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Wo liegt der Ursprung der Finanzkrise?

Die Finanzkrise ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von Fehlentwicklungen in unterschiedlichen Bereichen. Ihren Ursprung nahm sie in einem recht kleinen Segment für riskante Kredite am US-amerikanischen Hypothekenmarkt (dem Subprime-Segment). Mit der staatlichen Förderung der Finanzierung von Eigenheimen – sogar für Käufer mit geringer Bonität – wurde der Grundstein für einen großen Immobilienboom gelegt. Immer mehr Amerikaner verwirklichten ihren Traum vom Eigenheim auf Kredit. Durch die größere Nachfrage nach Häusern stiegen die Immobilienpreise stetig an. Es herrschte die weitverbreitete Auffassung, der Wertzuwachs würde niemals enden. Folgt man dem Case-Shiller-Index, einem Indikator für die Immobilienpreisentwicklung, verdoppelte sich das Niveau der Häuserpreise in den USA allein im Zeitraum der Jahre 2000 bis 2006. Der Boom am Immobilienmarkt lockte immer mehr Käufer an. Einige Hausbesitzer belasteten sogar ihre im Preis gestiegene Immobilie mit neuen Hypotheken, um weitere Objekte zu kaufen.

Zusätzlich spielte das Spekulationsmotiv eine Rolle, das darauf zielte, durch den Erwerb und späteren Verkauf einer Immobilie, einen Gewinn zu erzielen. Die vermeintliche Sicherheit durch eine stetige Wertsteigerung der Immobilien veranlasste die Hypothekenbanken zunehmend, auch Kunden des Subprime-Segments mit Krediten zu bedienen. Abgeschlossene Hypotheken-Kreditverträge waren oft mit variablen Zinsen versehen, die am Anfang für eine bestimmte Zeit attraktiv niedrig ausfielen und später an das Niveau eines durchschnittlichen Marktzinses gekoppelt waren. Dieses Modell sollte zusätzlich Käufer anlocken. Da der Marktzins aber infolge einer restriktiveren Geldpolitik in den Jahren 2004 bis 2006 anstieg, wurde die Tilgungslast mit der Zeit deutlich höher. Insbesondere Schuldner aus dem Subprime-Bereich konnten ihre Verbindlichkeiten nicht mehr vollständig bedienen, so dass es zu Ausfällen bei der Kreditrückzahlung kam. Die Banken reagierten mit Zwangsversteigerungen der durch Hypotheken besicherten Häuser. Die Stimmung am Immobilienmarkt kippte, mehr und mehr Häuser standen zum Verkauf. Durch das Überangebot purzelten die Preise nach unten. Schuldner rutschten vermehrt in Zahlungsunfähigkeit, weil der Verkaufserlös ihrer Immobilie wegen des Preisverfalls nicht mehr zur Deckung der aufgenommenen Schulden ausreichte. Die Hypothekenbanken blieben auf ihren Kreditforderungen sitzen.

Die Immobilienpreise sind in der Krise ungefähr auf das Niveau des Jahres 2003 gefallen. Seit Mai 2009 steigen die Preise tendenziell wieder, wobei man noch nicht sagen kann, ob es sich hierbei um eine nachhaltige Entwicklung handelt. Analysten gehen davon aus, dass die amerikanischen Häuserpreise noch einmal um fünf bis zehn Prozent fallen werden, ehe die Abwärtsentwicklung gestoppt wird.

Die Verwerfungen am amerikanischen Immobilienmarkt entwickelten ihre tatsächliche Brisanz und Reichweite aber erst durch das Zusammenspiel mit anderen Ereignissen.

Die Zinspolitik der US-amerikanischen Zentralbank (Federal Reserve Bank) sorgte vor allem in den Jahren 2001 bis 2004 für billiges Geld und heizte damit die Suche nach renditeträchtigen Anlageformen an. Die überschüssige Liquidität wurde in verbriefte und strukturierte Wertpapiere investiert, die aus den am Immobilienmarkt vergebenen Krediten geschaffen worden waren. Diese innovative Form der Finanzanlage sollte eine breite Streuung der Risiken bei Zahlungsausfällen sicherstellen und so das gesamte Risiko reduzieren. Als renditeträchtige Geldanlage wurden die verbrieften und strukturierten Wertpapiere von Investoren eifrig nachgefragt, so dass die Hypothekenbanken immer weitere Hypothekenkredite vergaben und diese wiederum an (auch internationale) Investoren verkauften. Aus diesem Grund bekamen nach Ausbruch der Krise auch Banken in Europa die Zahlungsausfälle US-amerikanischer Hypothekenschuldner zu spüren (→ Frage: Warum konnte sich die Krise global ausbreiten?).

Die Bedingungen, unter denen der Verkauf der Kredite (Kreditverbriefung) und die Umwandlung in renditeträchtige Anlageformen (Strukturierung) stattfanden, wiesen eine Reihe von Fehlanreizen und Regulierungslücken auf, die zu spät erkannt wurden und als erhebliche Mitverursacher der Krise gelten. Die Tatsache etwa, dass Hypothekenbanken Kreditforderungen überhaupt verkaufen durften, veranlasste sie zu Nachlässigkeit bei der Kontrolle der Zahlungsmoral der Schuldner (Haftungsproblem). Die Regulierungsbehörden hatten es versäumt, die Hypothekenbanken auf einen Selbstbehalt ihrer Forderungen zu verpflichten.

Auch die Bewertung dieser innovativen Finanzanlagen war problematisch: Die Ratingagenturen unterschätzten das Risiko der verbrieften und strukturierten Subprime-Kredite. Eine weitere Regulierungslücke bestand darin, dass Finanzinstitute Geschäfte außerhalb ihrer Bilanzen tätigen konnten. Sie nutzten diesen Spielraum, um die bestehenden Mindestanforderungen an Eigenkapital zu umgehen. Das aber sollte gerade in Krisenzeiten als Risikopuffer dienen (→ Frage: Welche Rolle spielt Eigenkapital für Banken?). Die Reduzierung des Eigenkapitals hat die Anfälligkeit der Finanzinstitute erhöht und deshalb auch die Ausbreitung der Krise befördert.

Experten machen häufig auch makroökonomische Entwicklungen für die Krise mitverantwortlich. Vor allem zwischen China und den USA bildete sich ein wirtschaftliches Ungleichgewicht (Leistungsbilanzdefizit bzw. -überschuss) heraus, das die Voraussetzungen nährte, die zum Ausbruch der Krise beitrugen. Zu nennen sind der niedrige Geldmarktzins und die überschüssige Liquidität, für die an den Vermögensmärkten nach Investitionsformen gesucht wurde. Die billigen chinesischen Importe sorgten in den USA für ein stabiles Preisniveau, so dass die Federal Reserve Bank sich in ihrer Niedrigzinspolitik bestärkt fühlte. Zugleich zeigte China sich als dankbarer Abnehmer amerikanischer Staatspapiere, die der Handelspartner als eine sichere Anlageform für seine Einnahmen aus dem Exportgeschäft bewertete. Den USA bot sich so die Möglichkeit, zu einem niedrigen Zins immer mehr Schulden aufzunehmen. So gelangte weitere Liquidität in den Markt.