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.....Vor einem Lungensanatorium halten die Fahrzeuge. Umringt von Hunderten von Schaulustigen gehen die Delegationen in das Gebäude, in dem die internationale Pressekonferenz stattfinden soll. Diese wird von Gorbatschow eröffnet. Er spricht von der intensiven Suche nach Lösungen für Europa und die Welt und kündigt an, dass die anwesenden Journalisten auf interessante Nachrichten gefasst sein müssten, bevor er das Wort an Kohl übergibt. Der Kanzler sagt, dass die zurückliegenden Tage einen neuen Höhepunkt in der Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen darstellten.
Dies betreffe die Dichte der Gespräche in Moskau, im Flugzeug und in der Heimat des Präsidenten. "Ich habe diese Einladung in seine Heimat als eine ganz besondere Geste verstanden. ... Unsere Gespräche waren von größter Offenheit und gegenseitigem Verständnis und auch von persönlicher Sympathie geprägt. Mit dazu beigetragen hat das Umfeld, das wir vorgefunden haben, die herzlichen Begegnungen mit den Menschen in Stawropol oder mit jenen Bauern auf einem Getreidefeld, die wir nach einer Zwischenlandung mit dem Hubschrauber aufgesucht haben. Aber das Besondere und die Bedeutung unseres Zusammentreffens liegt in den Ergebnissen", betont Kohl und zählt, nachdem er den angestrebten großen Vertrag zwischen beiden Ländern erörtert hat, acht zentrale Punkte auf:
1. Die Einigung Deutschlands umfasst die Bundesrepublik Deutschland, die DDR und ganz Berlin.
2. Wenn die Einigung vollzogen wird, werden die Vier-Mächte-Rechte und -Verantwortlichkeiten vollständig abgelöst. Damit erhält das geeinte Deutschland zum Zeitpunkt seiner Vereinigung seine volle und uneingeschränkte Souveränität.
3. Das vereinte Deutschland kann in Ausübung seiner uneingeschränkten Souveränität frei und selbst entscheiden, ob und welchem Bündnis es angehören will. Das entspricht der KSZE-Schlussakte. Ich habe als die Auffassung der Regierung der Bundesrepublik Deutschland erklärt, dass das geeinte Deutschland Mitglied des atlantischen Bündnisses sein möchte. Und ich bin sicher, dies entspricht auch der Ansicht der Regierung der DDR.
4. Das geeinte Deutschland schließt mit der Sowjetunion einen zweiseitigen Vertrag zur Abwicklung des Truppenabzugs aus der DDR, der innerhalb von 3 bis 4 Jahren beendet sein soll. Gleichzeitig soll mit der Sowjetunion ein Überleitungsvertrag über die Auswirkungen der Einführung der D-Mark in der DDR für diesen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren abgeschlossen werden.
5. Solange sowjetische Truppen noch auf dem ehemaligen DDR-Territorium stationiert bleiben, werden die NATO-Strukturen nicht auf diesen Teil Deutschlands ausgedehnt. Die sofortige Anwendung von Artikel 5 und 6 des NATO-Vertrages bleibt davon von Anfang an unberührt.
6. Nicht-integrierte Verbände der Bundeswehr, das heißt Verbände der territorialen Verteidigung, können ab sofort nach der Einigung Deutschlands auf dem Gebiet der heutigen DDR und in Berlin stationiert werden. Für die Dauer der Präsenz sowjetischer Truppen auf dem ehemaligen DDR-Territorium sollen nach der Vereinigung nach unserer Vorstellung die Truppen der drei Westmächte in Berlin verbleiben. Die Bundesregierung wird die drei Westmächte darum ersuchen und die Stationierung mit den jeweiligen Regierungen vertraglich regeln.
7. Die Bundesregierung erklärt sich bereit, noch in den laufenden Wiener Verhandlungen eine Verpflichtungserklärung abzugeben, die Streitkräfte eines geeinten Deutschland innerhalb von 3 bis 4 Jahren auf eine Personalstärke von 370 000 Mann zu reduzieren. Die Reduzierung soll mit dem Inkrafttreten des ersten Wiener Abkommens begonnen werden.
8. Ein geeintes Deutschland wird auf die Herstellung, Besitz und Verfügung über ABC-Waffen verzichten und Mitglied des Nichtweiterverbreitungsvertrages bleiben.
Noch während der Kanzler die 8 Punkte vorträgt, wird in den Reihen der Journalisten die Aufregung immer größer: Ist es tatsächlich wahr, dass der Einheit Deutschlands nichts mehr im Wege steht? Euphorisch sind die Berichte, die über die wenigen Telefonleitungen aus Schelesnowodsk in alle Welt abgesetzt werden.....