Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Soziale Marktwirtschaft

Editorial

„Wohlstand für alle“ – so lautet der Titel eines Bestsellers von Ludwig Erhard aus den 50er Jahren. Ein halbes Jahrhundert später blicken wir auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurück, die in Begriffen wie „Wirtschaftswunder“ oder „Exportweltmeister“, aber auch in der Bewältigung der Folgen der deutschen Teilung zum Ausdruck kommt.

Gleichwohl steht nicht alles, was seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wirtschaftspolitisch geschehen ist, uneingeschränkt in der Tradition der Sozialen Marktwirtschaft, wie sie von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard vertreten wurde. Der Glaube an die Steuerbarkeit und Planbarkeit wirtschaftlicher Abläufe begleitete vor allem die Wirtschaftspolitik in den 70er Jahren. Aber auch heute stehen wir in der Gefahr, den Menschen zu wenig und im Gegenzug dem Staat zu viel zuzutrauen.

Anders als in der Vergangenheit müssen politische Entscheidungen heute vor dem Hintergrund globaler Verflechtungen getroffen werden. Das macht manches problematischer. Aber von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard lernen wir, dass auch schwierigste Gestaltungsaufgaben erfolgreich bewältigt werden können.

Damals wie heute sind Realitätssinn, klare ordnungspolitische Vorstellungen, Kreativität und Mut zum Umsteuern notwendig. Die Gründungsväter der Sozialen Marktwirtschaft waren nicht etwa deshalb erfolgreich, weil sie dem Zeitgeist hinterhergelaufen sind. Im Gegenteil: Die Soziale Marktwirtschaft war nicht von Anfang an populär. Sie wurde populär, weil sie zur Problemlösung beigetragen hat und die Menschen Vertrauen schöpfen konnten.

Dieser Erfolg ist kein Zufall und schon gar kein „Wunder“. Im Sinne ihrer Gründungsväter ist die Soziale Marktwirtschaft Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Sie basiert auf einem Menschenbild, das auf Freiheit in Verantwortung setzt. Es traut dem Menschen etwas zu, sichert ihm Spielräume und schafft folgerichtig eine Ordnung, die nicht zwanghaft Freiheit beschränken will, sondern durch Vermeidung von Ungerechtigkeiten und Unordnung Freiheit schützt.

Bei selbstkritischer Betrachtung müssen wir eingestehen, dass dieses Ideal in unserer heutigen Ordnung zum Teil verschüttet ist. Unser Regelungsgeflecht begrenzt in vielfältiger Weise Entfaltungsspielräume und vereitelt Chancen, ohne dass wir dadurch sozialen Zielen näher kommen.

Nach Auffassung der Konrad-Adenauer-Stiftung ist es daher an der Zeit, eine grundsätzliche Debatte über eine zukunftsorientierte Ordnung unter den Bedingungen von Globalisierung und wissensbasierter Industriegesellschaft zu führen. Dabei muss es um die Aufgabe der Wirtschaft, die Rolle des Staates, vor allem aber um das Verhältnis des Bürgers zu seinem Staat gehen.

Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Bernhard Vogel
Ehrenvorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung