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Don´t Panic!

Die Besorgnis wächst, doch die Menschen in Südkorea bleiben ruhig

Der (Dauer)Konflikt zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten hat in den letzten Tagen auf beunruhigende Weise an Fahrt aufgenommen. Während Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nach wie vor mit Raketentests provoziert und mit einem Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam droht, verschärft US-Präsident Trump seine Kriegsrhetorik. Sollte Nordkorea seine Drohgebärden nicht einstellen, werde die USA diesen mit „Feuer, Wut und Macht begegnen, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“, sagte Trump am Dienstag vor Journalisten im Bundesstaat New Jersey.

Business as usual?

Für uns in Europa mag die Bedrohung durch eine militärische Eskalation aufgrund der großen Entfernungen im Moment (noch) abstrakt sein, für die Bevölkerung im benachbarten Südkorea gehört die Bedrohung seit Jahren zum täglichen Leben. Stefan Samse, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Seoul, beschreibt im Interview mit dem RBB-Inforadio zwar eine „größere Besorgnis“ innerhalb der südkoreanischen Bevölkerung, sieht aber aktuell keinen Grund zur Panik. In der Millionenstadt Seoul, die nur 40 Kilometer Luftlinie von der Demilitarisierten Zone entfernt liegt, geht das Alltagsleben seinen gewohnten Gang. Die Menschen gehen ganz normal zur Arbeit, Hamsterkäufe gäbe es ebenfalls nicht zu beobachten. In Südkorea fürchtet man viel mehr die Artillieriestellungen Nordkoreas und weniger die Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen, deren Tests die Welt derzeit in Unruhe versetzen. Im Grunde habe sich die Bedrohungslage Südkoreas in den letzten Jahren kaum verändert. „Man hat sich in Südkorea an diese Situation einfach gewöhnt“ , so Stefan Samse.

"Südkorea hat alles zu verlieren": Stefan Samse im Interview mit dem RBB-Inforadio

“Korea passing“

Aber auch wenn derzeit keine Anzeichen von Panik sichtbar sind, eine wachsende Besorgnis sei dennoch spürbar. Grund hierfür seien jedoch weniger die Aufrüstung Nordkoreas, sondern eher die schwer einzuschätzenden Persönlichkeiten Donald Trumps und Kim Jong-uns. „Mancher Südkoreaner hat derzeit mehr Angst vor der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten als vor der Dauerbedrohung aus Richtung Norden“, so Stefan Samse im RBB-Inforadio. Es wächst vor allem die Befürchtung, die Nuklearmacht Nordkorea könne einen Keil zwischen Südkorea und die USA zu treiben. Die erst im Mai gewählte Administration wirke derzeit verunsichert und „fast ein wenig hilflos“. "Korea passing" bzw. "Seoul passing" ist derzeit das geflügelte Wort in der südkoreanischen Presse. Man befürchte, die entscheidenden Fragen werden in diesen Tagen eher in Washington, Pjöngjang oder Peking diskutiert während Südkorea außen vor bleibe. „Seoul fühlt sich zurückgesetzt“, so Samse. Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, steht für Südkorea sehr viel auf dem Spiel. Um dies zu verhindern, seien sogar der direkte Austausch zwischen Donald Trump und Kim Jong-un eine Option, die man trotz aller Schwierigkeiten nicht komplett ausschließen dürfe.