Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)DDR - Mythos und Wirklichkeit

Wirtschaft

Einführung

Der wirtschaftliche Neubeginn war in der sowjetisch besetzten Zone dreifach schwierig. Zu den Zerstörungen kamen die bereits vor Kriegsende begonnenen gewaltigen Demontagen durch die Sowjets und spätere Reparationszahlungen sowie eine fehlende Unterstützung vergleichbar mit dem Marshallplan.

Dass die DDR vor allem auch wegen des ökonomischen Kollapses in den achtziger Jahren zusammenbrach, hängt eng mit der Idee einer „sozialistischen Volkswirtschaft“ zusammen. Die sozialistische Volkswirtschaft vollzog sich in volkseigenen Betrieben, die nach Enteignungen und Zwangskollektivierung entstanden waren, mit sozialistischen Warenproduzenten.

© Harald Hauswald, Agentur Ostkreuz Berlin

Sie hatte nicht nur produktive sondern auch ideologische, eine sozialistische Gesellschaft gestaltende Funktion: Sozialistisches Eigentum an den Produktionsmitteln statt Initiative förderndes Privateigentum. Einsatz knapper Produktionsfaktoren nicht mittels Marktmechanismen, freiem Wettbewerb und freier Preisbildung, sondern mittels der sozialistischen Planwirtschaft nach dem Grundsatz Planung und Leitung auf der Basis von Jahresplänen und Fünfjahresplänen.

Planerfüllung statt Marktsteuerung

Im Staatsplan sind als Ziele eine planmäßige Bedarfsdeckung und die Erhöhung des Lebensstandards definiert. Effektivitätssteigerung wird durch technischen Fortschritt und die sozialistische ökonomische Integration in den RGW vorgegeben.

Eine nicht marktgerechte Kostenkalkulation, administrierte Preise für Lebensmittel, Mieten, Energie, zugeteilten Urlaubsreisen, führen indes zwar zu einer gleichmäßigen Bedarfsdeckung, aber auf niedrigem Niveau, zu oftmals schlechter Qualität, zu Engpässen und Mangel.

Fehlender Gewinnanreiz, fehlender nationaler wie internationaler Wettbewerb verursachen einen suboptimalen Einsatz knapper Ressourcen, behindern Innovation und verhindern den Einsatz am Weltmarkt vorhandener bestmöglicher Technologie.

Das Ziel der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit, die Steigerung des sozialistischen Bewusstseins und die Abgrenzung vom Klassenfeind tun ihr übriges. Gesellschaft und Wirtschaft folgen Karl Marx und Friedrich Engels statt Adam Smith und Ludwig Erhard, auch in den Auslagen der Bücherläden.

Mit systematischer Propaganda, stolzer Planerfüllungsrhetorik, öffentlicher Belobigung, schönen Bildern und platten Slogans, mit gefälschten und täuschenden Statistiken und nicht marktgerechten Kursumrechnungen katapultiert sich das Regime bis an die siebte Stelle der reichsten Industrienationen.

Ohne die Leistung und das Engagement der gut ausgebildeten, in aller Regel über berufliche Lenkung eingesetzten Werktätigen im „Arbeiter- und Bauernstaat“ wäre der propagandistisch überzeichnete, aber im Vergleich zu den anderen sozialistischen Ländern durchaus vorhandene Wohlstand nicht zustande gekommen.

Dennoch: Der Zusammenbruch war nicht aufzuhalten. Weder vermochte die sozialistische Volkswirtschaft eine gleiche und gerechte Bedarfsdeckung auf erwünschtem Niveau sicherzustellen noch eine moderne und technisch herausragende und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur zu schaffen.

Der Anspruch, umfassend alle Facetten zu beleuchten, besteht nicht. Wir wollen vielmehr zur Auseinandersetzung mit der Thematik anregen, die Materialien in den Schulbüchern ergänzen sowie den Interessierten einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Themenfelder ermöglichen.