„Niemandem wird es möglich sein, die Erwartungen auch nur annähernd zu erfüllen.“

Interview mit Dr. Norbert Wagner, dem Leiter des KAS-Büros in Washington

Sein beeindruckender Wahlkampf ist belohnt worden: Bei der Präsidentschaftswahl mit der höchsten Wahlbeteiligung seit dem 2. Weltkrieg ist Barack Obama deutlich zum 44. Präsidenten der USA gewählt worden. Der demokratische Kandidat ist der erste afroamerikanische Politiker in diesem Amt.

In den Städten Amerikas feierten Tausende bis in die Morgenstunden die Wahl ihres Hoffnungsträgers. Der republikanische Kandidat John McCain erwies sich als fairer Verlierer und forderte seine Anhänger dazu auf, den neuen Präsidenten zu unterstützen. Weltweit ist die Wahlentscheidung auf überwiegend positive Reaktionen getroffen.

Im Interview mit www.kas.de weist Dr. Norbert Wagner, der Leiter des KAS-Büros in Washington, auf die Kehrseite der Euphorie hin: „Wenn man die Begeisterung bei den Menschen sieht, dann weiß man wie hoch die Erwartungen sind, und dass es eigentlich niemanden möglich sein wird, diese auch nur annähernd zu erfüllen.“ Wagner zeigt sich vor allem überrascht über die klaren Siege, die Obama in den meisten Schlüsselstaaten geholt hat. Gleichzeitig geht er davon aus, dass auch diese Wahl mit ihrem langen Wahlkampf keine dauerhaften Gräben zwischen den Wählern hinterlässt: „Es ist ein typisch amerikanisches Verhalten: Der Sieger nimmt den Sieg in der gebotenen Demut an, und die Wähler reihen sich hinter dem neuen Präsidenten ein.“

Die klare demokratische Überzahl in Senat und Kongress, die sich aus der Wahlnacht ergibt, bezeichnet Wagner als „zweischneidiges Schwert“. Es sei sicher anzunehmen, dass die Abgeordneten nicht als „die Abstimmungsmaschinerie des Präsidenten“ angesehen werden wollen, sondern auf ihre Eigenständigkeit bedacht sind. Als dringlichste Aufgaben des neuen Präsidenten nennt Wagner den Kampf gegen die Finanzkrise sowie die Kontrolle über das Kampfgeschehen im Irak und in Afghanistan. Daneben bleibe nicht viel Zeit für weitere Reformen, befürchtet Wagner: „Obama muss darauf achten, dass nach einem Jahr nicht die große Enttäuschung Platz greift.“

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Interview mit Dr. Norbert Wagner, dem Leiter des KAS-Büros in Washington, zum Wahlsieg von Barack Obama. (Foto: Obama Campaign / flickr.com)

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