„Der Anschlag zeigt, dass der Konflikt nicht von heute auf morgen erlischt“
Interview mit Dr. Canan Atilgan, Leiterin der KAS-Außenstelle in Bangkok
Mit dem Anschlag auf Sondhi Limthongkul, dem Gründer der regierungsnahen Volksallianz für Demokratie (PAD), haben sich die Hoffnungen auf friedlichere Zeiten für Thailand zunächst einmal nicht bewahrheitet. „Der Anschlag zeigt, dass der Konflikt zwischen Regierungsanhängern und Opposition nicht von heute auf morgen erlischt“, sagt Dr. Canan Atilgan, Leiterin der KAS-Außenstelle in Bangkok, im Interview.
Bereits seit Jahren bekämpfen sich in Thailand die in rot gekleideten Anhänger des früheren Premierministers Thaksin Shinawatra, und die gelb bekleideten Anhänger der Demokratischen Partei. Atilgan beschreibt den Konflikt als „sehr tiefe politische Spaltung“, die durch den Machtkampf zwischen zwei Eliten gekennzeichnet ist. Auf der einen Seite steht das alte Establishment, die Monarchisten, Militärs und der Mittelstand, die die PAD und die Demokratische Partei unterstützen. Auf der anderen Seite stehen Emporkömmlinge, die Vertreter der Bauern und des armen Nordens, die die Thaksin-Bewegung ausmachen und die materiellen Ergebnisse der Politik bewerten.
Vor allem im Lager der Rothemden, die momentan die Opposition stellen, gebe es dabei ein Gefühl der „doppelten Standards“, so Atilgan. Sie beklagen, dass ihre eigenen Protestführer festgenommen werden, während die Gelbhemden, die im November des vergangenen Jahres Flughäfen besetzt hatten, bisher frei von Strafverfolgung geblieben sind. Die Regierung versuche diese Proteste als Rachefeldzug Thaksins abzutun, was aber aus Atilgans Sicht nicht den Kern der Sache trifft: „Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Proteste über Thaksins Person hinausgehen. Und dann kann der Konflikt nur beendet werden, wenn die tiefer liegenden Probleme politisch angegangen werden.“
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Interview mit Dr. Canan Atilgan, Leiterin der KAS-Außenstelle in Bangkok
