Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Soziale Marktwirtschaft

Liegt die Krisenursache in der „Gier“ der Finanzmanager?

Die Finanzkrise mit der „Gier“ der Finanzmanager zu erklären, liegt nahe. Die Aussicht auf hohe kurzfristig zu erzielende Renditen für die Bank oder das Unternehmen, das sie zu managen hatten – und hohe Bonusszahlungen für sich selbst – waren ein maßgeblicher Antrieb für den Handel mit verbrieften Finanzprodukten, der zur Verbreitung der toxischen Papiere beitrug. Die simple Erklärung durch das Motiv „Gier“ wird jedoch dem komplexen Sachverhalt nicht gerecht, und auch die Fokussierung des Vorwurfs auf „die Finanzmanager“ greift zu kurz: Letztlich waren nicht nur die Finanzmanager auf hohe Renditen aus, auch private Anleger sprangen auf die Vorstellung an, hohe Renditen mit niedrigem Risiko erzielen zu können.

Grundsätzlich ist ein renditeorientiertes Verhalten keineswegs moralisch verwerflich. Zum einen entspricht es der menschlichen Natur, das Mehr dem Weniger vorzuziehen. Gesamtgesellschaftlich ist eine solche Einstellung sogar eine wesentliche Triebfeder wirtschaftlichen Fortschritts und ein grundlegendes Element einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung. Dieses Modell hat die zentrale Aufgabe, Anreize so zu setzen, dass aus dem Verhalten der Marktteilnehmer kein Schaden für andere entsteht. Dafür sieht die Soziale Marktwirtschaft das Prinzip der Haftung vor. Wer große Risiken eingeht, muss auch für die möglicherweise schlimmen Folgen seiner „Gier“ haften. Und eben an dieser Stelle hat die Finanzkrise fatale Schwächen aufgedeckt: Die Vergütung von Finanzmanagern, Wertpapierhändlern und Kreditmaklern war häufig in Form von Boni an kurzfristige Erfolge geknüpft, ohne die langfristige Konsequenz einer Verkaufsentscheidung oder eines Geschäftsmodells ebenfalls in Rechnung zu stellen. Mit dieser Vergütungsmethode wurden die Verantwortlichen aus ihrer Haftung entlassen und der Sorgfaltspflicht enthoben, die Qualität der gehandelten Produkte zu hinterfragen bzw. die Geschäftsstrategie bei Fehlentwicklungen zu korrigieren (→ Frage: Müssen Führungskräfte für ihr Tun künftig stärker haften?). Erschwert wurde die Bewertung des Risikos durch unzureichende Transparenz beim Handel mit Verbriefungen und innovativen Finanzprodukten (→ Frage: Werden Kreditverbriefungen jetzt verboten?).

Weil die Wirtschaft – gerade im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft – keine moralfreie Zone ist, kann eine blinde Orientierung an der Rendite kein nachhaltiges Geschäftsmodell begründen. Um marktwirtschaftliche Freiheit zum Wohle aller wirken zu lassen, sind neben staatlich vorgegebenen Regeln und richtig gesetzten Anreizen auch Moral und Verantwortung unerlässlich. Letztlich ist die Wirtschaft dazu da, dem Menschen zu dienen. Die Tatsache, dass einige Akteure im Zuge übertriebener Fixierung auf die Rendite wohlweislich Fehlentwicklungen in Kauf genommen und diese sogar vorangetrieben haben, macht sie mitverantwortlich – selbst wenn falsche Strukturen und Anreize ihr Verhalten begünstigt haben (→ Frage: Hat die Soziale Marktwirtschaft versagt?).