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Warum sind Banken so wichtig für die Wirtschaft?

Grundsätzlich nehmen Banken in modernen Volkswirtschaften eine zentrale Stellung ein, da sie Geld von Sparern verwalten und es anderen Akteuren wie Unternehmen und Privatpersonen, deren eigene Mittel nicht ausreichen, als Kredit zur Verfügung stellen. In dieser Funktion tragen Banken ganz wesentlich zur Funktionsfähigkeit des volkswirtschaftlichen Kreislaufs bei. Banken dienen also gewissermaßen als Mittler zwischen denjenigen, die sparen und denjenigen, die investieren. Dabei führen sie vor allem drei zentrale Funktionen aus: die Transformation von Beträgen, von Risiken und von Fristen.

Bei der Betragstransformation (auch als Losgrößentransformation bezeichnet) schaffen Banken einen Ausgleich zwischen dem Angebot vieler relativ kleiner Spareinlagen – die vor allem von Privatleuten getätigt werden – und der Nachfrage nach großen Krediten, die vor allem von Unternehmen ausgeht. Bei der Risikotransformation bringt die Bank ferner die unterschiedliche Risikobereitschaft von Investoren (Kreditnehmern) und Sparern zusammen unter der Prämisse, eine möglichst breite Streuung der Risiken zu erreichen.

Die Fristentransformation besteht darin, dass die Bank unterschiedliche Laufzeitinteressen der Schuldner (Unternehmen, der Staat oder Privatpersonen) und der Sparer in Einklang bringt. Kredite sind oft langfristiger Natur, während Sparer eine jederzeitige Verfügbarkeit ihres angelegten Kapitals zu schätzen wissen. Es ist nun Aufgabe der Bank, dafür zu sorgen, dass beide Parteien zufriedengestellt werden, ohne dass sie selbst in Zahlungsnöte gerät. Die „Goldene Bankregel“ besagt, dass kurzfristig aufgenommenes Geld nur kurzfristig ausgeliehen werden darf, während langfristig aufgenommenes Kapital auch langfristig ausgeliehen werden darf. Sie ist aber aufgrund der unterschiedlichen Präferenzen von Anlegern und Sparern kaum praktikabel. Mittels Fristentransformation nehmen Banken kurz- oder mittelfristige Gelder auf und leihen diese als langfristige Beträge wieder aus. In der Finanzkrise hat die Nichteinhaltung dieser goldenen Regel allerdings zu Problemen geführt, wie z. B. der Fall der US-amerikanischen Investmentbank Bear Stearns zeigt: Aus Panik zogen Anleger über Nacht ihr kurzfristig angelegtes Geld ab, während die Bank langfristig vergebene Kredite nicht schnell genug zu Geld machen konnte.

Eine weitere wichtige volkswirtschaftliche Funktion von Banken liegt darin, dass sie ihre Kreditnehmer in der Regel aus eigenem Interesse (nämlich an einer Rückzahlung der Schuld) gründlich auswählen. So sorgen sie dafür, dass Ersparnisse in eine möglichst produktive Verwendung fließen und beeinflussen damit auch die Durchführung zukunftsträchtiger Investitionen. Voraussetzung dafür ist, dass Banken für eventuelle Fehlentscheidungen haften müssen. Am US-amerikanischen Hypothekenmarkt - als besonders eklatantes Beispiel - war diese wichtige Bedingung nicht gegeben: Die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac hatten nicht nur den Staat als Sicherheit im Rücken, auch reichten sie die Risiken ihrer Schuldner als verbriefte Kredite an Investitionsbanken weiter (→ Frage: Inwieweit war die Politik bzw. der Staat für den Ausbruch der Finanzmarktkrise verantwortlich?).

Die Finanzkrise hat auch die Problematik der „Systemrelevanz“ von Banken hervorgebracht. Aufgrund ihrer Größe bzw. ihres Kundenkreises würden viele Banken durch eine Pleite enorme Verwerfungen auf dem (globalen) Finanzmarkt auslösen. Ihr Niedergang würde die volkswirtschaftliche Kreditversorgung und auch Ersparnisse und Altersvorsorgemaßnahmen weiter Bevölkerungsschichten gefährden. Als erschreckendes Beispiel für die Folgen einer Bankenpleite im großen Stil wird oft auf die amerikanische Investitionsbank Lehman Brothers verwiesen. Ihre Insolvenz gab der Reichweite der Finanzkrise einen großen Schub, auch Deutschland bekam das zu spüren. Um die in Zukunft zu vermeiden, sind die Maßnahmen der Regierungen zur Bankenstabilisierung so wichtig (→ Frage: Warum werden Banken bei den Hilfsaktionen anders behandelt als Unternehmen?).

Sie sind auch wichtig, um den sogenannten Interbankenmarkt wieder in Schwung zu bringen. Im Normalfall stellen sich Finanzinstitute – national wie international – gegenseitig Kredite zur Verfügung, vor allem um kurzfristige Finanzierungsengpässe zu überbrücken oder vorübergehende Überschüsse gegen eine Gebühr zu verleihen. Dieser Prozess ist im Zuge der Finanzkrise erheblich eingeschränkt worden, da ein großes Misstrauen gegenüber der Zahlungsfähigkeit anderer Banken herrschte und zum Teil weiterhin herrscht (→ Frage: Warum trauen sich die Banken trotz Staatsgarantien untereinander immer noch nicht?).