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Welche Rolle spielten die Ratingagenturen bei der Entstehung der Finanzkrise?

Mängel und Schwachpunkte in der Tätigkeit der Ratingagenturen waren eine wichtige Ursache der Finanzkrise. Die Ratingagenturen unterschätzten das Risiko der verbrieften und strukturierten Subprime-Kredite und bescheinigten diesen Papieren eine sehr geringe Ausfallwahrscheinlichkeit. Die positiven Bewertungen lockten institutionelle und private Anleger, die sich eine hohe Rendite bei geringem Ausfallrisiko versprachen. Infolgedessen avancierten die später als „toxisch“ bezeichneten Papiere zu einer beliebten Anlageform.

Das Versagen der Ratingagenturen wird oftmals mit einem mangelhaften Verständnis der komplexen Finanzprodukte erklärt. So ist die tatsächliche Ausfallwahrscheinlichkeit und die Verteilung der Risiken, die in den verbrieften Subprime Krediten steckte, falsch eingesetzt worden. Ein weiterer Vorwurf lautet, dass die Motivation für eine realistische Einschätzung des tatsächlichen Risikos der verbrieften und strukturierten Subprime-Kredite aufgrund der institutionellen Konstellation, gering gewesen sei. So waren die Ratingagenturen teilweise in beratender Funktion für Finanzinstitute zuständig deren Produkte sie später bewerteten.

In Deutschland sind mit Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch und Dominion Bond Rating Services insgesamt vier Ratingagenturen von der Bundesbank und der Bundesagentur für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aufsichtsrechtlich anerkannt. Sie agieren auf Basis eines im Jahr 2004 verabschiedeten und auf Selbstverpflichtung basierenden Verhaltenkodex der Wertpapieraufsehervereinigung IOSCO. Dieser soll die Qualität und die Integrität des Rating Prozesses sowie ihre Unabhängigkeit und die Vermeidung von Interessenkonflikten sicherstellen. Bereits vor der Finanzkrise hat sich herausgestellt, dass dieser Rahmen nicht ausreicht und weitere regulatorische Maßnahmen notwendig sind. Die führenden Ratingagenturen haben ein Diskussionspapier vorgelegt und den Verhaltenskodex um eine strikte Trennung von Analyse- und Beratungstätigkeit ergänzt. Vor allem die nach marktwirtschaftlichen Prinzipien falsch gesetzten Anreize bzw. Rahmenbedingungen der Nichthaftung für Folgen und der weitgehenden Befreiung von Sanktionen der Arbeitsergebnisse haben die Einsicht weiter verstärkt, dass eine öffentliche Aufsichtsstelle notwendig ist, die den Ratingprozess überprüft und ggf. Sanktionen aussprechen kann (→ Frage: Werden Ratingagenturen künftig strengeren Regeln unterstellt?).