Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)

Dr. Manfred Wörner (1934-1994)

Bundesverteidigungsminister, NATO-Generalsekretär

Bild 1 von 23
Manfred Wörner, Portrait. (Quelle: Slomifoto/KAS-ACDP)
Manfred Wörner, Portrait. (Quelle: Slomifoto/KAS-ACDP)

Am 13. August 1994 verstarb Manfred Wörner. Aus Anlass seines 15. Todestages würdigt das Archiv für Christlich-Demokratische Politik das Lebenswerk des Verteidigungsministers und NATO-Generalsekretärs und präsentiert erstmals Fotos, Plakate, Urkunden, Briefe und Reden aus dem persönlichen Nachlass.

Anfangsjahre

Manfred Wörner wurde am 24. September 1934 als Sohn eines Textilkaufmanns in Stuttgart-Bad-Cannstadt geboren. Nach dem Besuch des Johannes-Kepler-Gymnasiums begann er 1953 das Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten, Heidelberg und München. Nach dem 2. Juristischen Staatsexamen und einer Dissertation zum Thema „Strafgerichtsbarkeit über Truppen bei einverständlichem Aufenthalt auf fremden Staatsgebiet“ nahm er 1961 eine Tätigkeit als Regierungsassessor beim Landratsamt in Öhringen auf. 1962 Jahr erfolgte der Wechsel zur Landtagsverwaltung nach Stuttgart, in der Wörner erste Erfahrungen mit dem parlamentarischen Betrieb sammeln konnte. Die Jahre im Stuttgarter Landtag prägten den weiteren Lebensweg.

Jüngster Abgeordneter

1965 wurde Manfred Wörner, der 1956 der CDU beitrat, für den Wahlkreis Göppingen in den Deutschen Bundestag gewählt und war mit 30 Jahren der jüngste Abgeordnete. In den ersten Jahren seiner Abgeordnetentätigkeit widmete er sich der Entwicklungspolitik und der Sportförderung. Zu seinen politischen Ziehvätern gehörten Eugen Gerstenmaier und Bruno Heck. Letzterer war es auch, der ihn 1968 als Geschäftsführenden Vorsitzenden in die Konrad-Adenauer-Stiftung holte. Schwerpunkte seiner vierjährigen Amtszeit waren die internationale Zusammenarbeit und entwicklungspolitische Arbeit der Stiftung. Nach der Bundestagswahl 1969 wurde Wörner zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion gewählt und setzte sich bei der Wahl zum Vorsitzenden der Landesgruppe der baden-württembergischen Abgeordneten gegen den langjährigen Amtsinhaber Eduard Adorno durch.

Wörner, der zu den so genannten weißen Jahrgängen zählte, ließ sich als Kampfpilot auf dem Starfighter ausbilden und erwarb den Militärflugführerschein. Er entwickelte sich rasch zum verteidigungspolitischen Experten seiner Fraktion und war 1972 im Schattenkabinett des CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Rainer Barzel für das Amt des Verteidigungsministers vorgesehen. In den folgenden Jahren konnte sich Manfred Wörner einen Namen als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verteidigung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion machen. Der sicherheitspolitische Kongress der CDU 1975 in Koblenz trug seine Handschrift. 1976 übernahm Wörner den Vorsitz des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages. Er war zutiefst davon überzeugt, dass die Sicherheit Deutschlands nur durch das uneingeschränkte Bekenntnis zur Freundschaft mit den USA und eine starke Bundeswehr gewährleistet ist.

Verteidigungsminister

Am 4. Oktober 1982 wurde Manfred Wörner, inzwischen Oberstleutnant der Reserve, von Bundeskanzler Helmut Kohl in das Amt des Verteidigungsministers berufen. Sprachgewandtheit und Sachkenntnis machten Wörner im Kreis der NATO-Verteidigungsminister zu einem geachteten Verhandlungspartner.

Ende 1983 geriet der Minister angesichts der Vorgänge um die umstrittene Versetzung des Generals Günter Kießling in den einstweiligen Ruhestand in die Schlagzeilen. Bundeskanzler Kohl lehnte das Rücktrittangebot seines Ministers ab. Ende des Jahres gelang es Wörner, das Konzept für die Modernisierung der Bundeswehr umzusetzen. Eckpfeiler waren die Sicherung des Personalbestands der Bundeswehr durch eine Verlängerung der Wehrpflicht von 15 auf 18 Monate, die Modernisierung und Verstärkung der atomaren Kurzstreckenraketen und eine deutsche Beteiligung am SDI-Programm des damaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Neben der engen Bindung an die USA war die sicherheitspolitische Annäherung an Frankreich ein weiterer wichtiger Grundpfeiler seiner verteidigungspolitischen Überlegungen. Nach dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow suchte er ein neues Verhältnis zur Sowjetunion und zu den Staaten des Warschauer Paktes. So nahmen im Herbst 1987 erstmals NATO-Offiziere als Beobachter an Manövern des osteuropäischen Bündnisses teil.

