Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)DDR - Mythos und Wirklichkeit

Kriegsschäden, Reparationen und Demontagen

Die verschiedenen Regionen und Städte Deutschlands waren in sehr unterschiedlichem Maße von direkten Kriegseinwirkungen betroffen. Als schwerste Hypothek erwies sich die Zerstörung von Wohnraum in den Großstädten.

Insgesamt wiesen die späteren Westzonen, infolge des hier eher einsetzenden alliierten Luftkrieges, einen etwas höheren Zerstörungsgrad auf als die SBZ (ca. 24 Prozent gegenüber zehn Prozent total zerstörter Wohnungen). Schwerwiegend beeinträchtigt wurden in ganz Deutschland auch die gesamte Infrastruktur und das Verkehrswesen. So ging fast die Hälfte des rollenden Materials der Reichsbahn in der Kriegs- bzw. unmittelbaren Nachkriegszeit verloren. Der Mangel an Transportmitteln aller Art wurde durch umfangreiche Beuteentnahmen von Schienenmaterial, Lokomotiven und Waggons durch Amerikaner, Briten und Sowjets noch empfindlich verschärft.

Die agrarisch dominierten Regionen, insbesondere Mecklenburg-Vorpommern und die Provinz Brandenburg litten ebenso wie die späteren westpolnischen Gebiete (südliches Ostpreußen, Schlesien und Pommern) besonders schwer unter Kriegsschäden, Plünderungen und dem darauf folgenden Rückgang der Erträge. Trotz der Zerstörung von Baulichkeiten und Anlagen hatte die Industrie, auch durch Auslagerungen und Dezentralisierung, den Krieg besser als zunächst vermutet überstanden. Als Obergrenze für die Kapazitätsverluste der deutschen Industrie durch direkte Kriegsschäden, bezogen auf die 1944 vorhandenen Kapazitäten, können 15 Prozent gelten. Lediglich in einzelnen Branchen, wie dem Fahrzeugbau, der Elektroindustrie, dem Werkzeugmaschinenbau und der Holzindustrie, lagen die direkten Kriegsverluste etwas höher.

Reparationen

Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 einigten sich die USA, Großbritannien und die UdSSR auf drei Reparationsformen: Demontagen und Beschlagnahmung von Auslandsguthaben, Lieferungen aus der laufenden Produktion und die Verwendung deutscher Arbeitskräfte. Die Höhe der deutschen Reparationsleistungen blieb offen. Auch auf der Potsdamer Konferenz im Juli/August 1945 konnten sich die Alliierten nicht auf eine feste Reparationssumme einigen. Die UdSSR hatte einen Reparationsplan vorgelegt, der auf dem Protokoll von Jalta aufbaute und wiederum von 20 Milliarden Dollar Reparationen, davon zehn Milliarden Dollar für die UdSSR und Polen, ausging. Vereinbart wurden folgende Regelungen: Jede Besatzungsmacht sollte ihre Reparationsansprüche aus ihrer eigenen Zone befriedigen. Zusätzlich sollte die Sowjetunion 25 Prozent der Demontagen aus den Westzonen erhalten, 40 Prozent davon ohne Gegenleistung. Außerdem wurde die deutsche Handelsflotte aufgeteilt. Die UdSSR erhielt den deutschen Auslandsbesitz in Finnland, Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Ostösterreich, während die Westmächte über den deutschen Auslandsbesitz in allen anderen Staaten der Welt verfügen konnten. Die Verwendung deutscher Arbeitskräfte, die Goldreserve des deutschen Reiches und auch Lieferungen aus der laufenden Produktion fanden im Potsdamer Protokoll keine Erwähnung. Mit der Konferenz von Potsdam wurde Deutschland reparationspolitisch geteilt.

Demontagen

Beute- und Demontageaktionen gingen in der letzten Phase des Krieges ineinander über. Der weitaus größte Teil der Anlagen in der SBZ wurde 1945/46 entnommen. In den Westzonen begannen die Demontagen erst 1948/49 systematische Formen anzunehmen und wurden bis 1951 abgeschlossen. Hier wurden insgesamt 668 Werke abgebaut, was zu Kapazitätsverlusten von ca. fünf Prozent führte. In der SBZ wurden demgegenüber, nach deutschen Quellen, weit über 2.000, nach russischen Quellen sogar mehr als 3.000 Betriebe aller Art demontiert. Die Demontagen haben mindestens 30 Prozent der 1944 in der späteren SBZ vorhandenen industriellen Kapazitäten zerstört. Sie wirkten damit viel einschneidender als die unmittelbaren Kriegszerstörungen. Notgedrungen erfolgte während des Wiederaufbaus ein Rückgriff auf überalterte Anlagen. Dadurch wuchs der Reparaturbedarf, und der Anteil der Handarbeit stieg. Das dennoch beachtliche Produktionswachstum in der Nachkriegszeit beruhte deshalb in hohem Maße auf einem überproportionalen Beschäftigtenwachstum.

Die Rekonstruktion der Wirtschaft konnte im Osten Deutschlands erst Mitte der 50er Jahre abgeschlossen werden, und auch der individuelle Konsum erreichte erst wesentlich später als in der Bundesrepublik das Vorkriegsniveau. Für einen wirtschaftlichen Wettlauf mit der Bundesrepublik fehlten der DDR somit von vornherein die Voraussetzungen. Der in späteren Jahren sich abzeichnende Leistungsverfall der DDR-Wirtschaft lässt sich aber nicht primär den Startbedingungen anlasten. Dafür waren vielmehr die teils gewollte, teils erzwungene Abschottung vom Weltmarkt, die Einbindung in den RGW und die chronische Innovationsschwäche des planwirtschaftlichen Systems verantwortlich.

Literaturempfehlung

  • Neitmann, Klaus; Laufer, Jochen (Hrsg.): Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948. Sachthematisches Archivinventar. Bearbeitet von Klaus Jochen Arnold, Berlin 2014.