Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)DDR - Mythos und Wirklichkeit

Mythos: „Der Befehl zum Bau der Berliner Mauer kam aus Moskau“

Weil wesentliche Freiheiten nicht gewährt wurden, waren über das „Schlupfloch“ der offenen Grenze zu West-Berlin mit zuletzt dramatisch steigender Tendenz Hunderttausende von DDR-Bürgern in den Westen geflohen. Weitere Fluchtmotive waren Zwangskollektivierung, Enteignung, Druck auf Christen, Furcht vor Repressionen und Willkürmaßnahmen sowie das Wirtschaftsgefälle.

Zwischen 1949 und 1961 verließen etwa 2,6 Millionen Menschen die DDR und Ostberlin. Darunter waren vor allem gut ausgebildete, junge Arbeiter und Akademiker. Zu dem immer deutlicher werdenden Arbeitskräftemangel kam auch der Abfluss von Waren aller Art und der illegale Geldumtausch, der die Währung schwächte. Darüber hinaus arbeiteten etwa 50.000 Ost-Berliner als sog. Grenzgänger in West-Berlin, lebten und wohnten aber zu finanziell günstigeren Bedingungen in Ost-Berlin oder im Berliner Umland. Deshalb galt es für das SED-Regime, diese „Abstimmung mit den Füßen“ zu beenden. Die Parteiführung traf die Entscheidung zum Bau der Mauer in erster Linie, um den schmerzlichen Verlust an raren Arbeitskräften zu stoppen. Zum anderen zielte der Mauerbau auch darauf, den 1952 beschlossenen „Aufbau des Sozialismus“ nun ungestört fortsetzen und die dafür notwendigen unpopulären wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf den Weg bringen zu können. Da es zur Stabilisierung des SED-Regimes keine andere Alternative gab, stimmte die sowjetische Führung dem Drängen ihrer ostdeutschen Genossen zu. Die Errichtung der Berliner Mauer erfolgte demnach nicht auf Geheiß Moskaus. Weil die Abwehranlagen eindeutig gegen das eigene Volk gerichtet waren, blieben alle Versuche der SED-Propaganda, die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“ glaubhaft zu vertreten, fruchtlos.