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Fernsehansprache Konrad Adenauers nach Schändung der Kölner Synagoge 1959

Kommentar

(Bild: Sabine Widmaier)
(Bild: Sabine Widmaier)

Mit seiner Fernsehansprache am 16. Januar 1960 (>> PDF-Download) reagierte Bundeskanzler Konrad Adenauer auf die Schändung der Kölner Synagoge am Abend des 24. Dezember 1959. Zwei Mitglieder der rechtsextremen „Deutschen Reichspartei“ (DRP) hatten das Gotteshaus mit dem Slogan „Deutsche fordern Juden raus“ und Hakenkreuzen beschmiert und außerdem ein Denkmal für die Opfer der NS-Politik besudelt. Bereits einen Tag nach der Tat waren die beiden Männer verhaftet worden. Der Anschlag bildete den Auftakt zu einer Welle antisemitischer Vorfälle in der Bundesrepublik: 470 Fälle zählten die Behörden bis Ende Januar 1960. Mittlerweile ist allerdings erwiesen, dass die Anschläge zum Teil von der SED gesteuert wurden. Ziel der Kommunisten war es, das Ansehen der Bundesrepublik zu beschädigen.

Der Anschlag auf die Kölner Synagoge, die nach ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten erst am 20. September 1959 in Anwesenheit des Bundeskanzlers wiedereröffnet worden war, erregte im In- und Ausland große Empörung. Mit ausschlaggebend für die öffentliche Reaktion war der Zeitpunkt der Tat: Die Schändung eines Gotteshauses am Heiligen Abend schien umso mehr als Verstoß gegen Religion und Humanität. Darüber hinaus weckte das Ereignis Assoziationen zu den Novemberpogromen durch die Nazis im Jahr 1938. „Die frevlerische Tat der Schändung der Synagoge in Köln ruft Erinnerungen schmerzlichster und schmachvollster Art wach“, so der Kommentar der Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland.

In der öffentlichen Diskussion um die nationalsozialistischen Verbrechen bildete die antisemitische Schmierwelle im Winter 1959/60 eine Zäsur. In der Folge setzte sich in der Bundesrepublik zunehmend die Sichtweise durch, dass es Versäumnisse in der Aufarbeitung der deutschen Schuld gegeben hatte. Für das Nationalbewusstsein der Deutschen und die politische Kultur in der Bundesrepublik hatte dies langfristige Folgen.

Christine Bach