„In einer guten Zeitung muss es zugehen wie auf einem bevölkerten Marktplatz“
Interview mit Paul-Josef Raue, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung
Im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler wird am 31. August der Deutsche Lokaljournalistenpreis in Braunschweig verliehen. Die von der Konrad-Adenauer-Stiftung vergebene Auszeichnung geht in diesem Jahr an die „Braunschweiger Zeitung“. In ihrer Begründung erwähnt die Jury insbesondere das Konzept der Bürgerzeitung, das für die Auszeichnung ausschlaggebend war.
Für Paul-Josef Raue, den Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, hat dieses Konzept viel mit dem Grundgesetz zu tun. „Wir nehmen den Artikel 5 sehr ernst und wollen die Bürger ins Selbstgespräch der Gesellschaft einbinden“, sagt Raue im Vorfeld der Preisverleihung im Interview mit kas.de. Im fünften Verfassungsartikel sind Meinungs- und Pressefreiheit zugesichert. Dementsprechend bietet seine Zeitung ihren Lesern ein Forum zur Meinungsäußerung, das weit über die Leserbriefseite hinausgeht. Neben einem Leserbeirat gibt es auch eine Leserredaktion. Diese gestaltet beispielsweise jeden Dienstag die Seite 3 mit dem großen Interview „Leser fragen“.
„In einer guten Zeitung muss es zugehen wie auf einem bevölkerten Marktplatz“, erläutert Raue, „wir sorgen für frische und qualitätsvolle Produkte, machen uns aber auch viele Gedanken über die Bedürfnisse der Kunden.“ Das Konzept der Bürgerbeteiligung sei dabei keinesfalls neu. Schon immer habe guter Lokaljournalismus auf einem engen Kontakt zu den Menschen vor Ort basiert. „Neu ist allerdings, dass wir die Leser von uns aus auffordern: Komm, beteiligt euch.“
Über die Auszeichnung mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis hat sich die Redaktion nach Raues Angaben „ungemein gefreut.“ Der Preis sei eine schöne Bestätigung für das Konzept, das nicht unumstritten ist. „Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Einbeziehung des Bürgers und Wertschätzung des Lokalen als Irrweg belächelt, als Ausgeburt der Provinz“, so Raue.
Seine Redaktion und er sind von dem Konzept der Bürgerzeitung inzwischen aber vollständig überzeugt: „Es ist fast weniger aufwändig, die Zeitung so zu planen, als wenn wir sie ohne Einbeziehung der Bürger machen würden – das Konzept ist uns in Herz und Blut übergegangen.“ Insgesamt sieht Raue in der Tuchfühlung zum Leser eine Stärke des guten Lokaljournalisten. Das alleine reiche allerdings nicht aus, auch die Qualität der Texte muss stimmen, so Paul-Josef Raue: „Wir brauchen Exzellenz, gerade auch im Lokalen.“
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Interview mit Paul-Josef Raue, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung.
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