Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)DDR - Mythos und Wirklichkeit

Proteste gegen den Mauerbau

Nach dem gescheiterten Volksaufstand vom 17. Juni 1953 und der vorausgegangenen zweiten Parteikonferenz der SED vom Juli 1952 politisierte sich die Lage in der DDR immer mehr. Die ernüchternde Tatsache, dass die selbsternannte Arbeiterpartei ihre Macht nur mit Hilfe sowjetischer Panzer gegen ihre eigenen Arbeiter hatte aufrechterhalten können, war symptomatisch für die Gesamtlage. Hinzu kam, dass die Gesellschaft nun durch eine zunehmende Militarisierung gekennzeichnet wurde. Und schließlich musste die These, dass der 17. Juni ein „faschistischer Putschversuch“ und das „Werk von Provokateuren und faschistischen Agenten ausländischer Mächte und ihrer Helfershelfer aus deutschen kapitalistischen Monopolen“ gewesen sei, propagandistisch bewiesen werden.

„Arbeiter und ehrlichen Bürger“ wurden aufgefordert, „die „Provokateure zu ergreifen und den Staatsorganen zu übergeben“. Damit war landesweit zu Denunziation und Diffamierung aufgerufen, und das Spitzelwesen entwickelte sich analog der Ausweitung des SED-eigenen Sicherheitsapparats, der Stasi. Politische Schauprozesse und Schuldzuweisungen an den Westen waren auf der Tagesordnung. Auch wirtschaftlich verbesserte sich die Lage nicht: Das Festhalten am Aufbau der volkseigenen Schwerindustrie und das weitere „Liquidieren aller Rudimente des Kapitalismus“, womit alle Formen privaten Unternehmertums gemeint waren, verhinderten, dass die Versorgungslage wesentlich besser wurde – während gleichzeitig in Westdeutschland das „Wirtschaftswunder“ begann. Da sich die vier Siegermächte hinsichtlich der Deutschen Frage nicht einig waren, sahen viele Bewohner der DDR ihre einzige Zukunftschance in der Flucht in den Westen. Eine „Abstimmung mit den Füßen“ begann, die immer gespenstischere Ausmaße annahm.

Da sich die geringer werdende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der ausblutenden DDR negativ auf die Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Warschauer Pakt auswirkte, fassten die kommunistischen Parteichefs seiner Mitgliedsstaaten am 3. August 1961 in Moskau den Beschluss zum Bau der Berliner Mauer. Diese Entscheidung war psychologisch bereits durch vielfältige Kampagnen, u. a. durch die Diffamierung der Grenzgänger, durch das Verbot des für den 8. Juli in Berlin geplanten Evangelischen Kirchentages sowie durch eine nicht nachlassende Hetze gegen die Bundesrepublik und Westberlin als „Frontstadt im Kalten Krieg“ vorbereitet worden. Obwohl der damalige DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht bereits im Juni auf einer internationalen Pressekonferenz erklärt hatte, dass keiner die Absicht habe, eine Mauer zu errichten, fand in der Nacht zum 13. August 1961 das Unfassbare statt. Die als „Aktion X“ geheim geplante Errichtung einer mitten durch Berlin verlaufenden Mauer wurde von Erich Honecker geleitet und von Einheiten der Kasernierten Volkspolizei mit Unterstützung der Kampfgruppen der Arbeiterklasse stabsmäßig durchgeführt.

Der dadurch ausgelöste Schock saß tief, zumal auch seitens der westlichen Besatzungsmächte dem Mauerbau kein effektiver Widerstand entgegengesetzt wurde. Eine kurze Demonstration militärischer Präsenz seitens der Amerikaner und mündliche Proteste waren die einzigen Reaktionen des westlichen Lagers auf den von der DDR-Presse als Errichtung eines „antifaschistischen Schutzwalls“ gefeierten Mauerbau.

Insbesondere die DDR-Jugend litt ideell unter der Abriegelung Westberlins, hatte sie sich doch dort bislang mit „angesagten Klamotten“, Schallplatten und anderen Artikeln und Angeboten der westlichen Jugendkultur versorgt. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass die wenigen öffentlichen Proteste innerhalb der DDR von jugendlichen Musikfans wie beispielsweise Michael Gartenschläger und seinem Bernauer Elvis-Fanclub ausgingen. Die Erwachsenen standen größtenteils noch unter dem Eindruck der Juniereignisse von 1953 und der sich anschließenden Verfolgungswelle und waren daher zu vorsichtig, als dass sie durch offenen Protest hätten auffallen wollen.

Die in Berlin errichtete, 3,60 Meter hohe Mauer wurde durch eine die gesamte DDR nach Westen abschließende nahezu unüberwindliche Grenzanlage, an der von Beginn an der Schießbefehl galt, ergänzt. Bis zur gewaltlosen Öffnung der Berliner Mauer und dem Wegfall der von Stasi-Beamten durchgeführten Grenzkontrollen kamen nach heutigem Wissensstand 1.065 Menschen bei Fluchtversuchen ums Leben. Auch Fluchtversuche über andere sozialistische Länder endeten nicht selten tödlich, und wenn die Flüchtenden ergriffen wurden, wurden sie an die Stasi ausgeliefert: „Ungesetzlicher Grenzübertritt“ wurde nach § 213 des seit 1976 geltenden DDR-Strafgesetzbuchs mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft, und noch bis in den Spätherbst 1989 hinein sind wurden Menschen wegen dieses Delikts verurteilt, obwohl die DDR 1975 die KSZE-Schlussakte unterzeichnet hatte. Seit 1962 kaufte die Bundesrepublik Deutschland Zehntausende wegen derartiger Delikte Verurteilte für durchschnittlich 90.000 DM pro politischem Gefangenen frei. Mit dem Häftlingsfreikauf, einer sozialistischen Form des Menschenhandels, besserte der seit Anfang der 1970er Jahre hoch verschuldete SED-Staat seine stark defizitäre Devisenbilanz auf.

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Ausschnitt aus dem Film „50 Jahre CDU - 50 Jahre erfolgreiche Politik für Deutschland und Europa“ (© ACDP der Konrad-Adenauer-Stiftung und Deutsche Wochenschau Filmarchiv)