Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)DDR - Mythos und Wirklichkeit

Mythos: „Der Sozialismus ist eine gute Idee, die in der DDR nur schlecht ausgeführt wurde.“

Mit dem Fall der Berliner Mauer am 09. November 1989 ist auch der real existierende Sozialismus in der DDR gescheitert. Gleichwohl wollten einige Ostdeutsche – auch Systemkritiker – zunächst keine Wiedervereinigung. Sie wollten eine andere DDR. Das „System“ sollte nicht abgeschafft, sondern verbessert werden. Nach Auffassung der Vereinigungsgegner sollte der Sozialismus nur demokratisch erneuert, ökonomisch effizienter und menschlicher werden. So entstand der Eindruck, der Sozialismus sei eine gute Sache, die in der DDR nur schlecht umgesetzt worden sei. Tatsächlich aber ist dieser Eindruck falsch, weil die dem Sozialismus zu Grunde liegende marxistisch-leninistische Ideologie auf dem Fehlglauben fußt, dass alle Menschen von Natur aus gleich seien. Unterschiede in der Begabung würden als Folge der sozialen Ungleichheit angesehen. Erst im Sozialismus, der eine klassenlose Gesellschaft anstrebe, sei eine optimale Förderung aller Menschen möglich. Da aber in Wirklichkeit die einzelnen Menschen nicht gleich produktiv und kreativ sind, werden sie nicht ohne Zwang bereit sein, für die anderen mitzuarbeiten. Deshalb zeigt sich sehr schnell, dass mit der sozialistischen Gleichheitsideologie auch eine deutliche Einschränkung der persönlichen Freiheit verbunden ist. Menschen, die sich nicht in der gewünschten Form am Aufbau des Sozialismus beteiligen können oder wollen, müssen mit Sanktionen oder hohen Strafen rechnen. Ebenso hart geht die sozialistische Gesellschaft mit jenen Bürgern um, die in der Öffentlichkeit Meinungen vertreten, die nicht mit der vorgegebenen Herrschaftsmeinung übereinstimmen und sogar entgegengesetzt sind. Durch ständige ideologische Erziehung soll ein neuer Menschentyp, dessen Bewusstsein und Verhalten in allen Lebensbereichen der sozialistischen Gesellschaft dient, entwickelt werden. Dem gegenüber sind Individualität, Religiosität, Selbstverwirklichung und Unternehmergeist im Sozialismus wenig bzw. nicht gefragt und werden als historisch „überlebt“ angesehen.

Ein weiterer schwerwiegender Irrtum der sozialistischen Ideologie ist die Beseitigung des Privateigentums an Produktionsmitteln. Durch Abschaffung des Eigentums und durch gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Güter soll eine soziale Gleichheit hergestellt werden. Allerdings muss der zu verteilende „Reichtum“ zuvor erwirtschaftet werden. Da aber der in der Natur des Menschen liegende Egoismus ideologisch als Habgier verteufelt wird und somit nicht als Triebkraft genutzt werden kann, gibt es hier sehr schnell Engpässe.

Obwohl aus der DDR nach der Wiedervereinigung eine pluralistische Gesellschaft wurde, deren Freiheiten und Lebensstandard im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat unvorstellbar wären, wird der Sozialismus immer stärker als eine Art „Volksheim“ mit Konstruktionsfehlern verklärt. Selbst die Horrorbilanzen des „Schwarzbuch des Kommunismus“ haben der Popularität der sozialistischen Idee wenig geschadet. Nur so erklärt sich die Tatsache, dass alte und nachwachsende „Linke“ mit ihren Sympathisanten nach wie vor den Aufbau des Sozialismus anstreben. Bislang ist allerdings niemand bekannt, der ein neues Konzept für eine bessere Gesellschaft entwickelt hat. Trotz der aktuellen Probleme hat sich die Soziale Marktwirtschaft allen anderen Wirtschaftssystemen als überlegen erwiesen. Steuerung und Motivation der Menschen durch Geld verbunden mit staatlicher Sozialpolitik werden sich auch in Zukunft bewähren.