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Pöttering und Ucar setzen Signal für interreligiösen Dialog

Kooperationsvereinbarung zur Journalistenausbildung zwischen KAS und Avicenna unterzeichnet

Bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags (hintere Reihe von li. nach re.): Dr. Susanna Schmidt, Leiterin der Begabtenförderung der KAS; Hakan Tosuner, Avicenna-Geschäftsführer; Dr. Marcus Nicolini, Leiter der JONA. Vorne: Dr. Hans-Gert Pöttering, Vorsitzender der Adenauer-Stiftung; Prof. Dr. Bülent Uçar, Vorsitzender des Avicenna Studienwerks. (Foto: Frank Windeck, KAS)
Bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags (hintere Reihe von li. nach re.): Dr. Susanna Schmidt, Leiterin der Begabtenförderung der KAS; Hakan Tosuner, Avicenna-Geschäftsführer; Dr. Marcus Nicolini, Leiter der JONA. Vorne: Dr. Hans-Gert Pöttering, Vorsitzender der Adenauer-Stiftung; Prof. Dr. Bülent Uçar, Vorsitzender des Avicenna Studienwerks. (Foto: Frank Windeck, KAS)

6. Februar 2017

Osnabrück – Die Konrad-Adenauer-Stiftung nimmt ab sofort junge muslimische Studierende des Avicenna Studienwerks in ihre Journalistenförderung auf. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) der KAS und dem 2012 gegründeten Förderwerk für begabte muslimische Studierende ist am Donnerstag 2. Februar in Osnabrück unterschrieben worden.

Prof. Dr. Bülent Uçar, Leiter des Avicenna Studienwerks, das seinen Sitz in Osnabrück hat, und Geschäftsführer Hakan Tosuner erhoffen sich von der Ausbildung journalistisch talentierter junger Muslime durch die JONA eine versachlichtere, gelassenere Berichterstattung in deutschen Medien über Islam, Muslime und Integration in Deutschland. Das seien wichtige Themen, die uns auch künftig beschäftigen würden.

Von einem Signal mit deutschlandweiter, „ja europaweiter“ Ausstrahlung sprach Dr. Hans-Gert Pöttering, Vorsitzender der Adenauer-Stiftung mit Hinblick auf die neue Zusammenarbeit. „In einer Zeit, in der wieder Mauern entstehen, brauchen wir Symbole für Dialog.“ Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments und langjährige Osnabrücker Europaabgeordnete Pöttering erinnerte an den Religionsfrieden von 1648, der in der südniedersächsischen Stadt besiegelt worden war. Heute stehe im Zentrum des gesellschaftlichen Zusammenlebens der breite Konsens über eine freiheitliche, repräsentative Demokratie, deren Kern unter anderem der Austausch von Argumenten und die freie Meinungsäußerung seien. Dies zu schützen und zu bewahren, sei Aufgabe und Verpflichtung einer politischen Stiftung wie der KAS, und das weltweit. Zur freiheitlichen Demokratie gehöre, so Pöttering, auch die Vierte Gewalt der Medien, denen auch eine Wächterfunktion gegen jene zukomme, die die Fundamente unserer repräsentativen Demokratie untergraben wollten.

„Journalistenförderung als Demokratieförderung“

Die Adenauer-Stiftung setzt seit mehr als 50 Jahren auf die Förderung junger Menschen, die sie für das Mitmachen in der Demokratie begeistern will. „Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir junge Männer und Frauen, die sich mit Mut und Leidenschaft für unsere parlamentarische Demokratie einsetzen“, sagte Hans-Gert Pöttering bei dem Festakt, der im Priesterseminar des katholischen Bistums Osnabrück stattfand. Wie wichtig dies sei, sehe man gerade, so Pöttering, in der Türkei, wo die laizistische Demokratie in atemberaubendem Tempo zugunsten einer präsidialen, autoritären Regierungsform umgebaut werde, auch wenn man hoffe, dass es letztlich nicht so weit käme, wie es jetzt den Anschein habe.

„Wir brauchen Brückenbauer zwischen den Religionen“, freute sich Pöttering über die neue Kooperation zwischen der Adenauer-Stiftung und dem Avicenna Studienwerk. Dazu sind Journalisten in besonderem Maße in der Lage. In der Adenauer-Stiftung werden seit 1979 junge Studierende in den Semesterferien zu Journalisten ausgebildet. Im Zuge der großen Medienkrise zur Jahrhundertwende weitete die Stiftung 2002 ihre Journalistische Nachwuchsförderung zu einem multimedialen Ausbildungsprogramm aus, das im Idealfall ein Redaktionsvolontariat ersetzen kann. Aus dieser Zeit stammte auch die Idee, journalistische Talente anderer, nichtpolitischer Stiftungen in die Journalistenförderung der Adenauer-Stiftung aufzunehmen. Insbesondere aus der Studienstiftung des deutschen Volkes sind Studierende in die JONA aufgenommen worden. Zuletzt wurde 2015 eine entsprechende Kooperationsvereinbarung auch mit dem jüdischen Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) abgeschlossen.

Heute sind in der Journalistischen Nachwuchsförderung knapp 120 junge Menschen in Ausbildung. Dr. Hans-Gert Pöttering verlieh in Osnabrück seiner Hoffnung Ausdruck, dass bald schon die ersten Studierenden von Avicenna, die sich den Werten und Grundsätzen der KAS verbunden fühlen, den Weg in die journalistische Förderung der Adenauer-Stiftung finden werden. Das Avicenna Studienwerk hat im Herbst 2014 damit begonnen, erste muslimische Studierende in ihr Förderwerk aufzunehmen. Mittlerweile werden dort rund 250 Studierende aus ganz Deutschland gefördert.

Aus ihrer praktischen Erfahrung als JONA-Stipendiatin berichtete Magdalena Tröndle aus Münster. Die Adenauer-Stiftung und die Journalistische Nachwuchsförderung seien für sie Orte, wo sie ähnlich denkende Menschen treffe und gleichzeitig immer wieder herausgefordert werde, ihre eigene Position zu überdenken. „Ich empfinde die JONA und die KAS als einen Ort der ernsthaften Auseinandersetzung mit politischen Positionen, mit Wertvorstellungen und mit mir selbst.“

Kontakt

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Abteilungsleiter Journalistische Nachwuchsförderung (JONA) | Stellv. Betriebsratsvorsitzender
Dr. Marcus Nicolini
Tel. +49 2241 246-2529
Fax +49 2241 246-2573
Marcus.Nicolini(akas.de