Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Deutscher Lokaljournalistenpreis

2016

Gewinner des Deutschen Lokaljournalistenpreises

Die Jury des von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgeschriebenen Deutschen Lokaljournalistenpreises unter dem Vorsitz von Heike Groll, leitende Redakteurin in der Chefredaktion der Volksstimme, hat unter den insgesamt 335 Einsendungen des Preisjahrgangs 2016 ihre Entscheidung getroffen:

Die Preisträger

1. Preis: Landeszeitung für die Lüneburger Heide für das crossmediale Projekt „Aufwachsen als Flüchtlingskind“
Mehr als 800 Flüchtlingskinder leben in und um Lüneburg. Sie sind meist die Ersten, die Deutsch lernen und ihren Familien das Tor zum Leben in Deutschland öffnen. Zu selten wird realisiert, welch große – zu große? - Verantwortung sie als Übersetzer bei Ärzten, in Schulen, bei Behörden tragen. Ohne ihre Kinder hätten viele erwachsene Flüchtlinge keinen Zugang zu Informationen, die über die weitere Zukunft der ganzen Familie entscheiden können. Da es zu wenige professionelle Dolmetscher gibt, kompensieren diese Kinder zudem Lücken im staatlichen Hilfesystem. Die Redaktion beleuchtet aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, was Kinder und Jugendliche für den Integrationsprozess insgesamt leisten. Sie zeichnet persönliche Schicksale nach, ordnet sie in einen breiten Kontext ein und wagt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung. Eine Themenwoche in der Printausgabe, ein Multimedia-Dossier und ein Online-Blog verbinden sich zu einem vielschichtigen Gesamtpaket, das durch ausgezeichnete Recherche und sensible Herangehensweise überzeugt und die Leser mit neuen Erzählformen zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Thematik einlädt. Dies gelingt hervorragend, wie die starke Resonanz beweist. Ein kleines Team macht vor, wie Lokaljournalismus der Spitzenklasse geht.

2. Preis: Kölner Stadt-Anzeiger für die „Kölner Botschaft"
Die Redaktionen des Kölner Stadt-Anzeigers und des Express hatten sehr früh die Tragweite der Vorfälle in der Silvesternacht 2015/16 erkannt. Mit ihren Recherchen trieben sie die Aufklärung der Ereignisse wesentlich voran. Inmitten einer hochemotional geführten Debatte über die Flüchtlingsthematik generell und über ein Versagen von Behörden, Politik und Medien initiiert der Stadt-Anzeiger den Aufruf, der später als „Kölner Botschaft“ in fünf rheinischen Zeitungen veröffentlicht wird. Die Redaktion gewinnt den renommierten Schriftsteller und Friedenspreisträger Navid Kermani als Mitautor und holt zahlreiche prominente Bürger als Unterstützer ins Boot. Sie verschafft der Botschaft gegen Gewalt und Polarisierung Gehör – und damit den vielen Stimmen der Vernunft, die im Konzert der Schreihälse unterzugehen drohten – und leitet so die Versachlichung der öffentlichen Debatte ein. Die Redaktion bewegt sich bewusst aus der reinen Beobachterrolle heraus und übernimmt als Akteur Verantwortung für die Grundwerte der Demokratie.

Kategorie GeschichteAugsburger Allgemeine Zeitung für die Serie „Auf Spurensuche: Das geheime Waldwerk Kuno“ Die Serie macht erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt, was viele bislang allenfalls vom Hörensagen wussten: im Waldwerk Kuno, einer geheimen Rüstungsanlage im Dritten Reich, ließen die Nazis den ersten serienreifen Düsenjäger der Welt bauen. Dafür setzten sie auch Zwangsarbeiter und Häftlinge aus dem Konzentrationslager Burgau in Schwaben ein. 71 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus erinnert der Redakteur an das Leiden der Opfer; er ehrt aber auch die stillen Helfer, die unter Lebensgefahr ein Stück Menschlichkeit in einem unmenschlichen System bewahrten. Die Recherchen fanden starkes Echo bei den Lesern, der Serie folgten ein umfangreiches Magazin, Vorträge und eine Sonderausstellung. Ein großartiges Stück Erinnerungsarbeit, fern jeder oberlehrerhaften Attitüde.

