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Mythos: „Die DDR war eine saubere Sportmacht“

Die „kleine“ DDR mit ihren 17 Millionen Einwohnern brachte über zwei Jahrzehnte hinweg sportliche Höchstleistungen hervor, die in keinem Verhältnis zur politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Bedeutung des Landes standen. Somit wurde der Spitzensport per se zum Aushängeschild des Arbeiter- und Bauernstaates.

Da in kaum einem anderen Land Sport und Politik so eng verflochten waren wie in der DDR, waren sportliche Erfolge für die SED-Führung ein probates Mittel, um internationale Anerkennung zu erlangen, das Selbstbewusstsein der eigenen Bevölkerung zu stärken und die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren. Deshalb wurde sehr viel Geld in den Leistungssport investiert. So sorgten modernste Sportanlagen, neueste wissenschaftliche Trainingsmethoden, ein breites Spektrum an Forschungsinstitutionen und ein tief gestaffeltes System zur frühzeitigen Erkennung von Sporttalenten bei Kindern und Jugendlichen dafür, dass in vielen Disziplinen DDR-Sportler zu den Weltbesten zählten.

Auch nach der Wiedervereinigung wurde ein überproportionaler Anteil der deutschen Titel von Sportlern errungen, die im Arbeiter- und Bauernstaat ausgebildet worden waren. Allerdings wurde sehr schnell deutlich, dass die genannten Maßnahmen allein nicht ausreichten. Ohne den Einsatz der sog. „unterstützenden Mittel“ wäre es für das kleine Land unmöglich gewesen, so außergewöhnlich viele Medaillen zu gewinnen und Rekorde zu erringen. Aber erst nach dem Zusammenbruch der DDR wurde offiziell bekannt, dass seit Mitte der 1970er Jahre im Arbeiter- und Bauernstaat in relevanten Sportarten ein flächendeckendes Doping erfolgte. Betroffene Leistungssportler wurden teilweise ohne ihr Wissen von Trainern und Sportärzten gedopt. Dabei wurden sogar Kindern ohne Einverständnis der Eltern bzw. ohne deren Wissen regelmäßig Dopingmittel verabreicht – obwohl das Ministerium für Staatssicherheit, die Sportführung und die mit dem Doping betrauten Mediziner von den gesundheitlichen Langzeitfolgen wussten. Die Anzahl der Olympiasiege war also gerade kein Beweis für die Überlegenheit des „sozialistischen“ Systems.