Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)DDR - Mythos und Wirklichkeit

Mythos: „Die DDR stand für Antifaschismus“

Der Antifaschismus war für die DDR zeit ihres Bestehens ein zentrales Element ihres nationalen Selbstbildes und wurde ein fester Bestandteil des politischen Alltags. Selten hat in der Neuzeit ein Staat seine politische Legitimation so stark und so ausschließlich aus seinem Gründungsmythos bezogen wie die DDR. Allerdings blieb der moralische Anspruch, der in der DDR nach dem Zweiten Weltkrieg hinsichtlich der Aufarbeitung des NS-Regimes propagiert wurde, weit hinter der gesellschaftlichen Realität zurück. So war der Antifaschismus als Legitimationsideologie weniger auf eine konkrete Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ausgelegt, sondern diente von Anfang an als Integrations- bzw. umgekehrt als Ausgrenzungsinstrument. Er war von vornherein immer auch eine Macht- und Herrschaftsressource derer, die über die „offizielle Erinnerung“ verfügten. Hier wurde der Antifaschismus-Mythos als Instrument zur Denunziation politischer Gegner genutzt. Die Bezeichnung „Faschist“ oder „faschistisch“ war in der Frühphase der DDR ein willkürlich verwendbarer Kampfbegriff. Die SED ging mit der nationalsozialistischen Erblast von Anfang an heuchlerisch um. So konzentrierte sich die „antifaschistisch-demokratische Umwälzung“ zunächst auf die Bodenreform und die Verstaatlichung der Großindustrie sowie auf einen Austausch der Eliten im stalinistischen Sinne. Bei „einfachen“ NSDAP-Mitglieder reichte oftmals die aktive Mitarbeit am „demokratischen Aufbau“ des Sozialismus bzw. der Eintritt in die KPD bzw. SED aus, um problemlos integriert zu werden. Eine Auseinandersetzung mit der kollektiven Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen, wie sie ansatzweise in der Bundesrepublik Deutschland geführt wurde, brauchte es in der DDR nicht zu geben, weil man sich mit der besagten „Umwälzung“ von aller Verantwortung für den Nationalsozialismus gereinigt zu haben vorgab. Obwohl eine konsequente Verfolgung der Täter des nationalsozialistischen Regimes durch den SED-Staat als eines der politisch wichtigsten Ziele proklamiert wurde, wurden im Zeitraum von 1951 bis 1989 in der Bundesrepublik erheblich mehr Nazi- und Kriegsverbrecher verurteilt als in der DDR. Darüber hinaus wurden Altnazis als „geeignete Personen“ angeworben bzw. gezwungen, als inoffizielle Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zu arbeiten. Zudem sammelte dieses Ministerium Daten und Akten über Altnazis, die im Westteil Deutschlands lebten, um sie mit ihrer Geschichte erpressbar zu machen.

Nach dem 17. Juni 1953 kam es innerhalb der SED zu einer „Säuberungswelle“. Da viele Parteimitglieder Verständnis für die Forderungen der Demonstranten zeigten, wurden sie ausgeschlossen. Bei Neuaufnahmen spielte nun die „braune“ Vergangenheit eine untergeordnete Rolle. So belegen zahlreiche Parteidokumente, dass der Anteil von Altnazis in der SED bis weit in die sechziger Jahre hinein relativ hoch war. Völlig verdrängt aus der Antifaschismus-Diskussion wurde der Hitler-Stalin-Pakt. Hinzu kam eine Nichtthematisierung des Holocaust. So blieben die „jüdischen Opfer“ den „kommunistischen Kämpfern“ in Behandlung und Ansehen untergeordnet. Da sich die DDR nicht als Nachfolgestaat des Dritten Reiches verstand, gab es auch keine umfassenden Entschädigungsleistungen, die mit den Leistungen der Bundesrepublik im Zusammenhang mit der sog. „Wiedergutmachung“ vergleichbar gewesen wären.