Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)DDR - Mythos und Wirklichkeit

Mythos: „In der DDR gab es bezahlbare Wohnungen für alle“

Die Wohnungsmieten waren in der DDR auf dem niedrigen Vorkriegsniveau von 1936 eingefroren worden; es gab also bis 1990 keine Mieterhöhungen. Warmmieten von unter 100 Mark waren keine Seltenheit. Diese Wohnungspolitik der SED, die keine kostendeckenden Mieten ermöglichte, sowie die sich ständig verschlechternde ökonomische Gesamtsituation hatten eine unzureichende Wohnungsversorgung in der DDR zur Folge. Gemessen an der Bevölkerungszahl war in der DDR bis 1970 im Vergleich zur Bundesrepublik nur knapp die Hälfte an Wohnungen gebaut worden, wobei die tatsächlich geschaffene Wohnfläche pro Kopf sogar nur einem Drittel des in Westdeutschland erstellten Wohnraums entsprach.

Deshalb erhielt 1971 mit Honeckers Amtsantritt der Wohnungsbau den höchsten Stellenwert in der Sozialpolitik der SED. Bis 1990 sollten rund drei Millionen Wohnungen neu gebaut oder modernisiert werden. Allerdings ließ sich aufgrund der immer knapperen Ressourcen in der Wirtschaft das Wohnungsbauprogramm in der geplanten Größenordnung nicht realisieren. Somit erwies sich die medienwirksame Übergabe der dreimillionsten Wohnung durch Erich Honecker am 12.10.1988 als statistischer Trick. In Wahrheit waren noch nicht einmal zwei Millionen Wohneinheiten fertig gestellt worden. Gleichzeitig mussten während der Laufzeit des SED-Wohnungsbauprogramms viele Wohnungen aus der „geerbten“ Altbausubstanz aufgegeben und schließlich abgerissen werden. Nur so lässt sich der reale Rückgang an nutzbaren Wohnungen erklären. Da sich Ende 1989 bei den zuständigen Ämtern noch 781.000 Anträge auf Wohnungs- bzw. Wohnraumzuweisung stapelten, blieb auch am Ende der Honecker-Ära „die Wohnungsfrage als soziales Problem“ ungelöst.