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...Nachmittags treffe ich mit dem sowjetischen Botschafter Terechow zusammen. Wir bereiten die Gespräche der Kanzlers mit Gorbatschow vor und sind uns einig, dass es dabei um drei Schwerpunkte gehen müsse: Erstens sollen inhaltliche Elemente für den umfassenden deutsch-sowjetischen Vertrag vorbereitet und gemeinsam diskutiert werden. Den zweiten Schwerpunkt stellt die wirtschaftliche und finanzielle Kooperation dar, die Kohl vorher auf dem EG-Gipfel und beim Weltwirtschaftsgipfel in Houston mit seinen Kollegen erörtert haben wird. Schließlich soll eine Zwischenbilanz des Stands der Verhandlungen über die äußeren Aspekte der deutschen Einigung gezogen werden. Gemeinsam müsse man prüfen, was auf den beiden Waagschalen liege und wie eine Balance zu erreichen sei. Wir stimmen überein, dass es am Ende der Gespräche wichtig sein werde, dass beide Seiten Fortschritte feststellen können. ...
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...Kohl charakterisiert die zweitägige Begegnung mit Gorbatschow als einen neuen Höhepunkt in der Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen. Das gelte für die Dichte und Intensität der Gespräche in Moskau, im Flugzeug und in der Heimat Gorbatschows. Die Einladung nach Archiz habe er als besondere Geste des Präsidenten verstanden. Das gegenseitige Vertrauen sei vertieft worden, die Gespräche von Offenheit, von gegenseitigem Verständnis und von persönlicher Sympathie geprägt gewesen. Die besondere Bedeutung des Zusammentreffens liege aber in den Ergebnissen selbst.
Kohl spricht von weitreichenden Fortschritten und von einem Durchbruch, der möglich geworden sei, weil beide Seiten sich der Verantwortung bewusst seien, die aus den historischen Veränderungen entstehe. Gorbatschow und er seien bereit, sich dieser geschichtlichen Herausforderung zu stellen und ihr gemeinsam gerecht zu werden. Sie hätten jetzt die große, vielleicht einmalige Chance, die Zukunft des Kontinents auf Dauer friedlich, sicher und frei zu gestalten. Die deutsch-sowjetischen Beziehungen seien für die Zukunft beider Völker und für das Schicksal Europas von zentraler Bedeutung.
Der Bundeskanzler gibt bekannt, dass er und Gorbatschow vereinbart hätten, unmittelbar nach der Einigung Deutschlands einen umfassenden und grundlegenden zweiseitigen Vertrag zu schließen, der die Beziehungen auf allen Gebieten dauerhaft und gutnachbarlich regeln werde, die so auf eine Basis von Stabilität, Berechenbarkeit, Vertrauen und gemeinsamer Zukunft gestellt würden.
Die Sensation ist perfekt, als Kohl das Ergebnis von Moskau und Archiz in acht Punkten bekannt gibt:
1. Die Einigung Deutschlands umfasst die Bundesrepublik, die DDR und Berlin
2. Nach Vollzug der Einigung werden die Viermächterechte und -Verantwortlichkeiten vollständig abgelöst. Das geeinte Deutschland erhält zum Zeitpunkt seiner Vereinigung seine volle und uneingeschränkte Souveränität.
3. In Ausübung dieser uneingeschränkten Souveränität kann das geeinte Deutschland frei und selbst entscheiden, ob und welchem Bündnis es angehören will. Der Kanzler ergänzt, er habe die Auffassung der Bundesregierung deutlich gemacht, dass das geeinte Deutschland Mitglied des Atlantischen Bündnisses sein möchte.
4. Das geeinte Deutschland wird mit der Sowjetunion einen zweiseitigen Vertrag zur Abwicklung des Truppenabzugs aus der DDR schließen, der innerhalb von drei bis vier Jahren beendet sein soll. Gleichzeitig wird ein Überleitungsvertrag über die Auswirkungen der Einführung der D-Mark in der DDR abgeschlossen werden.
5. Die NATO-Strukturen werden nicht auf das Territorium der ehemaligen DDR ausgedehnt, solange dort noch sowjetische Truppen stationiert sind. Die sofortige Anwendung von Artikel 5 und 6 des NATO-Vertrages bleibt davon von Anfang an unberührt. Nichtintegrierte Verbände der Bundeswehr können ab sofort nach der Einigung Deutschlands auf dem Gebiet der heutigen DDR und in Berlin stationiert werden.
6. Für die Dauer der Präsenz sowjetischer Truppen auf dem ehemaligen DDR-Territorium sollen die Truppen der drei Westmächte in Berlin verbleiben.
7. Die Bundesregierung wird in den laufenden Wiener Verhandlungen eine Verpflichtungserklärung abgeben, die Streitkräfte eines geeinten Deutschland innerhalb von drei bis vier Jahren auf eine Personalstärke von 370 000 Mann zu reduzieren. Damit soll mit Inkrafttreten des ersten Wiener Abkommens begonnen werden.
8. Ein geeintes Deutschland wird auf Herstellung, Besitz und Verfügung von ABC-Waffen verzichten und Mitglied des Nichtverbreitungsvertrages bleiben.
Mit jedem Punkt nimmt das Raunen der Journalisten vernehmlich zu. Die Überraschung ist riesengroß. Kohl fährt fort, diese gemeinsame Verabredung sei eine sehr gute Ausgangsposition, um die äußeren Aspekte der deutschen Einigung im Rahmen der Zwei-plus-Vier-Gespräche rechtzeitig und erfolgreich abschließen zu können. Abschließend bedankt er sich bei Gorbatschow und seiner Frau Raissa für die herzliche Gastfreundschaft. Das persönliche Vertrauen sei weiter gewachsen. Kohl spricht ausdrücklich Genscher und Schewardnadse Anerkennung für die erfolgreiche Vorarbeit aus...