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Der Ambitionierte – Aufstieg als berufliche Ambition im Einklang mit dem Umfeld (Verwaltungswirt)

Reportage zur Publikation "Gesundheit und Familie vor Arbeit und Einkommen - Studie zum sozialen Aufstieg in Deutschland"

Ein 49-jähriger Verwaltungswirt gehört zur Gruppe der „Ambitionierten“. Seit seinem 24. Lebensjahr ist er in geschäftsleitender Funktion in wechselnden Stadtverwaltungen tätig und macht seine Arbeit noch immer gerne. Seinen beruflichen Erfolg verdankt er seiner Einschätzung nach einer Portion Glück sowie seiner Weitsicht, eine gute Gelegenheit zu erkennen: „Manchmal muss man halt die Chance beim Schopf packen und was sich halt ergibt und habe natürlich das Glück gehabt, das muss man auch sagen, dass ich damals die Position bekommen habe, als sehr Junger, weil es ja doch nicht üblich ist, gleich so eine Leitungsfunktion zu bekommen.“

Die Grundlagen für seinen Erfolg seien jedoch von einem Bruder und seiner Mutter gelegt worden. Sein Bruder habe ihn aktiv ermuntert, die Beamtenprüfung abzulegen und seine Mutter habe ihn stets ermahnt, etwas aus seinem Leben zu machen: „Meine Mutter hat immer einen schönen Standardsatz gesagt: Du lernst nicht für mich, du lernst für dich selbst. […] Und da denke ich, gehört meiner Mutter schon ein gewisser Dank. Dafür, dass sie mich da schon ein bisschen angestachelt hat, in gewisser Art und Weise. […] sie hat mir immer wieder klargemacht: Bub, mach was, dann hast du alle Chancen offen.“

Sein Vater hatte eher einen indirekten Einfluss auf seinen Werdegang: Schon als Jugendlicher beschloss er, nicht denselben Beruf wie der Vater machen zu wollen:

„[S]o als 15-, 16-Jähriger, da hat man dann schon gesagt: Ich will ein bisschen mehr haben, da hat man natürlich gesehen, wie ist die Arbeit vom Vater, wie muss der sich da anstrengen, der muss halt jeden [Tag] früh aufstehen, in Schichten arbeiten, wo man sagt: Das will man nicht unbedingt machen.“ Daher sieht er sich im Vergleich zu seinen Eltern klar als Aufsteiger und ist sehr zufrieden mit seinem Leben. Ein gutes Leben besteht für ihn vor allem aus drei Dingen: einem guten Wohnumfeld, finanzieller Sicherheit und einem glücklichen Familienleben: „Naja natürlich das Wohnumfeld, dass man schön wohnt, dass man da zufrieden ist, dass man sich da wohl fühlt. Dann natürlich schon die finanzielle Sicherheit, weil man weiß, man verdient sein Geld und kann sich das leisten, was also realistisch ist und muss nicht irgendwie große Kalkulationen machen. […] Dann natürlich dieses familiäre Glück, das ich jetzt gefunden habe, das wollte ich eigentlich auch immer haben.“

Neben der Arbeit ist er in seiner Freizeit sportlich sehr aktiv. Er hat früher selber Handball gespielt und ist nun noch als Handballschiedsrichter ehrenamtlich tätig. Auch seine Frau und seine Stieftöchter sind im Handball aktiv. Seine Freizeit spielt für ihn daher eine wichtige Rolle neben dem Beruf, sodass er einen weiteren Aufstieg negativ bewertet:

„[I]ch bin jetzt auch schon in der Endstufe von den Beförderungsämtern her und normalerweise ist es immer so ein bisschen prädestiniert, dass man dann selber Bürgermeister wird, irgendwo, weil man halt einfach die ganzen Kenntnisse damit abdecken kann, aber ich habe halt einfach keine politische Ambition. Das ist nicht meins und ich mach das hier, weil ich Spaß habe, ich bin da beratend tätig für die Bürgermeister und für den Stadtrat, aber selber dann so vorne dran stehen zu müssen und bei jedem Fest hingehen zu müssen, das mag ich nicht, da will ich meine Freizeit, da will ich in Ruhe Urlaub machen, da will ich mich der Familie widmen, die Sachen sind mir da einfach wichtiger, als vielleicht zu sagen, jetzt kann ich vielleicht nochmal 1.500 Euro oder was mehr zu verdienen. Das reizt mich dann nicht. […] [I]ch hätte vielleicht auch jetzt in der beruflichen Geschichte vielleicht ein bisschen mehr noch riskieren können, aber das ist dann immer die Frage: Will man das? Will man vielleicht wegen 1.000 oder 1.500 Euro sich noch mehr Stress aufhalsen? Das ist immer so die Frage, dieses Abwägen, ich schätze die Freizeit.“