Kategorie VerkehrGeneral-Anzeiger, Bonn, für die Serie „Mobil in der Region“ Alle wollen doch nur eines: Von A nach B gelangen, schnell, kostengünstig und bequem. Stattdessen Stau, Umwege, Verspätungen. Die Zeitung greift auf, was ihre Leser jeden Tag ärgert, doch sie geht weit über die Beschreibung des Status quo hinaus. Die Redaktion schildert und testet, welche Vor- und Nachteile Auto, Rad, Leihsystem, Bus und Bahn im Alltag bieten. Sie gibt zudem weniger bekannten Themen wie Mobilstationen, Faltrad oder Mobilitätsmanagement breiten Raum. Und sie fragt, wie heute noch exotisch anmutende Verkehrsmittel wie Seilbahnen und selbstfahrende Autos die Mobilität revolutionieren werden. Indem sie sich konsequent von der Suche nach Lösungen leiten lässt, leistet die Zeitung im Interesse ihrer Leser einen wichtigen Beitrag für die Zukunftsgestaltung in der Region, inhaltlich und visuell vorbildlich umgesetzt.

Kategorie GesundheitMitteldeutsche Zeitung, Halle, für die crossmediale Serie „Gesundes Sachsen-Anhalt“ Relevant, nah an den Menschen dran, hilfreich – diesem Dreiklang hat sich die Mitteldeutsche Zeitung in ihrer Gesundheitsserie verpflichtet. Mit Hilfe von regionalen Experten aus Wissenschaft und Politik analysiert sie die wichtigen Gesundheitsthemen und erklärt fundiert auch für Nicht-Mediziner verständlich den neuesten Forschungsstand. An konkreten Beispielen zeigt sie Wege auf, wie Betroffene ihre Krankheit in den Griff bekommen können. Die Printserie beeindruckt durch kompetent recherchierte, informativ und unterhaltsam geschriebene Reportagen, die durch das Layout wirkungsvoll in Szene gesetzt werden. Ein Digitaldossier und eine Gesundheitsmesse komplettieren das Angebot. Praktische Lebenshilfe mit hervorragend eingesetzten journalistischen Mitteln.

Kategorie AlltagStuttgarter Nachrichten für die Kolumne „Stadt des Lächelns“ Journalisten sollen die Welt abbilden, wie sie ist. Missstände publik zu machen, ist ihr Auftrag. Der Redakteur der Stuttgarter Nachrichten tut das, was weniger selbstverständlich ist, er rückt die andere Seite der Wirklichkeit ins Licht. Dafür holt er sich kompetente Unterstützer: er bittet die Leser, ihm wahre Geschichten von freundlichen Erlebnissen und von Begegnungen zu schildern, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern. In mehr als 120 Folgen erzählt er diese Geschichten weiter, und er illustriert sie mit Zeichnungen aus eigener Feder. Ein charmantes Kontrastprogramm des spektakulär Erfreulichen in einer Zeit, die von bedrückenden Nachrichten dominiert wird.

Kategorie Soziale MedienSüddeutsche Zeitung für die Reportage „Schrille Post“ Eine Millionenstadt gerät binnen weniger Stunden in einen völligen Ausnahmezustand, weil sich Gerüchte wie eine Lawine ausbreiten und den Amoklauf eines Einzeltäters als Terroranschlag mit 67 Zielen erscheinen lassen. So geschehen am 22. Juli 2016 in München. Wie konnte das passieren? Die Redaktion untersucht, welchen Einfluss Polizei, Medien und User auf die Massenpanik hatten. In langwieriger Kleinarbeit rekonstruiert sie, wie sich Meldungen über Twitter entfalten, und vergleicht sie mit den tatsächlichen Geschehnissen. Das Protokoll dieses Abends macht die verheerende Wucht der digitalen Gerüchteküche bewusst und zeigt, wie rasch der Punkt erreicht werden könnte, ab dem sie womöglich nicht mehr zu beherrschen wäre. Ein Lehrstück über die Mechanismen sozialer Medien und den hohen Wert professioneller journalistischer Arbeit.