NATO-Generalsekretär

1988 übernahm Manfred Wörner als erster Deutscher das Amt des NATO-Generalsekretärs. In seiner Antrittsrede beschrieb er die Allianz als Garant der Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde, mit der die Sicherheit und das Schicksal Deutschlands auf das Engste verknüpft sind. Zu seinen bleibenden Verdiensten als NATO-Generalsekretär zählen die Anpassung der Allianz an die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des Ostblocks. Im Juli 1990 stellten die Staats- und Regierungschefs der NATO-Staaten das Ende des Ost-West-Konfliktes fest. Wörners Moskau-Reise legte mit den Grundstein für den Verbleib des wiedervereinigten Deutschlands in der NATO. Das Ende der Sowjetunion läutete die Neuorientierung des Verteidigungsbündnisses im europäischen Sicherheitssystem ein. Manfred Wörner schuf dazu die Basis. Die weitere Entwicklung konnte er nicht mehr erleben; er verstarb am 13. August 1994 nach langer schwerer Krankheit in seiner Brüsseler Dienstwohnung. Im Rahmen eines Staatsaktes würdigte ihn Bundeskanzler Helmut Kohl als „deutschen Patrioten“ und „kraftvolle Führungspersönlichkeit“, dem es gelang, „das Bündnis für neue Partner aus dem ehemaligen Warschauer Pakt zu öffnen“ und der dazu beitrug, „dass die NATO jetzt eine gestaltende Rolle beim Aufbau einer neuen europäischen Sicherheitsordnung einnimmt.“

Nachlass

Das politische Leben Manfred Wörners dokumentiert im Archiv für Christlich-Demokratische Politik ein umfangreicher Nachlass von 15 laufenden Archivmetern Schriftgut. Der Bestand enthält über 800 Fotografien, persönliche Dokumente wie Ausweise, das Familienwappen, Schulhefte und Studienbücher, Tagebuchnotizen und eine umfangreiche persönliche Korrespondenz mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt sowie eine Reden- und Artikelsammlung. Des Weiteren wurden Orden, Ehrenmedaillen und sein Flugkoffer, den er bei seinen Reisen mit sich führte, dem Archiv übergeben. Erwähnenswert ist auch die von seiner Witwe Elfie Wörner zusammengestellte Dokumentation zahlreicher posthumer Ehrungen und Würdigungen. Neben Gedenkfeiern, Benennung von Straßen und Plätzen im Wahlkreis Göppingen sind die Vergabe der Manfred-Wörner-Medaille durch das Bundesverteidigungsministerium, die Einrichtung eines Manfred-Wörner-Stipendiums an den Bundeswehr-Hochschulen München und Hamburg sowie das von der NATO in Brüssel 1998 eröffnete Manfred-Wörner-Haus besonders hervorzuheben. Der Nachlass Manfred Wörners ist im Rahmen der Benutzungsbedingungen des Archivs zugänglich. Für Forscher und Forscherinnen ist er eine Fundgrube zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Union seit den 1970er Jahren.

Angela Keller-Kühne / Peter Crämer

Literatur

  • Wörner, Manfred: Für Frieden in Freiheit. Reden und Aufsätze. Hg. von Günter Rinsche/Gerd Langguth. Berlin 1995.
  • Ferdinand, Horst: Manfred Hermann Wörner. In: Bernd Ottnad (Hg.): Baden-Württembergische Biographien, Bd. 2. Stuttgart 1999, S. 494-502.
Manfred Wörner

Manfred Wörner 1984. (© ullstein)

Kontakt

Abbildung
Hauptabteilungsleiter Wissenschaftliche Dienste/Archiv für Christlich-Demokratische Politik
Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters
Tel. +49 2241 246-2240
Fax +49 2241 246-2669
Hanns.Kuesters(akas.de
Abbildung
Leiterin Abteilung Schriftgutarchiv
Dr. Angela Keller-Kühne
Tel. +49 2241 246-2444
Fax +49 2241 246-2669
Angela.Keller-Kuehne(akas.de
Abbildung
Sachbearbeiter
Peter Crämer
Tel. +49 2241 246-2510
Fax +49 2241 246-2669
Peter.Craemer(akas.de