Geschichte der CDU

Biedenkopf, Kurt

Generalsekretär der CDU, Ministerpräsident, ordentlicher Professor, Dr. jur., Dr. h. c. mult., * 28.01.1930 Ludwigshafen, römisch-katholisch

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Kurt Biedenkopf, Portrait
Kurt Biedenkopf | Quelle: Slomifoto/KAS-ACDP

1950–1954 Studium der Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in München und Frankfurt; 1955-1960 1. und 2. juristische Staatsprüfung; 1964–1970 ordentlicher Professor für Bürgerliches Recht, Handels-, Wirtschafts- und Arbeitsrecht in Bochum (1967–1969 Rektor); 1971–1973 Geschäftsführer der Henkel GmbH, Düsseldorf; 1973–1977 Generalsekretär der CDU; 1976–1980 und 1987–1990 MdB; 1977–1986 Vorsitzender der CDU Westfalen-Lippe; 1980–1988 MdL Nordrhein-Westfalen; 1980–1984 Vorsitzender des Präsidiums, 1986–1987 der CDU Nordrhein-Westfalen; 1990-2004 MdL Sachsen; 1990 – April 2002 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, 1991–1995 Vorsitzender der CDU Sachsen.

Kurt Biedenkopf war Rektor der Ruhr-Universität Bochum, Generalsekretär der CDU Deutschlands, Gründungsvorsitzender der Union in Nordrhein-Westfalen und langjähriger Ministerpräsident von Sachsen.

Der Lebenslauf von Kurt Biedenkopf umspannt einen Gutteil der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, von der er in Anspruch nehmen kann, ihn in so vielen Positionen wie nur wenige andere mitgestaltet zu haben. Als Wissenschaftler und Vordenker, als Parteireformer und Landespolitiker und schließlich als sächsischer Ministerpräsident hat er sich bleibende Verdienste erworben.

Familie und Ausbildung

Kurt Hans Biedenkopf wurde am 28. Januar 1930 in Ludwigshafen am Rhein als Sohn eines Ingenieurs geboren. Der berufliche Aufstieg des Vaters zum Technischen Direktor des Buna-Werkes in Schkopau machte 1938 den Umzug der Familie nach Merseburg erforderlich. 1945 floh die Familie ins hessische Groß-Umstadt. Nach dem Abitur 1949 studierte er für ein Jahr in den USA politische Wissenschaft, danach in München und Frankfurt Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Der Frankfurter Kartellrechtler Franz Böhm, der im Dritten Reich als Vertreter der Freiburger Schule Konzepte für eine freiheitliche Wirtschaftspolitik entwickelt hatte und nur mit Mühe die KZ-Haft vermieden hatte, sollte ihn nachhaltig prägen. Zu den Vertretern des ordoliberalen Denkmodells zählte auch der aus dem amerikanischen Exil nach Frankfurt zurückgekehrte Wirtschaftsrechtler Heinrich Kronstein. Nach dem Ersten juristischen Staatsexamen 1955 wurde Biedenkopf dessen wissenschaftlicher Assistent.

