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Internationales Promotionskolleg „Sicherheit und Entwicklung im 21. Jahrhundert“

Ziele und thematische Einordnung

Ziele des Promotionskollegs

Wichtigstes Ziel des Promotionskollegs ist es, die sicherheits- und entwicklungspolitischen Perspektiven zusammen zu denken und die entsprechende Expertise in Deutschland zu stärken. Ohne eine solche Expertise wird es nicht gelingen, tiefere Einsichten in die Ursachen der vielfältigen innen-, außen- und entwicklungspolitischen Herausforderungen zu gewinnen, kundige, rationale Debatten in Gesellschaft und Politik zu führen, Lösungsvorschläge für die vielen Konflikte sowie Strategien gelingender Entwicklung zu formulieren.

Vor diesem Hintergrund wird das Promotionskolleg

  • Dissertationen aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen fördern, die mit ihrer Forschung neue Erkenntnisse zu Fragen der internationalen Sicherheit und Entwicklung beitragen,
  • die Grundfragen des Promotionskollegs systematisch vertiefen,
  • die Stipendiaten in regelmäßigen Abständen mit renommierten Wissenschaftlern und Praktikern aus dem In- und Ausland zusammenbringen und es ihnen ermöglichen, ihre Projekte mit ihnen zu diskutieren,
  • den Stipendiaten bei Methodik, Arbeitsorganisation und scientific writing zur Seite stehen,
  • den Stipendiaten die Möglichkeit zu einem kontinuierlichen persönlichen Austausch über ihre Forschungsvorhaben und den jeweiligen Arbeitsfortschritten geben,
  • die Vernetzung sowohl der Stipendiaten untereinander als auch mit Wissenschaftlern, Politikern und Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Administration und Nichtregierungsorganisationen fördern,
  • die deutsche Expertise und die weltweite Präsenz der Konrad-Adenauer-Stiftung nutzen, um den Doktoranden Einblicke zu geben, wie ihre Forschungsergebnisse national und international vermittelt werden können,
  • den Stipendiaten beim Berufseinstieg helfen.

Thematische Einordnung

Die einzelnen Dissertationsprojekte können sich einem oder mehreren der im Folgenden skizzierten Forschungsschwerpunkte widmen oder darüber hinausgehen. Eigenständige und kreative Auseinandersetzung mit dem Themengebiet internationale Sicherheit und Entwicklung ist ausdrücklich erwünscht.

„Erweiterte“ Sicherheit

Dem „erweiterten“ Sicherheitsbegriff liegt die Erkenntnis der internationalen Akteure zugrunde, dass die hochkomplexen sicherheits- und entwicklungspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts eine verstärkte Vernetzung und inhaltliche Verschränkung beider Politik- und Forschungsbereiche erfordern. Im Gegensatz zum vorwiegend staats- und militärzentrierten Sicherheitsverständnis der Epoche des Kalten Krieges wird der Blick auf alle nationalen, regionalen und globalen Bedrohungslagen gerichtet, welche Menschen und Völker gefährden und ihre freie Entfaltung behindern. Nicht nur kriegerische Konflikte, Diskriminierung oder internationaler Terrorismus, sondern auch Armut und Hunger, soziale Ungleichheit, Ressourcenknappheit, Epidemien und Pandemien, Umwelt- und Energiekrisen rücken somit in den Fokus. Die Zusammenhänge zwischen direkter und indirekter Gewalt einerseits und den sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedrohungskomplexen andererseits gilt es weiter zu erforschen. Ebenso sollen im Promotionskolleg die kausalen Mechanismen zwischen den „traditionellen“ sicherheits- und entwicklungspolitischen Gefahrenkomplexen ausgemacht und analysiert werden.

Handlungsfelder der internationalen Gemeinschaft

Basierend auf dem „erweiterten“ Sicherheitsverständnis definierten im Jahr 2000 die Staats- und Regierungschefs aus 189 Ländern die zentralen Handlungsfelder der internationalen Politik im 21. Jahrhundert: Frieden, Sicherheit und Abrüstung; Entwicklung und Armutsbekämpfung; Schutz der globalen Umwelt. Die Schaffung einer friedlichen, sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Weltordnung wird hierbei als eine Querschnittsaufgabe begriffen, die nicht nur in der Gestaltung der Entwicklungs- und Sicherheits- sondern, je nach Problemstellung, auch in der Umwelt-, Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik usw. verankert sein muss. So gehören zum Beispiel Armutsreduktion, Sicherung des Zugangs zu natürlichen Ressourcen, oder Projekte im Bereich der Beschäftigung, Bildung und Kultur zum Standardrepertoire der sicherheitspolitischen Maßnahmen zur Reduzierung struktureller Konfliktursachen. Basierend auf einer Bestandsaufnahme der aktuellen „integrierten“ Ansätze sollen die Effizienz der jeweiligen Maßnahmen, insbesondere im Kontext der zerfallenen oder zerfallenden Staaten, untersucht und generelle Schlüsse über die Kriterien ihrer erfolgreichen Ausgestaltung und Implementierung gezogen werden.

