Das Verhältnis von Staat und Bürger ist nach beiden Seiten hin zunehmend erodiert: Auf der einen Seite steht ein sich omnipotent gebender Staat, der immer mehr an die Grenzen seiner Handlungs- und Leistungsfähigkeit gerät und das Geld seiner Bürgerinnen und Bürger immer schneller ausgibt. Dabei ist nicht zu verkennen, dass Staat und Parteien die Aufgabe der umfassenden Daseinsvorsorge gern an sich gezogen haben, zumal mit dem Thema „Soziale Gerechtigkeit“ Wahlen gewonnen werden können. Übersehen wurde dabei freilich, dass der Staat nur so leistungsfähig ist, wie es seine Bürger sind, vergessen wurde, dass stetiges wirtschaftliches Wachstum keine Selbstverständlichkeit ist.
Auf der anderen Seite steht der Bürger, der sich zunehmend vereinnahmt, entmündigt und betreut sieht, dem zugleich aber – als Folge allgegenwärtigen Staatshandelns einerseits und einer Mentalitätsanpassung andererseits – die notwendige Balance von Rechten, Pflichten und Tugenden abhanden gekommen ist. Daher greifen auch die neoliberalen Gedanken, Freiheit realisiere sich schon am Markt, Gemeinwohl stelle sich durch eine „unsichtbare Hand“ her, zu kurz.
Es bedarf daher einer Neubestimmung originärer Staatsaufgaben. Es bedarf aber komplementär der Wiederentdeckung eines Menschen- und Gesellschaftsbildes, das Orientierung sein kann für die großen Herausforderungen der Zukunft. Es geht nicht primär darum, aktuelles Krisenmanagement und symbolische Politik zu betreiben. Es geht darum, die freiheitliche Gesellschaftsordnung für die Zukunft überlebensfähig zu machen und lebenswerter zu gestalten.
Notwendig ist dafür vor allem Nachhaltigkeit. Die Konrad-Adenauer-Stiftung will mit diesem Leitprojekt Begriffe klären, Voraussetzungen in Bildung, Erziehung und Gesellschaft für eine aktive Bürgergesellschaft benennen, bürgerschaftliches Engagement fördern und zu einem Bewusstseinswandel beitragen.
Die Grundlage für ein Arbeitsprogramm zum Leitprojekt „Aktive Bürgergesellschaft“ ist das Grundsatzpapier des Kuratoriums „Aufbruch in die Bürgergesellschaft. Weniger Staat, mehr Eigenverantwortung“. In ihm sind nicht nur Grundlagen und Ziele der Bürgergesellschaft artikuliert, sondern auch Aufgaben und Themen des Leitprojektes definiert. Dafür werden die Aktivitäten der verschiedenen Bereiche der Konrad-Adenauer-Stiftung vernetzt. Mit einzelnen Projekten will das Leitprojekt Schwerpunkte zur Bürgergesellschaft als Zukunftsfaktoren christlich-demokratischer Politik kommunizieren:
- Projekt „Staat und Bürger: Grundlagen der Bürgergesellschaft“
- Projekt „Zukunft Berlin: Capitale Potenziale“
- Projekt „Föderalismusreform“
- Projekt „Junge Generation: Bürgergesellschaft ohne Nachwuchs?“
- Projekt „Demokratie: Repräsentative und direkte Demokratie“
- Projekt „Wirtschaft: Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen“
- zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf im europäischen Vergleich,
- zur Bildung der Persönlichkeit, dem Auftrag der Schule und ihren Erziehungszielen,
- zum Bildungsauftrag und zu den Organisationsstrukturen der Hochschule sowie zur gesellschaftlichen Bedeutung der Geisteswissenschaften als Garant von Orientierungswissen für die Bürgergesellschaft,
- zum Verhältnis und zum Zusammenhang von Bürgergesellschaft Wissensgesellschaft sowie
- zur Bedeutung von Kunst und Kultur für die Bürgergesellschaft.