Mythos: „In der DDR gab es kein Drogenproblem“
Aufgrund der geringen Reisemöglichkeiten und der restriktiven Grenzkontrollen (.pdf) gab es in der DDR so gut wie keinen Konsum illegaler Drogen. Dafür war der Medikamentenmissbrauch weit verbreitet. Besonders häufig und in hohen Dosen wurden Schlafmittel und Tranquilizer konsumiert. Volksdroge „Nummer 1“ war auch in der DDR der Alkohol, der im Gegensatz zu vielen anderen Produkten keine Mangelware war. Im Pro-Kopf-Verbrauch erreichte der Arbeiter- und Bauernstaat internationale Spitzenwerte. Alkohol wurde nicht nur von sozialen Randgruppen in großen Mengen konsumiert, Missbrauch und Suchtverhalten zogen sich durch alle sozialen Schichten. Dabei stand der besonderen Alkoholkultur der Bevölkerung eine ebenso eigene Alkoholpolitik der SED gegenüber. So waren krankhafter und übermäßiger Alkoholkonsum offiziell „dem Sozialismus wesensfremd“, wurzelten in der “vorsozialistischen Vergangenheit“ und galten als „Überrest des Kapitalismus“. Deshalb wurden die mit der Trunksucht zusammenhängenden Probleme von den staatlich gelenkten Medien bewusst verschwiegen. Allerdings erwähnte Politbüro-Mitglied Kurt Hager im September 1989 in einer internen Sitzung die Zahl von 250.000 Alkoholikern in der DDR.