Nachhaltige Entwicklung, Frieden und Sicherheit können nur dann erreicht werden, wenn sie durch belastbare (rechts-)staatliche und zivilgesellschaftliche Strukturen getragen werden. Aufbau von effizienten, transparenten und demokratisch legitimierten Institutionen des Staates, Unterstützung des guten Regierungs- und Verwaltungshandelns (good governance), Durchsetzung der Menschenrechte, oder Förderung einer starken, inklusiven, partizipativen Zivilgesellschaft und unabhängigen Medienlandschaft weltweit zählen folglich ebenfalls zu den zentralen Handlungsfeldern der internationalen Akteure. Im Promotionskolleg soll daher der Frage nachgegangen werden, welche Strategien zur Stärkung demokratischer, rechtsstaatlicher und zivilgesellschaftlicher Institutionen und Akteure sich bis dato als besonders wirksam erwiesen haben, beziehungsweise unter welchen Bedingungen und mit welchen Maßnahmen Nachhaltigkeit erzeugt werden kann.

Vernetzte Sicherheit

Die Erfahrungen in zahlreichen Kriseneinsätzen von Afghanistan bis Mali haben deutlich gemacht, dass Sicherheit nicht nur durch militärische Mittel allein hergestellt und dauerhaft gewährleistet werden kann. Vielmehr bedingen sich die Politikfelder Sicherheit, wirtschaftliche und soziale Entwicklung sowie politische Stabilisierung gegenseitig. Vor dem Hintergrund dieses interdependenten Wirkungszusammenhangs wurde das Konzept der vernetzten Sicherheit entwickelt, das militärische, diplomatische, polizeiliche und entwicklungspolitische Erwägungen zusammenführt. Die Bündelung dieser Instrumente in einem kohärenten Politikansatz bestimmt heute in wesentlichem Maße die Strategiebildung für internationale Einsätze. Dieser Ansatz ist für aktuelle Krisenlagen konkret zu untersuchen.

Erfolge und Rückstände der globalen Sicherheits- und Entwicklungspolitik

Die intensivierten Anstrengungen der globalen Akteure, die Vision einer humaneren, sicheren und freien Weltgesellschaft zu verwirklichen, zeigen Wirkung. Nennenswerte Erfolge wurden in den letzten anderthalb Jahrzehnten bei der Bekämpfung von Armut, Hunger, Epidemien und Pandemien, bei der Senkung der Kindersterblichkeit und der Verwirklichung allgemeiner Bildung sowie dem Schutz der Atmosphäre und der Biodiversität erzielt. Diese und weitere positive Entwicklungen geben jedoch wenig Anlass zur Jubelstimmung. Nach wie vor leiden 800 Millionen Menschen weltweit unter extremer Armut und Unterernährung. Noch immer arbeiten 50% der Erwerbstätigen im prekären oder menschenunwürdigen Beschäftigungsverhältnis. Der Anstieg von Treibhausgasemissionen und des Meeresspiegels sowie die fortschreitende Bodenerosion und Wüstenbildung konnten ebenfalls nicht angehalten werden. Besonders negativ erscheint hierbei die sicherheitspolitische Bilanz: Ob bewaffnete Konflikte, terroristische Angriffe oder Repressionen gegen kulturelle, religiöse und weitere Minderheiten – das Ausmaß der weltweiten Gewalt nahm im letzten Jahrzehnt sowohl hinsichtlich der Zahl der Vorfälle als auch der Opfer stark zu.

Mit Blick auf die aktuellen Erfolge und Rückstände der globalen Sicherheits- und Entwicklungspolitik soll das Promotionskolleg auf folgende Fragen eingehen: Auf welche politischen, ökologischen, kulturellen und ökonomischen Faktoren beziehungsweise Maßnahmen sind die Fortschritte bei der Verwirklichung der globalen „Millenniumsziele“ zurückzuführen? Welche zentralen Hürden auf dem Weg zur Erfüllung der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ gilt es zu überwinden? Wie kann das von der internationalen Gemeinschaft deklarierte Ziel einer friedlichen globalen Gesellschaft ohne Armut und Hunger erreicht werden?

Zur Globalen Entwicklungs- und Sicherheitspartnerschaft

Die Hauptlast der genannten globalen Schieflagen tragen freilich Menschen in den Ländern Subsahara- und Nordafrikas, des „Nahen Ostens“ sowie Süd- und Zentralasiens. Von dem „Teufelskreis“ aus Armut, Instabilität und Gewalt ist ferner auch eine Vielzahl von Entwicklungs- und Schwellenländer in Mittel- und Südamerika oder der Pazifikregion betroffen. Die sich weiter zuspitzende globale Migrationskrise und die im Jahr 2016 auf ein Rekordhoch steigende Zahl terroristischer Angriffe zeigen jedoch, dass diese Probleme des „Globalen Südens“ auch direkte Auswirkungen auf Industrieländer wie Deutschland haben. Im Promotionskolleg sollen folglich die kausalen Zusammenhänge analysiert werden, durch welche die Stabilität und Sicherheit der „entwickelten“ Wohlfahrtsgesellschaften von den Krisenlagen in den Entwicklungsregionen beeinträchtigt werden. Auch ist die Frage zu stellen, welche Rolle die G8-Staaten beim Aufbau einer globalen Entwicklungs- und Sicherheitspartnerschaft aktuell spielen und insbesondere wie der traditionelle „Süd-Ost“ Interessengegensatz in zum Beispiel der Handels-, Industrie- oder Umweltpolitik überwunden werden kann.

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