Mythos: „Die DDR war der bessere deutsche Staat“
Bei Lichte betrachtet weist die DDR im Vergleich zur Bundesrepublik allerdings erhebliche Defizite in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, ökonomische Effizienz und Innovationsfähigkeit auf. Selbst auf dem Feld sozialer Sicherheit stellt die DDR keine Alternative zur Bundesrepublik dar. Stattdessen brachte sie für Millionen von Menschen leidvolle Erfahrungen aus der Herrschaft einer undemokratischen Partei, einer gegen Grundrechte verstoßenden Umwälzung der Eigentumsverhältnisse sowie einer gewaltsamen Auswechslung der Eliten. Auch die etwas geringere Lebenserwartung der Ostdeutschen gehört zum bis heute fortwirkenden Erbe des Sozialismus. Die Lebenserwartung als wichtiger Indikator gesellschaftlicher Modernität war in der DDR hinter der Entwicklung in der Bundesrepublik zurückgeblieben: 1988 lag sie bei den Männern 2,4 Jahre und bei den Frauen 2,7 Jahre niedriger als in Westdeutschland. Eine Ursache stellt die deutlich höhere Selbstmordrate in der DDR dar (durchschnittlich 2,8 pro 10.000 Einwohner gegenüber 2,0 in der Bundesrepublik). Die jahrzehntelangen Defizite im Lebensstandard und in den Arbeits- und Umweltbedingungen dürften weitere Gründe sein. Unterschiede in den Ernährungsgewohnheiten und in der medizinischen Versorgung werden ebenfalls als Ursachen aufgeführt.