Rektor und Manager

1963 habilitierte sich Biedenkopf für die Gebiete Bürgerliches Recht, Handels-, Wirtschafts- und Arbeitsrecht in Frankfurt mit einer Arbeit über „Die Grenzen der Tarifautonomie“. Bereits ein Jahr später, im Alter von nur 34 Jahren, wurde er als Ordinarius an die Ruhr-Universität in Bochum für Handelsrecht, Wirtschaftsrecht und Arbeitsrecht berufen. An der neuen Hochschule im Ruhrgebiet legte er eine Blitzkarriere hin: 1966 Dekan der Abteilung für Rechtswissenschaft, 1967 Rektor der Universität und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz von Nordrhein-Westfalen. Während seiner Hochschultätigkeit in Bochum wurde er einer breiteren, politisch interessierten Öffentlichkeit bekannt. Auf Vorschlag von Josef Hermann Dufhues, des einflussreichen Vorsitzenden des CDU-Landesverbands Westfalen-Lippe, ernannte die Regierung der Großen Koalition in Bonn Biedenkopf zum Vorsitzenden ihrer Mitbestimmungskommission 1968. Der Abschlussbericht wurde 1970 der Bundesregierung übergeben und diente als Grundlage für die Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes 1972 und des Mitbestimmungsgesetzes 1976. Dufhues hatte ihn 1966 für eine Mitgliedschaft in der CDU gewonnen. Der „große Reiz der CDU“ besteht für Biedenkopf darin, „dass es innerhalb dieser Partei vermittelt über das christliche Weltbild eine grundsätzliche Verständigung trotz unterschiedlicher Denkrichtungen gibt.“ Parteipolitisch trat er erstmals 1970 öffentlich in Erscheinung, als ihn der CDU-Spitzenkandidat von Nordrhein-Westfalen, Heinrich Köppler, in seine Führungsmannschaft für die Landtagswahl berief. Im folgenden Jahr setzte er auf der Ebene der Bundespartei ein erstes Ausrufezeichen, als er auf dem Bundesparteitag im Oktober 1971 in der Entscheidung über den Parteivorsitz zwischen Rainer Barzel und Helmut Kohl Partei für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten ergriff. Biedenkopf und Kohl standen seit 1969 in engerem Kontakt. Es gab eine von Hanns-Martin Schleyer, Vorstandsmitglied bei Daimler-Benz und Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, initiierte Arbeitsgruppe, die sich in unregelmäßigen Abständen im Weinkeller der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei mit Helmut Kohl traf. Bestärkt durch Schleyer entschloss sich Biedenkopf, seine Karriere an der Hochschule zu beenden und in Wirtschaft und Politik zu wechseln. 1971 wurde Biedenkopf Mitglied der zentralen Geschäftsführung des Henkel-Konzerns in Düsseldorf. Den Fünfjahresvertrag bei Henkel löste Biedenkopf vorzeitig, als er am 12. Juni 1973 auf dem CDU-Bundesparteitag in Bonn auf Vorschlag Kohls, der Barzel im Parteivorsitz ablöste, zum neuen Generalsekretär gewählt wurde.

CDU-Generalsekretär

In seiner vierjährigen Amtszeit fielen die wesentlichen Reformentscheidungen, die eine grundlegende Veränderung der Parteiorganisation der CDU zur Folge hatten. Eine tiefgreifende Umorganisation der Bundesgeschäftsstelle und der Ausbau des hauptamtlichen Parteiapparats, die engere Zusammenarbeit der Bundespartei mit den einzelnen Landesverbänden und Vereinigungen sowie die Belebung der innerparteilichen Demokratie durch die Reorganisation und Aktivierung der Arbeit der Fachausschüsse und Kommissionen waren wichtige Schritte in der Entwicklung der CDU zur „modernen Volkspartei“ (Wulf Schönbohm). Bis 1977 gewann die Partei mehr als 200.000 neue Mitglieder hinzu. Diese Entwicklung wäre ohne die politische Rückendeckung durch den Parteivorsitzenden Helmut Kohl nicht möglich gewesen. Trotz dieser Erfolgsbilanz verzichtete Biedenkopf 1977 auf eine erneute Kandidatur für das Amt des Generalsekretärs. Das Verhältnis zu Helmut Kohl war nicht mehr ungetrübt. Der Parteivorsitzende misstraute Biedenkopf, dem eigene Kanzlerambitionen nachgesagt wurden, zusehends. Nach dem Verzicht auf das Amt des Generalsekretärs versuchte sich Biedenkopf eine eigene Hausmacht in der CDU zu schaffen. Im Juni 1977 löste er an der Spitze der CDU Westfalen-Lippe den bisherigen Landesvorsitzenden Heinrich Windelen ab. Daneben baute er sich mit der Gründung des „Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft“ ein zweites Standbein auf. Mit seinem Leiter Meinhard Miegel verbindet Biedenkopf eine lebenslange Freundschaft. Das Institut sollte keine parteipolitische, sondern eine wissenschaftliche Einrichtung sein. Gleichwohl lieferten die Ergebnisse des Instituts Biedenkopf Material für seine politische Arbeit. So in der Rentendiskussion der 1980er Jahre, als er unter Verweis auf die Ergebnisse einer entsprechenden Studie für den Übergang zu einer allgemeinen Grundrente plädierte, da das bestehende Rentensystem angesichts der demographischen Entwicklung langfristig nicht mehr finanzierbar sei. mehr >>

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