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Welche Rolle spielt Eigenkapital für Banken?

Banken benötigen – wie jedes Unternehmen – eigenes Kapital, um überhaupt Bankgeschäfte betreiben zu dürfen. Benötigt wird dieses Eigenkapital, um potentielle Verluste, die durch einen Kreditausfall entstehen können, abzufedern, die Zahlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten und als Geschäftspartner von anderen Banken anerkannt zu werden.

Analog zu Unternehmen sind auch Banken bestrebt, ihren Umsatz zu maximieren. Das tun sie, indem sie ihr Kreditgeschäft ausweiten, so dass dem einzelnen Kredit immer weniger Eigenkapital gegenübersteht. Mit der zunehmenden Ausweitung der Kredite (und der sinkenden Eigenkapitalquote) steigt aber auch das Risiko, die Forderungen der Gläubiger nicht mehr bedienen zu können und in Zahlungsnotstände zu geraten. Schlimmstenfalls führt das zur Bankinsolvenz.

Um das zu verhindern und sicherzustellen, dass Banken die Forderungen ihrer Kunden bedienen können, müssen sie bestimmte Mindestanforderungen an Eigenkapital erfüllen. In welcher Höhe eine Bank Eigenmittel mindestens vorhalten muss, hängt von den Risiken ab, die sie eingeht. Freilich kann nicht jeder Kredit in vollständiger Höhe durch Eigenkapital gedeckt sein. Vielmehr geht es eben darum, eine adäquate Mindestmenge zu definieren, so dass die Einlagen der Gläubiger nicht gefährdet werden. So schreibt das zweite Baseler Abkommen (Basel II) den Banken vor, dass sie mindestens acht Prozent der mit Risiken behafteten Forderungen mit Eigenkapital unterlegen müssen. Die verbleibenden 92 Prozent können sie über Verbindlichkeiten (z. B. Einlagen von Sparern) finanzieren. Die Finanzmarktkrise hat die Eigenkapitalausstattung von Banken maßgeblich beeinflusst.

Der Grund: Große kapitalmarktorientierte Finanzinstitute sind gesetzlich verpflichtet, Wertpapiere zu ihrem Marktwert (und nicht z. B. zu ihrem Kaufwert) in der Bilanz zu führen (Bilanzierungsregeln). In der aktuellen Krisensituation sank die Nachfrage nach vielen Wertpapieren – und damit auch ihr Marktwert – rapide ab, da große Unsicherheit über mögliche toxische Inhalte herrschte. In der Konsequenz verbuchten die Finanzinstitute hohe Wertminderungen in ihren Bilanzen und mussten hohe Beträge abschreiben. Da Abschreibungen den Gewinn verkleinern oder es zu möglicherweise großen bilanziellen Verlusten kommt, werden die Rücklagen bzw. das Eigenkapital aufgezehrt, d. h., Banken müssen ihre Kreditvergabe entsprechend einschränken, um weiterhin der Mindestanforderung von Basel II gerecht werden zu können.

Da dies eine bevorstehende Rezession verstärken kann, wird auch von der „prozyklischen Wirkung“ von Basel II gesprochen. Analog zur Rezession wird in Boomphasen eine Ausweitung der Kredite möglich, die die Wirtschaft zusätzlich anheizt: Bei Kursgewinnen steigen Bilanzwert und gegebenenfalls auch das Eigenkapital – selbst dann, wenn es sich bei den Kursgewinnen um das Ergebnis einer Spekulationsblase handelt. Wie in der gegenwärtigen Krise sind die Banken aber gezwungen, nach Kursverlusten ihre Wertpapierbestände neu zu bewerten. Das wiederum kann ihr Eigenkapital mindern, so dass sie – wie oben beschrieben – ihre Kreditvergabe reduzieren müssen.