dem Land nach Meinung der meisten hier zukommt; nämlich ein weltpolitischer Akteur zu sein", so Galetti. Allerdings sei die Konferenz von zwei innenpolitischen Themen überlagert worden: der Terrorgefahr nach den Pariser Anschlägen und den Regionalwahlen. Trotzdem sei die Klimapolitik nicht ganz vom Tisch, denn auch Frankreich will eine Energiewende - und orientiere sich dabei ein Stück weit an Deutschland. Die Ausrichter der COP 21 wollen ihre Energiegewinnung modernisieren, um zukunftsfähig zu sein.

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COP 21-Interview mit Dr. Nino Galetti, Leiter des Auslandsbüros der KAS in Paris

„Russland glaubt an die Kraft international bindender Vereinbarungen“

Russland ist sehr zufrieden und sieht sich in der Rolle, die Verhandlungen vorangebracht zu haben. Das Land konnte eigene Punkte in den Vertragstext einbringen, zum Beispiel die Rolle der Wälder. Stolz sei das Land darauf, seine Klimaziele erreicht zu haben – wobei bedacht werden muss, dass diese Ziele auf der Basis von 1990 beruhen, als die Industrielandschaft in der damaligen Sowjetunion noch ganz anders aussah. Dennoch misst Russland den internationalen Vereinbarungen große Bedeutung bei, es glaubt an die Kraft international bindender Vereinbarungen, auch weil sie zuletzt davon profitieren können. Das Land ist sich zudem seiner großen Reserven an Hydroenergie bewusst, was die Chance beinhaltet, ohne großen CO2-Ausstoß für Asien in großem Maße Energie bereitzustellen.

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COP 21-Interview mit Claudia Crawford, Leiterin des Auslandsbüros der KAS in Moskau

Kanada und USA: „Zufriedene Regierung, kritische Opposition, uninteressierte Bevölkerung“

Die Obama-Administration ist sehr zufrieden, weil man den Eindruck hat, man habe global die Initiative an sich gebracht: das Abkommen stärkt auch die Rolle der USA in der Welt. Es ist deutlich geworden, dass man Klimapolitik nur mit anderen voranbringen kann. In der Bevölkerung ist das Thema aber wenig relevant. Die Kritiker kritisieren multilaterale Verhandlungen an sich, da diese die nationale Souveränität behindert würden. Mit den Verhandlungen habe Obama seine Autorität überzogen und den Kongress zu wenig einbezogen. Zudem hätte Obama seine politische Energie auf andere Themen fokussieren können. In Kanada hatte der neue Premier wenig Zeit, ist aber sehr ambitioniert. Kanada sei besonders damit zufrieden, dass auf ihre Initiative hin, die 1,5 Grad in den Vertrag geschrieben wurden.

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COP 21-Interview mit Dr. Lars Hänsel, Leiter des Auslandsbüros der KAS in Washington

Europa: „Man sieht den Einfluss der EU in der endgültigen Version des Textes, der in Paris verabschiedet wurde“

Europäische Vertreter bezeichnen das Abkommen als Sieg, auch wenn einige wichtige Punkte nicht aufgenommen wurden, berichtet Luis Fernando Blanco. Das Abkommen sei „nicht perfekt, aber stabil genug": „Das gibt uns die Chance, die Erderwärmung in den kommenden Jahrzehnten zu kontrollieren", so Blanco. Die EU wollte als „deal maker" in die Verhandlungen gehen – und konnte sich tatsächlich in wichtigen Vertragspunkten einbringen. Zudem war sie ein wichtiger Vermittler zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Jetzt komme es auf die Implementierung des Abkommens an.

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COP 21-Interview mit Dr. Luis Blanco, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Multinationalen Entwicklungsdialog der KAS, Brüssel

Asien: „Auf die Folgevereinbarungen wird es ankommen“

Die Resonanz in Asien auf das Abkommen ist grundsätzlich positiv, sagte Peter Hefele. Kritik und Sorge äußerten NGOs und die kleineren Inselstaaten. Indien handelte widersprüchlich, scheint es aber ernst zu meinen mit dem Klimaschutz. China ist zielstrebiger beim Emissionsabbau und den Investitionen in die Energieeffizienz. Das ambitionierte 1,5-Grad-Ziel bedeutet für Asien große Anstrengungen in den nächsten 15 bis 20 Jahren. In vielen Staaten werden die Emissionen in den nächsten Jahren jedenfalls noch steigen. Wichtig sei für Asien, dass im Vertrag die Anpassung an den Klimawandel (Adaption) mit der Klimawandel-Vermeidung (Mitigation) gleichgesetzt wurde. Spannend werden die Folgevereinbarungen im Bereich der Klimafinanzierung, Transparenz und Überprüfbarkeit der vorgegebenen Ziele.

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COP 21-Interview mit Dr. Peter Hefele, Leiter des Regionalprojektes Energiesicherheit und Klimaschutz Asien-Pazifik

„In Lateinamerika steht die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels im Vordergrund“

Der Vertrag wird als intergenerationeller Zielrahmen gesehen. Die Regierungen bewerten das Klimaabkommen jedenfalls positiv, zum Beispiel die finanzielle Sicherheit. Zivile Gruppen aber kritisieren die Freiwilligkeit und das Fehlen einiger Aspekte. Jetzt müsse der Vertrag mit konkreter politischer Arbeit gefüllt werden. Im Vordergrund steht in Lateinamerika eher die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels, bei Governance-Strukturen, Deichen und Wasserversorgungssystemen.

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COP 21-Interview mit Dr. Christian Hübner, Leiter des Regionalprogramms Energiesicherheit und Klimawandel in Lateinamerika

 

Die Interviews führte Stefan Stahlberg von der Online-Redaktion der Konrad-Adenauer-Stiftung.