Kategorie KulturHamburger Abendblatt/Harburger Nachrichten für das Projekt „Ein Song für Harburg“ Auf den ersten Blick eine Leseraktion, die einfach Spaß machen soll – bei näherem Hinsehen ein hochpolitisches Projekt. Die Redaktion der Harburger Nachrichten bringt in nur vier Monaten Menschen aus vielen Nationen, Bürger aus 17 Stadtteilen, zusammen, gewinnt Musiker, Sponsoren und weitere Unterstützer. Am Ende lässt sie 17 000 Menschen buchstäblich mit einer Stimme sprechen und die eigens für das Projekt komponierte Stadtteil-Hymne „Ich bin Harburg“ singen. Die Redaktion zeigt, wie bunt und stark der in vieler Hinsicht kritisch gesehene Stadtteil tatsächlich ist. Das Projekt stiftet Identifikation, es gibt den Harburgern neues Selbstvertrauen und beweist eindrucksvoll, was Bürger – ermutigt von ihrer Lokalzeitung - durch ihr Engagement in Bewegung setzen können.

Sonderpreis für VolontärsprojekteGeneral-Anzeiger, Bonn, für die Serie „Bonn macht erfinderisch“ Porträtserien über Existenzgründer gibt es viele. Die Volontäre des Bonner General- Anzeigers wählen einen originellen Ansatz. In ihrer Serie folgen sie der Dramaturgie einer wirklichen Existenzgründung, von der Produktidee über Finanzierung und Marketing bis zum Alltag eines Jungunternehmers. Am Beispiel von Start-Ups in der Region gehen sie den großen Fragen nach, auf die Unternehmer Antworten finden müssen. Sie erzählen Geschichten von ehrgeizigen Visionen, vom Scheitern und dem Mut zum Weitermachen. Ein gelungenes Beispiel für modernen lokalen Wirtschaftsjournalismus.

Sonderpreis für VolontärsprojekteRheinische Post für die investigative Reportage im Altenheim „Füttern. Waschen. Weiter.“ Das Thema Pflege gehört zu den größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft. Über die Zustände in Alten- und Pflegeheimen kursieren teils erschreckende Berichte. Die Journalistenschülerin will wissen, wie es wirklich ist. Sie bewirbt sich als Praktikantin in einem Altenheim und erlebt dort, unerkannt als Reporterin, elf Tage lang den Pflegealltag. Schon am zweiten Tag kommt sie an ihre Grenzen. Ihre Erlebnisse und Beobachtungen, Gespräche mit Mitarbeitern und Heimbewohnern gleicht sie mit Faktenrecherchen und Experteneinschätzungen ab, sie konfrontiert schließlich die Verantwortlichen des Heims mit ihren Recherchen. Probleme und Widersprüche werden sichtbar. Das Feature dramatisiert nicht, es klagt nicht an, gerade darum berührt es.

Sonderpreis für VolontärsprojekteWAZ für das crossmediale Projekt „DIe A 40 – so bunt, so atem(be)raubend und so lebendig wie das Revier“ Ruhrschnellweg oder Ruhrstauweg? Diese Autobahn lässt keinen kalt. Die Volontärinnen begeben sich für die WAZ auf die Reise entlang der A 40 und besuchen Menschen, die täglich auf ihr unterwegs sind, dort arbeiten oder neben der Autobahn zu Hause sind. Herzstück des Projekts ist ein dynamisch aufgebautes und visuell anspruchsvolles Online- Special, das dem Nutzer unter anderem interaktive Grafiken und Zeitreisen bietet. Über Facebook und Twitter steuern User ihre persönlichen Geschichten bei. Die Macherinnen lieben das Ruhrgebiet, die A 40 und die Menschen im Pott. Sie setzen virtuos die Möglichkeiten ein, die multimedialer Journalismus eröffnet, um den Funken auf ihr Publikum überspringen zu lassen. Multimedia trifft Heimat, mitten ins Herz.

Kontakt

Abbildung
Leiterin Eventmanagement
Susanne Kophal
Tel. +49 30 26996-3216
Fax +49 30 26996-3237
Susanne.Kophal(akas.de