„Vorgezogene Neuwahlen wären ein Ausweg“

Tjark Marten Egenhoff zum Staatsstreich in Honduras

In der Nacht zum 28. Juni 2009 ist es in Honduras zu einem Staatsstreich gegen Präsident Zelaya gekommen. Militärs brachten ihn außer Landes, während sein parteiinterner Rivale Micheletti vom Parlament zum Nachfolger bestimmt wurde. Staatschefs auf der ganzen Welt, besonders aber in Lateinamerika, haben diesen Vorgang als undemokratisch verurteilt und verweigern der neuen Regierung die Anerkennung. Aktuell läuft ein 72-stündiges Ultimatum der Organisation Amerikanischer Staaten gegen die neue Regierung, das die Wiedereinsetzung des alten Präsidenten fordert.

„Eine Rückkehr von Präsident Zelaya mag man sich Honduras momentan nicht vorstellen“, beschreibt Tjark Marten Egenhoff, der Leiter des KAS-Auslandsbüros in Guatemala, die Stimmung im Land. Eine Mehrheit in der Bevölkerung unterstützt demnach das Vorgehen der neuen Regierung, genauso wie die katholische Kirche und sämtliche politischen Gremien in Honduras.

Eine besondere Bedeutung bei der Lösung des Konflikts kommt aus Egenhoffs Sicht den USA zu. Diese müssen nach der Ankündigung einer neuen Partnerschaft mit Lateinamerika nun beweisen, dass sie eine konstruktive Vermittlerrolle ausfüllen können.

„Viele Optionen für eine Lösung des Konflikts gibt es im Moment nicht“, betont Egenhoff allerdings. Ein Vorziehen der für November geplanten Neuwahlen könnte allerdings einen guten Kompromiss darstellen. Einen Rückfall in 60er und 70er Jahre mit ihren zahlreichen Militärputschen schließt Egenhoff dagegen aus: „Die aktuellen Geschehnisse in Honduras sind mit einem Putsch nicht zu vergleichen.“

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Interview mit Tjark Marten Egenhoff, Leiter des KAS-Auslandsbüros in Guatemala (Foto: Yamil Gonzales)

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