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Müller-Armack, Alfred

geb. am 28.06.1901, gest. am 06.03.1978

Parlamentarischer Rat Westbindung Soziale Marktwirtschaft Bilaterale Beziehungen Europapolitik Wiedervereinigung


Müller-Armack ist der Wegbereiter des Konzeptes und Schöpfer des Begriffes der Sozialen Marktwirtschaft. Die Verwirklichung einer freiheitlichen und menschenwürdigen Ordnung betrachtet er als gesellschaftspolitische Aufgabe, zu deren Verwirklichung die Wirtschaft beizutragen habe.

Das wissenschaftliche Werk Müller-Armacks ist umfassend. Ausgehend vom Thema der Konjunkturpolitik - einem der Stilmerkmale der Sozialen Marktwirtschaft - hat sich Müller-Armack über seine unter anderem durch Max Weber inspirierten kultur- und religionssoziologischen Schriften der 30er und frühen 40er Jahre dem Gebiet der Wirtschaftsstilforschung zugewandt. Nicht spontane Gesetzmäßigkeiten, auf die der Mensch kaum Einfluss hat, sondern Gesinnungen, Werthaltungen und Machtverhältnisse sind es, die nach Müller-Armack bestimmte Typen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenlebens hervorbringen. Ausgehend von dieser Prämisse, durchdringt ein Thema Müller-Armacks Werk wie ein roter Faden: die Bedeutung gesellschaftlicher Wertorientierungen und die Bereitschaft zur Übernahme der Verantwortung für ihre Realisierung. In der 1947 erschienenen Schrift „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft", die sein Konzept einer Sozialen Marktwirtschaft im Kern darstellt, entwickelt Müller-Armack den Gedanken einer sozial verantwortlichen Marktwirtschaft erstmals systematisch. Soziale Marktwirtschaft ist hier und in den nachfolgenden Schriften konzipiert worden als ein Wirtschaftsstil, der den sich im Zeitablauf ändernden gesellschaftlichen Bedingungen angepasst werden muss. Trotz dieser notwendigen Anpassungen gibt es einen bleibenden Grundgedanken der Sozialen Marktwirtschaft, deren Sinn Müller Armack darin sieht, das Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden. Aus der Perspektive der von Müller-Armack empfohlenen sozialen Irenik erscheint die Soziale Marktwirtschaft somit als eine weltanschauungsübergreifende Sozialidee, deren wirtschaftsordnungstheoretische Grundlage jedoch zweifelsfrei durch marktwirtschaftliche Koordination gekennzeichnet ist. Dies klargestellt, betrachtet er die Wirtschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft auch nicht als einen dritten Weg zwischen Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft (Sozialismus/ Planwirtschaft), sondern als einen besonderen Typus von Marktwirtschaft mit der Spezifik einer sozialen Qualität, die nicht veräußerbar ist.

Müller-Armack hat sich sowohl durch seine politischen Aktivitäten als auch durch sein wissenschaftliches Werk bleibende Verdienste erworben. Sein Konzept der Sozialen Marktwirtschaft ist im Bereich der Ordnungstheorie und -politik immer wieder zum Ausgangspunkt für ein vertieftes Nachdenken geworden. Anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahre 2001 fanden in Bonn und Leipzig wissenschaftliche Symposien statt, auf denen national und international ausgewiesene Weggefährten, Schüler und Kenner seiner Theorie das Andenken von Alfred Müller-Armack ehrten.

Wissenschaftlicher und beruflicher Werdegang
Müller-Armacks wissenschaftlicher Weg begann mit dem Studium der Nationalökonomie an den Universitäten Gießen, Freiburg, München und Köln. 1923 Promotion bei Leopold von Wiese an der Universität zu Köln (Das Krisenproblem in der theoretischen Sozialökonomik) , 1926 Habilitation (Ökonomische Theorie der Konjunkturpolitik) . Von 1926 bis 1938 war Müller-Armack Privatdozent und außerplanmäßiger Professor in Köln. 1938 nahm er eine Vertretung an der Universität Münster an und wurde dort 1939 außerordentlicher Professor, bevor 1940 seine Ernennung zum Ordinarius für Nationalökonomie und Kultursoziologie, insbesondere Religionssoziologie, erfolgte. Zeitgleich war Müller-Armack in Münster geschäftsführender Direktor des Institutes für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1941 wurde er hier Mitbegründer der Forschungsstelle für Allgemeine und Textile Marktwirtschaft. Müller-Armack war 1948 Gründungsmitglied des Wissenschaftlichen Beirates bei der Verwaltung für Wirtschaft in Frankfurt/ M. 1950 folgte er einem Ruf an die Universität Köln und trat die Nachfolge von Leopold von Wiese an. Die Gründung des Kölner Instituts für Wirtschaftspolitik 1950/ 51 geht wesentlich auf Müller- Armack zurück. Parallel zur Wahrnehmung seines Ordinariats ist Müller-Armack von 1952 bis 1958 mit der Funktion des Kommissarischen Leiters der Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums betraut gewesen. 1958 wurde er zum Staatssekretär für Europäische Fragen im Bundeswirtschaftsministerium unter Wirtschaftsminister Ludwig Erhard ernannt. Müller-Armack trat 1963 von dieser Funktion zurück und nahm bis 1969 die Aufgaben eines Hochschullehrers wahr. Bis zu seinem Tode ist Müller-Armack wissenschaftlich und gesellschaftlich aktiv tätig geblieben, was sich in zahlreichen Ehrungen, die ihm zuteil wurden, widerspiegelt.

Literaturhinweise
Ausgewählte Publikationen von Alfred Müller-Armack:

  • Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik. Studien und Konzepte zur Sozialen Marktwirtschaft und zur Europäischen Integration, Bern. Stuttgart, 2. Aufl., 1976.
  • Diagnose unserer Gegenwart. Zur Bestimmung unseres geistesgeschichtlichen Standortes, Bern, Stuttgart, 2. erw. Aufl., 1981.
  • Genealogie der Sozialen Marktwirtschaft. Frühschriften und weiterführende Konzepte, Bern, Stuttgart, 2. erw. Aufl., 1981.
  • Religion und Wirtschaft. Geistesgeschichtliche Hintergründe unserer europäischen Lebensform., Bern, Stuttgart, 3. Aufl., 1981.

Weitere Literatur

  • Dietzffelbinger, D. (1998), Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsstil. Alfred Müller-Armacks Lebenswerk, Gütersloh;
  • Müller, E. (1997), Evangelische Wirtschaftsethik und Soziale Marktwirtschaft, Neukirchen-Vluyn;
  • Watrin, Ch. (1988), Alfred Müller-Armack (1901 bis 1978), in: Henning, F.-W. ( Hrsg.), Über den Beitrag Kölner Volkswirte und Sozialwissenschaftler zur Entwicklung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Köln, Wien, S. 39-68.

Friedrun Quaas